﻿Berberitzen

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vulgaris), namentlich aber in der Wurzel
desselben, ferner in der Kolombowurzel und
dem Kolomboholz, der jamaikanischen Wurm-
rinde, der Wurzel von Hydrastis canadensis,
bildet glänzende gelbe Kristallnadeln von
bitterem Geschmack, die in kaltem Wasser
nur sehr wenig, in heißem leicht löslich sind.
Die Verbindungen des B. mit den Säuren, die
Berberinsalze, sind meistens ebenfalls gelb
und schwer löslich, und finden wie die freie
Base beschränkte medizinische Anwendung.
— Zollfrei.

Berberitzen (Sauerdornbeeren, lat.
Baccae berberidis, frz. Bayes de vinetier,
Bayes d’Epinevinette, engl. Berber-berries),
die länglich runden, fast zylindrischen, schar-
lachroten Früchte von Berberis vulgaris
(L.) des Berberitzenstrauchs, sind reich an
Äpfelsäure und waren früher Artikel des
Drogenhandels. Man verwendet sie zur Her-
stellung von Berberitzensirupy und B.-Mus,
sowie den Saft als rote Farbe. — Zoll: S. Tarif
Nr. 47. 71. 72.

Bergamottöl (lat. Oleum bergamottae, frz.
Essence de bergamotte, engl. Oil of berga-
mot), ein sehr wohlriechendes ätherisches Öl,
wird aus den Fruchtschalen der Bergamotten,
der Früchte von Citrus Bergamia, einer
Orangenart, durch Auspressen gewonnen.
Eine weniger fein riechende, aber hell-
farbigere Sorte erhält man durch Destillation
mit Wasserdampf. Das gepreßte B. hat eine
bräunlich gelbe Farbe, kommt aber gewöhn-
lich grün hier an infolge eines aus den
Gefäßen herrührenden Kupfergehaltes. Es
ist anfangs trübe, klärt sich aber bald und
hat das spez. Gew. 0,870—0,890. Das meiste
B. kommt aus Messina und Palermo in kup-
fernen Ramiören von 5—50 kg Inhalt, außer-
dem liefern noch Südfrankreich, Spanien und
Griechenland dieses Öl. Reines B. muß sich
schon in seinem halben Volumen Alkohol,
ebenso in Kalilauge klar lösen. Mit Jod
entflammt es sich. — Zoll: 30 M.

Bergblau (frz. Bleu de montagne, engl.
Mountain-blue) besteht aus feingemahlenem
und geschlämmten Lasurstein (Kupfer-
lasur) und kommt nur noch selten in den
Handel, weil man dem künstlich dargestellten,
dem Bremerblau, den Vorzug gibt. —
Zollfrei.

Berggrün (Ungarischgrün, Tiroler-
grün, Schiefergrün), eine lebhaft grüne
Maler- und Anstrichfarbe, besteht gewöhnlich
aus gemahlenem und geschlämmten Mala-
chit, wird jedoch nicht viel mehr verwendet,
da man künstliche Farben von ähnlicher
Zusammensetzung vorzieht. Vergl. Braun-
schweigergrün. In Tirol sortiert man die
Ware in Malachitgrün, ölgrün und
Grundfarbe. Das B. gehört zu den kupfer-
haltigen, daher giftigen Farben. — Zollfrei.

Bergkristall (frz. Cristal de röche, engl.
Rock-crystal). Mit diesem Namen pflegt man
die reinste, in durchsichtigen Kristallen des
hexagonalen Systems vorkommende Kiesel-
säure zu belegen. Sind die Kristalle un-
durchsichtig, so nennt man sie Quarz, sind
Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

sie durch geringe Beimengungen anderer
Stoffe gefärbt, so gibt man ihnen besondere
Namen. So heißen die blauen und violetten
Varietäten Amethyst, die braunen Rauch-
quarz oder irrtümlicherweise Rauchtopas,
die gelben Zitrin und die schwarzen Mo-
rion. Hauptfundorte schöner B. sind die
schweizerischen und tiroler Alpen, Ungarn,
Ceylon, Madagaskar, Brasilien und Japan.
Man schleift den B. zu allerlei Schmuck-
gegenständen und hat neuerdings auch Ge-
wichtssätze für feine mechanische Wagen dar-
aus gefertigt, wozu er sich wegen seiner Härte
(7 Grade) und Unveränderlichkeit an der
Luft vortrefflich eignet. — Roher B. ist zoll-
frei. Zu vergl. die Zollsätze für Halbedel-
steine und Edelsteine.

Bergpetersilie (Grundheil, Hirschwur-
zelkraut, lat. Herba oreoselini, frz. Herbe
de persil de montagne, Athamante, engl.
Athamanta), das getrocknete Kraut von
Athamanta Oreosolinum, einer Umbel-
lifere, wird in der Tierheilkunde verwendet.
— Zollfrei.

Bergteer (frz. Pisasphalte, engl. Mineral
tar) nennt man die dickflüssigen, zäheren
Sorten von Petroleum, welche an manchen
Orten der Erde entquellen und gewisser-
maßen ein Mittelding zwischen Petroleum
und Asphalt bilden. — Zollfrei.

Berlinerblau (Preußischblau, Pariser-
blau) ist eine geschätzte blaue Farbe, welche
durch Fällung von Eisenvitriollösung mit
gelbem Blutlaugensalz und nachheriger Be-
handlung des abfiltrierten, hellfarbigen Nie-
derschlages mit Chlorkalk oder chlorsaurem
Kalium gewonnen wird. Die aus reinem
Ferroferricyanid bestehende Sorte bezeichnet
man meist als Pariserblau, während der Name
B. meist für Gemische des letzteren mit Ton,
Gips oder Schwerspat benutzt wird. — Zoll:
10 M. _

Berlinergrün, eine Anstrichfarbe, wird als
grünes, in Wasser unlösliches Pulver aus der
Mutterlauge bei der Blutlaugensalzfabrikation
erhalten. Zuweilen wird auch ein Gemenge
von Berlinerblau mit Gelb unter demselben
Namen verkauft. — Zollfrei.

Berlinerrot. Diesen Namen führt eines-
teils der geglühte oder gebrannte Ocker,
andemteils eine geringere Sorte von Floren-
tinerlack (Rotholzlackfarbe). — Zollfrei.

Bernstein (Börnstein, Brennstein, Agt-
stein, Achtstein, Succinit, lat. Succi-
num, Electrum, frz. Succin, engl. Amber),
ein fossiles Harz vorhistorischer Wälder, war
ursprünglich weich, wie Terpentin, denn es
finden sich häufig Insekten darin einge-
schlossen, ist aber durch die lang andauernde
Einwirkung von Druck, Feuchtigkeit und
mäßiger Wärme sehr hart und fest geworden.
Die an B. reichste Gegend ist die Seeküste
von Ost- und Westpreußen, namentlich das
Samland nördlich von Königsberg, und hier
findet auch eine regelmäßige Gewinnung
durch Tauchen und Baggern in der Nähe des
Strandes oder durch Graben oder bergmänni-
schen Betrieb auf dem Lande, (Bergwerk

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