﻿Biertreber

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Bioson

eine Staffelung vorgesehen in der Weise, daß
für die ersten 250 dz 4 M. pro Doppelzentner,
für die folgenden 250 dz 4,50 M., für die,
folgenden 500 dz 5 M. und nun für jede fol-
genden 1000 dz nacheinander 5,50; 6; 6,50;
7; 8; 9 und für den Rest je 10 M. pro 1 dz
erhoben werden. Die hierdurch bedingte
Mehrausgabe beträgt für Brauereien mit einer
Jahresverschrotung von 100—120000 hl ca.
75—80 Pfg. pro 1 hl. Dazu kommt als wei-
tere Belastung des Bieres die Erhöhung der
Zollsätze für Malz und Hopfen, die nach dem
alten Tarif vom 1. I. 1896 pro 1 dz 3,60 bzw.
14 M.; nach dem neuen Zollgesetz vom
25. XII. 1902 hingegen 5,75 bzw. 20 M. be-
tragen. Hierdurch wird eine weitere Er-
höhung um 35—40 Pfg. herbeigeführt, so daß
sich eine gesamte Mehrbelastung von 1 bis
1,20 M. pro 1 hl Bier ergibt. Diese Be-
lastung wird übrigens nicht von den Braue-
reien getragen, sondern durchweg auf die
Konsumenten abgewälzt. — Zoll: Der Ein-
gangszoll für 1 dz Bier beträgt 6 M.

Biertreber. — Mit diesem Namen belegt
man die durch Ausziehen mit Wasser er-
schöpften Malzrückstände der Bierbereitung,
welche immer noch einen Nahrungswert
haben und daher als Viehfutter verwendet
werden. Bis vor wenig Jahren konnten die
B. jedoch nur in der nächsten Umgebung
der Brauereien Absatz finden, da sie sich
in dem feuchten Zustande, in welchem sie
gewonnen werden, nicht lange halten. Jetzt
trocknet man sie vollständig aus in großen,
besonders hierzu eingerichteten Apparaten,
die eine Überhitzung nicht zulassen. Die ge-
trockneten B. bilden einen haltbaren, weit-
hin versendbaren Handelsartikel. •— Zollfrei.

Bihul, der Bast einer indischen Liliacee,
Grewia oppositifolia, wird wie Linden-
bast verwendet. ■— Zollfrei.

Biliner Sauerbrunnen enthält nach der
Analyse von W. Gintl in 1 kg 9,1319 g ge-
löste Salze und 1,6408 g freie Kohlensäure.
Die Salze bestehen aus 3,7178 g Natrium-
bikarbonat, 0,0225 g Lithiumbikarbonat,
0,4085 g Kalziumbikarbonat, 0,1995 g Mag-
nesiumbikarbonat, 0,0031 g Ferribikarbonat,
0,0001 g Manganoxydul, 0,3984 g Natrium-
chlorid, 0,2419 g Kaliumsulfat, 0,6668 g Na-
triumsulfat, 0,0007 g Aluminiumphosphat,
0,0623 g Kieselsäure. — Zoll: S. Mineral-
wässer.

Bilsenkraut (Totenblumenkraut, Teu-
felsauge, Gichtkraut, lat. Herba hyos-
cyami, frz. Feuilles de jusquiame noire, engl.
Hyoscyamus leaves) besteht aus den von
zweijährigen Pflanzen zu Anfang der Blüte-
zeit gesammelten und getrockneten Blättern
von Hyoscyamus niger, einer in ganz
Mitteleuropa wildwachsenden Giftpflanze.
The großen, schlaffen, weichen, zottigen Blät-
ter sind buchtig gezahnt und graugrün und
besitzen einen widerlich betäubenden Geruch
und scharfen, bittern Geschmack. Die Bilsen-
krautblätter müssen alle Jahre erneuert wer-
den und sind an dunkeln und trockenen Or-
ten aufzubewahren. Der wirksame Bestand-

teil ist das giftige Alkaloid Hyoszyamin.
Das B. wird in Apotheken zur Herstellung
von Bilsenkrautextrakt (lat. Extractum
hyoscyami) verwendet, das an das Publikum
ohne Rezept nicht abgegeben werden darf.
Auch die Samen der Pflanze (Bilsensamen,
lat. Semen hyoscyami) kommen im Drogen-
handel vor. Sie sind länglich nierenförmig
und graubräunlich, mit netzförmiger Ober-
fläche. In der Gegend von Gernrode, Qued-
linburg, Ballenstedt wird das B. für medi-
zinische Zwecke angebaut. — Zollfrei.

Bimsstein (lat. Lapis pumicis, frz. Pierre-
ponce, engl. Pumice-stone) nennt man ein
äußerst poröses und daher leichtes vulkani-
sches Gestein, welches durch Erstarrung von
geschmolzenem, von Dämpfen und Gasen
schaumig aufgetriebenem, Obsidian entstan-
den ist, und gewöhnlich weiße oder graue
Farbe besitzt. Das Vorkommen von B. ist
an die Vulkane gebunden, wo er sich teils in
Form loser Auswürflinge, teils in Verbin-
dung mit Obsidian- und Perlitströmen findet.
Der meiste kommt von den Inseln Lipari in
Italien und Santorin in Griechenland. Der
B. wird teils in ganzen Stücken, teils als
Pulver zum Schleifen und Polieren ver-
wendet, Bimssteinpulver ferner zur Berei-
tung der Bimssteinseife für Arbeiter.
Sogenannter künstlicher B. ist ein mit
Bindemittel in Platten gepreßtes Bimsstein-
pulver. — B. ist zollfrei.

Binden zu Verbandzwecken werden aus
verschiedenen Stoffen hergestellt, z. B. Kam-
brik, Flanell, Trikotschlauch, Verbandmull,
Gaze, Leinen, Seide, Gummi und kommen
in verschiedenen Breiten und Längen fertig
geschnitten in den Handel. — Zoll: je nach
dem Herstellungsmaterial.

Bindfaden (Spagat, frz. Ficelle, engl.
String, Pack thread), wird jetzt nur noch
wenig durch Handarbeit, sondern immer
mehr durch Maschinenarbeit hergestellt, und
zwar benutzt man hierzu hauptsächlich Hanf
und Flachs, neuerdings auch Jute, in sehr
verschiedenen Stärken. Je nachdem der B.
aus 2, 3 oder 4 Fäden zusammengedreht
ist, unterscheidet man zwei-, drei- oder vier-
drähtigen B. Ferner hat man grauen oder
rohen, weißen gebleichten, einfarbigen und
zweifarbigen (z. B. grün und weiß, rot und
weiß). Die Knäuel haben in der Regel 100
oder 200 g an Gewicht. Die stärksten Sor-
ten heißen Kordel. — Zoll: S. Tarif
Nr. 466. 484. 485.

Bindrotting heißt im holländischen Handel
das weibliche sogenannte spanische Rohr,
das in 1,8—2,4 m langen, einmal gebogenen
Bündeln von 100 Stück in den Handel
kommt. Das männliche heißt Hand-
rotting. — Vgl. Spanischrohr.

Bioson, ein mit großer Reklame ange-
priesenes „Nähr- und Kräftigungsmittel“ ist
nichts als ein Gemisch von zirka 30% Kakao
mit 70% eines aufgeschlossenen Eiweißprä-
parates, wahrscheinlich Kasein. Bei dem
Preise von 4,80 M. für 1 kg stellt sich