﻿Bernsteinlack

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Beryll

Palmnicken), statt. In geringeren Mengen
findet sich B. an den Küsten von Livland,
Kurland, Mecklenburg, Holstein und Däne-
mark, sowie in Schlesien, Galizien, Rumänien,
Sizilien, Spanien, Grönland, Kamtschatka,
Ober-Birma und China. — Der B. zeigt in
seiner äußeren Erscheinung außerordentliche
Unterschiede. Man hat durchsichtigen, trüben
und undurchsichtigen, weißlichgelben, hell-
gelben bis dunkelgelben und braunen B. Der
Glanz ist glasartig, die Größe und Gestalt der
Stücke sehr wechselnd. Er wird daher für
den Handel nach Größe, Farbe und Schön-
heit in sehr viele Sorten geteilt. Der deutsche
B., der hauptsächlich den Markt beherrscht,
gelangt teils verarbeitet, teils roh in den
Handel. Der Haupthandelsplatz für B. war
seit langen Zeiten Danzig, wo auch viel ver-
arbeitet wird. Jetzt ist die Gewinnung dort
etwas zurückgegangen, und Königsberg,
nächstdem Memel und Stolpe, an die Spitze
getreten. Große Mengen gehen nach Wien,
Konstantinopel und Paris, wo sehr schöne
Schmucksachen daraus gefertigt werden. Die
Verarbeitung erfolgt mittels Schnitzen und
Raspeln, sowie auch mit der Drehbank. Man
fertigt aus dem B. Pfeifen- und Zigarren-
spitzen, Broschen und verschiedene andere
Schmuck- und Kunstsachen, so Bernstein-
perlen und Bernsteinkorallen (Bastard-
korallen). Die kleinen Stückchen und Ab-
fälle werden zur Bereitung von Bernsteinlack
und Bernsteinsäure, sowie auch zum Räuchern
verwendet. Auch benutzt man die Abfälle
zur Nachahmung echter Bernsteinwaren, in-
dem man sie mit heißem Schwefelkohlenstoff
in eine plastische Masse verwandelt und dann
in Formen preßt. Solche Ware kommt als
Ambroid in den Handel. Man erkennt sie
mittels des Mikroskops an dem Fehlen der
zahlreichen kleinen Luftbläschen, die der
echte B. zeigt. Nicht selten werden auch
Nachahmungen aus einem Gemische von
Kopal, Terpentin und Kampfer gefertigt, die
sich durch ihre leichte Löslichkeit in Äther
und ihre leichtere Schmelzbarkeit vom echten
B. unterscheiden lassen. Schwarzer B. ist
Gagat. — Zoll: Bernstein roh, Bernstein-
masse, Bernsteinstaub sind zollfrei. Bern-
steinwaren: 200 M.

Bernsteinlack (Bernsteinfirnis, frz.
Vernis au succin, Laque de l'ambre jaune,
engl. Varnish of amber). Diese zum Anstrich
auf Holz, Blech und Leder dienende Flüssig-
keit besteht aus einer Auflösung von Bern-
stein in Terpentinöl und Leinölfirnis. Zu ihrer
Darstellung wird der Bernstein vorher vor-
sichtig geschmolzen, worauf er sich schon
bei einer Temperatur von 100° auflöst. Sol-
cher geschmolzener Bernstein kommt
in 7 verschiedenen Sorten in den Handel,
die sich nur durch größere oder geringere
Helligkeit unterscheiden. Eine geringwertige,
sehr dunkle Sorte wird aus dem sogenannten
Bernsteinkolophonium, einem zur Ge-
winnung von Bernsteinsäure und Bernsteinöl
sehr stark erhitzten Bernstein, erhalten. Die
mit B. hergestellten Anstriche sind sehr

dauerhaft, luft- und wetterbeständig und be-
sitzen schönen Glanz und große Härte. Sehr
häufig werden harte Kopalsorten zu soge-
nannten Bernsteinlacken mitverwendet, da
die Gewinnung von Bernstein immer mehr
zurückgeht. — Zoll: 25 M.

Bernsteinöl (Agtsteinöl, lat. Oleum suc-
cini, frz. Huile de succin, engl. Ambre-oil)
ist ein dunkelbraunes, grünlich schillerndes,
unangenehm riechendes ätherisches öl, wel-
ches als Nebenprodukt bei der Bereitung
der Bernsteinsäure aus Bernstein gewonnen
und als krampfstillendes Mittel, sowie äußer-
lich gegen Zahnschmerz verwendet wird.
Für den gleichen Zweck hat man auch ein
gereinigtes, über Holzkohle destilliertes B.,
welches weniger unangenehm riecht und eine
blaßgelbe Farbe besitzt. — Zoll: 30 M.

Bernsteinsäure (Succinylsäure, Dicar-
bonäthylensäure, lat. Acidum succinicum,
frz. Acide succinique, engl. Succinic acid),
eine organische Säure, findet sich fertig ge-
bildet in Bernstein, einigen Braunkohlen, Har-
zen, Terpentinölen, Pflanzen- und tierischen
Säften. Sie entsteht bei der Oxydation von
Fetten mit Salpetersäure, bei der Gärung
und Fleischfäulnis und wird im großen dar-
gestellt durch Vergärung von äpfelsaurem Kal-
zium aus Vogelbeersaft oder durch trockne
Destillation von Bernstein. B. bildet farblose
Kristalle von schwach saurem Geschmack,
schmilzt bei 185° und destilliert bei 235°
unter Wasserabspaltung. Zu ihrem chemi-
schen Nachweise bedient man sich des neu-
tralen Kalzium- oder Baryumsalzes, welche
in Wasser und Alkohol schwer, bzw. unlöslich
sind. B. findet beschränkte Anwendung zur
Herstellung pharmazeutischer Präparate, be-
sonders des Liquor Ammonii succinici, sowie
in der Chemie und Photographie. — Zollfrei.

Bertramwurzel (Zahnwurzel, Speichel-
wurzel, lat. Radix pyrethri, frz. Racine de
pyrhthre, engl. Pellitory). Unter diesem Na-
men kommen im Drogenhandel zwei ver-
schiedene Wurzeln vor. 1. Die deutsche B.
(Radix pyrethri germanici) stammt von Ana-
cyclus officinarum und wird vielfach in
Thüringen kultiviert. 2. Die römische B.
(Radix pyrethri romani) stammt von Ana-
cyclus Pyrethrum, einer in Arabien, Sy-
rien und Nordafrika wildwachsenden, in
Italien kultivierten Pflanze aus der Familie
der Kompositen. Beide besitzen einen bren-
nend scharfen Geschmack, sind aber geruch-
los. Die deutsche B. hat Längsrunzeln, die
römische Querrunzeln. Bei ersterer ist der
Holzkörper braun, bei letzterer gelb. Man
verwendet B. meist zu Zahntinkturen und
Mundwässern. — Zollfrei.

Beryll, ein in sechsseitigen Säulen kristal-
lisierendes, aus Kieselsäure, Tonerde und
Beryllerde bestehendes Mineral, ist sehr hart,
glasglänzend und verschieden gefärbt, doch
herrschen die grünen Nuancen vor. Blaß-
grüner oder farbloser und durchsichtiger B.
wird edler Beryll genannt und als Schmuck-
stein verwendet. Alle undurchsichtigen B.
nennt man gemeinen B., die gelblichgrünen