﻿Bismarckbraun

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Blattmetalle

geringen Wassergehalt von 7—8%. — Zoll:
S. Tarif Nr. 199.

Bismarckbraun (Vesuvin, Phenylendia-
minbraun), ein Teerfarbstoff für Wolle und
Baumwolle, wird aus dem Dinitrobenzol durch
Einwirkung reduzierender Substanzen, z. B.
Zink und Salzsäure, oder durch Einwirkung
von salpetriger Säure auf Metaphenylendiamin
dargestellt. Es ist ein braunes, in Wasser
lösliches Pulver, färbt Seide direkt, Leder,
Wolle und Baumwolle nach dem Beizen mit
Tannin. — Zollfrei.

Bismon, ein Heilmittel für Darmkrank-
krankheiten, welches als kolloidales Wismut-
hydroxyd anzusprechen ist. — Zollfrei.

Bister (Rußbraun, frz. Bistreux, engl.
Bistre), eine braune Farbe, besteht aus ge-
reinigtem und präpariertem Glanzruß. Mine-
ralischer B. ist Manganoxydhydrat. —
Zollfrei.

Bitterklee (Fieberklee, Sumpfklee, lat.
Folia trifolii fibrini, frz. Feuilles de Menyanthe,
Feuilles de trefle d’eau, engl. Buckbean),
die getrockneten, langstieligen, dreiteiligen
Blätter von Menyanthes trifoliata, einer
bekannten, zu den Gentianeen gehörigen
Wasserpflanze, enthalten einen Bitterstoff,
das Menyanthin, und werden teils als
Arzneimittel, teils bei der Bereitung bitterer
Liköre verwendet. — Zollfrei.

Bittermandelöl (lat. Oleum amygdalarum
amararum aethereum, frz. Essence d’amandes
ameres, engl. Oil of almonds), das ätherische
Öl der bitteren Mandeln, in welchen es jedoch
nicht in freiem Zustande, sondern in Form des
Glulcosides Amygdalin (s. d.) an Zucker und
Blausäure gebunden enthalten ist. Bei Gegen-
wart von Wasser zerfällt das letztere unter
der Einwirkung des gleichzeitig in den Man-
deln enthaltenen Fermentes Emulsin in
seine Bestandteile. Zur Gewinnung des B.
werden die zerkleinerten Mandeln (oder Pfir-
sichkerne) zunächst ausgepreßt, mit Wasser
angerührt und nach einiger Zeit der Destil-
lation im Wasserdampfstrome unterworfen.
Das wäßrige Destillat, welches Spuren von
B. und Blausäure enthält, findet als Bitter-
mandelwasser (s. unter Aqua amygdalarum
amarum) Anwendung, während das zu Boden
gesunkene schwere Öl rektifiziert wird.
Auf künstlichem Wege stellt man das
B., in chemischer Hinsicht Benzaldehyd,
durch Behandlung von Benzoylchlorid mit
Bleinitrat im großen technisch dar. Es er-
scheint als eine anfangs farblose, später gelb-
liche, stark lichtbrechende Flüssigkeit, ist
schwerer als Wasser (spez. Gew. 1,050), siedet
bei 179° und löst sich leicht in Alkohol,
wenig in Wasser. Da B. aus der Luft begierig
Sauerstoff anzieht, muß es in gut verschlosse-
ncn, gefüllten Flaschen und vor Licht ge-
schützt aufbewahrt werden. Es findet aus-
gedehnte Anwendung in der Pharmazie, ferner
zurn Parfümieren von Seifen, kosmetischen
Präparaten, Likören und anderen Genußmit-
teln. Für letzteren Zweck darf nur ein öl
benutzt werden, welchem die giftige Blau-
säure durch entsprechende Behandlung (mit

Eisenchlorid und Kalkwasser) entzogen wor-
den ist. Als künstliches Bittermandelöl
wird bisweilen zu Unrecht das Nitrobenzol
(s. Mirbanöl) bezeichnet. — Zoll: S. Tarif 353.

Bittermandelölgrün, ein Teerfarbstoff,
führt seine Bezeichnung, weil er auch mit
Hilfe von Benzaldehyd (Bittermandelöl) dar-
gestellt werden kann. Das B. ist eine Abart
des Malachitgrüns (s. d.). — Zollfrei.

Bittersalz (Schwefelsäure Magnesia,
Magnesiumsulfat, Englischsalz, Epso-
mersalz, lat. Magnesium sulfuricum, frz. Sei
amer, Sulfate de magnesie, engl. Bitter salt),
kristallisiertes Magnesiumsulfat, findet sich in
der Natur mit 7 Molekülen Kristallwasser als
Ep somit (mit 51% Wasser) in Spanien, Si-
birien usw. und mit 1 Molekül Kristallwasser
(13%) als Kieserit in dem Staßfurter Ab-
raumsalzlager. Früher stellte man das B.
durch Verdampfen der natürlichen Bitter-
wässer bis zur Kristallisation dar, jetzt liefern
die Mineralwasser- und Sodawasserfabriken
genug von diesem Salze, welches sie bei
Entwicklung der Kohlensäure aus Magnesit
und Schwefelsäure als Nebenprodukt erhalten.
Die Hauptmenge wird aber aus Kieserit ge-
wonnen. Das B. erscheint in kleinen nadel-
förmigen, durchsichtigen, in Masse weißen
Kristallen von bitterlichem Geschmack, welche
in Wasser leicht löslich sind. Verwendung
findet es in der Medizin als Abführmittel,
ferner zur Bereitung anderer Magnesiasalze,
zum Beschweren baumwollener Gewebe usf.
— Zollfrei.

Bittersüß (Alpranke, Hirschkraut, lat.
Stipites Dulcamarae, frz. Douce-amere, engl.
Bitter sweet). Von dieser, an den Flußufern
Mitteleuropas häufig vorkommenden kleinen
strauchartigen Pflanze, Solanum Dulca-
mara, werden die langen, federkieldicken,
eckigen und runzligen Stengel im Frühjahre
oder Herbste gesammelt und getrocknet in
den Drogenhandel gebracht. Die Stengel
haben im frischen Zustande einen ange-
nehmen, narkotischen Geruch, der aber beim
Trocknen verschwindet, und einen erst bit-
teren, dann süß und kratzenden Geschmack.
Als charakteristische Bestandteile finden sich
zwei Alkaloide, das Dulcamarin und das
Solanin. Verwendet wird B. in der Medizin
als Aufguß innerlich gegen Katarrhe, Asthma,
bei Rheumatismus usw. Verwechslungen mit
den Stengeln von Clematis vitalba sollen zu-
weilen vorgekommen sein, jedoch sind diese
nicht runzlig, sondern glatt, holzig und sehr
zähe. — Zollfrei.

Bitterwässer nennt man diejenigen Mine-
ralwässer, welche durch einen verhältnismäßig
hohen Gehalt von Magnesiumsulfat ausge-
zeichnet sind, z. B. Friedrichshaller, Hunyadi
Janos B. — Zollfrei.

Blattmetalle (Folien, frz. Mötaux en
feuilles, engl. Leaf-metals) nennt man Me-
talle und Metallegierungen, die durch Walzen,
zum Teil auch durch nachfolgendes Schlagen
in die Form sehr dünner Bleche oder Blätter
gebracht worden sind. Nicht alle Metalle
eignen sich hierzu, sondern nur die geschmei-