﻿Blaudsche Pillen

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digen und sehr dehnbaren. Am meisten wird
Gold und Silber in diese Blattform gebracht,
und die Erzeugung von echtem Blattgold
und Blattsilber,spez. mit dem Namen Gold-
schlägerei, dieselbe Arbeit auf unechte
Metalle ausgedehnt mit Metallschlägerei
bezeichnet. Nächst dem Golde wird wohl
Zinn am meisten in Blattform übergeführt
(vgl. Stanniol), dann Blei, Kupfer, Alumi-
nium und verschiedene Legierungen (unech-
tes Blattgold und unechtes Blattsilber).
Das echte Blattgold dient hauptsächlich zum
Vergolden der Spiegel- und Bilderrahmen,
sowie zum Goldschnitt und zum Bedrucken
der Büchereinbände. Die bei Herstellung des
echten Blattgoldes entstehenden Abfälle,
Schawine oder Schabine, bilden zerrieben
die echte Goldbronze.— Einfuhrzoll: Ech-
tes Blattgold und Blattsilber 600 M., un-
echtes 120 M., Blattaluminium 60 M., Blatt-
kupfer und -messing 30, Blattblei und -zinn
(Stanniol) 24 M.

Blaudsche Pillen (Pilulae ferri Blaudii)
0,25 g schwere, bisweilen mit Silber, Zucker
oder Schokolade überzogene Pillen aus Ka-
liumkarbonat, Ferrosuliat, etwas Glyzerin,
Gummi und Glyzerin mit 0,03 g Eisen. —
Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Blauholz (Kampescheholz, Campeche-
holz, Blutholz, lat. Lignum campechianum,
frz. Bois de campeche, engl. Log-wood), das
wichtigste von allen Farbhölzern, stammt von
Haematoxylon campechianum, einem
großen, zur Familie der Cäsalpineen ge-
hörigen, in Zentralamerika und dem nördlichen
Teile von Südamerika heimischen Baume. Man
hat in neuerer Zeit angefangen, ihn auch in
den Niederländischen Kolonien Ostindiens zu
kultivieren. Die vom weißlichen Splinte be-
freiten großen Blöcke haben außen eine
dunkelblutrote bis braunrote Farbe, innen
sind sie heller, rötlichbraun bis gelblichbraun
gefärbt, werden aber an der Luft ebenfalls
Hach und nach dunkel. Das Holz ist hart
und dicht, läßt sich schwer spalten und be-
sitzt einen schwachen, entfernt veilchenähn-
lichen Geruch und zusammenziehenden Ge-
schmack. Man unterscheidet das eigentliche
Kampescheholz oder Laguna-Kamp es che,
Jamaikablauholz und Domingoblau-
holz, von letzterem wieder mehrere Sorten,
nämlich Monte-Cristo-Blauholz, Fort
Liberty und Aux Cayes. Martinique-
und Guadeloupe-B. sind nur geringwertige
Sorten. Auch afrikanisches B. von Liberia
kommt jetzt in den Handel. Der das Färbe-
vermögen bedingende Stoff des B., das Hä-
tnatoxylin, bildet im reinsten Zustande fast
farblose Kristalle, die aber an der Luft bald
rötlich werden und schließlich in den eigent-
lichen Farbstoff, das Hämatei'n, übergehen.
Weil dieser Farbstoff in dem frisch geraspel-
ten B. nur in geringer Menge entwickelt ist,
läßt man an der Luft fermentieren, wo-
durch es die gewünschte Farbe erst erhält,
die Späne der besseren Qualitäten zeigen
dann einen eigentümlichen metallischen gelb-
lichgrünen Glanz. Verwendet wird B. medi-

Blei

zinisch in unfermentiertem Zustande seines
Gerbstoffgehaltes halber gegen Durchfälle.
Das meiste B. gebraucht aber die Färber-
industrie, sowie die Tintenfabrikation. Das
B. im rohen Zustande findet Verwendung zu
feinen Tischlerarbeiten. — Einen wichtigen
Handelsartikel bildet auch das aus dem B.
bereitete Blauholzextrakt, welches teils
fest, teils flüssig (vergl. Farbholzextrakte) in
den Handel kommt. Das feste wird in Kisten
von 20—100 kg aus New York eingeführt,
neuerdings sind aber auch Fabriken in
Frankreich und Deutschland entstanden. Be-
sonders beliebt sind die Sanford und fran-
zösische Sorten. Blauholzextrakt wird in der
Färberei verwendet. — Zoll: Blauholz, auch
fermentiert, zollfrei. Blauholzextrakt s. Zoll-
tarif Nr. 328.

Blaupulver, ein unreines Ferridcyankalium,
kommt als bläulichgrünes Pulver in den Han-
del und wird zum Färben benutzt. Vergl.
Blutlaugensalz.

Blausäure (Cyanwasserstoffsäure, lat.
Acidum hydrocyanicum, acid. borussicum, frz.
Acide prussique, engl. Prussic acid, Zootic
acid) wird in wäßriger Lösung erhalten durch
Destillation von Cyankalium oder Ferrocyan-
kalium mit verdünnter Schwefelsäure. Wasser-
freie B. stellt man dar durch Zersetzen von
Cyanquecksilber mit konz. Salzsäure als eine
farblose, bei 26° siedende Flüssigkeit. Sie
ist das stärkste aller bekannten Gifte, zersetzt
sich aber leicht und kommt im Handel nicht
vor. — Zollfrei.

Blei (lat. Plumbum, frz. Plomb, engl. Lead).
Dieses seit alten Zeiten bekannte Metall
kommt in ungebundenem oder gediegenem
Zustande nur äußerst selten in der Natur
vor und hat dann nur ein rein mineralogi-
sches Interesse. Alles B., welches technisch
verwendet wird, gewinnt man aus den Blei-
erzen (frz. Minerais de plomb, engl. Lead
ores), welche zuweilen auch einen Handels-
artikel im großen bilden und als Ballast mit
den Schiffen befördert werden. Die wichtig-
sten Bleierze für technische Verwertung sind
der Bleiglanz und das Weißbleierz. Der
Bleiglanz oder Galenit, ein ziemlich
häufig vorkommendes Mineral, ist seiner che-
mischen Zusammensetzung nach Schwefel-
blei (Bleisulfid) und enthält 86,6% metal-
lisches Blei, oft auch bis zu 1% Silber und
Spuren von Gold. Er ist hart und spröde,
besitzt eine ausgezeichnete hexaedrische Spalt-
barkeit, starken Glanz und eine bläulichgraue
Farbe. Unter dem Namen Glasurerz bildet
er einen Handelsartikel, da er zuweilen an-
statt Bleiglätte zur Glasur ordinärer Töpfer-
waren verwendet wird. Bleiglanz findet sich
namentlich im Erzgebirge, Oberharz, Ober-
schlesien (Tarnowitz), Schwarzwald, in Böh-
men (Przibram), Kärnten (Bleiberg u. Raibel),
Spanien und England. Nächst dem Bleiglanz
ist das Weißbleierz (Zerussit, Bleikar-
bonat) das verbreitetste Bleierz. Man findet
es teils in nadelförmigen Kristallen, teils derb,
körnig und dicht, zuweilen auch erdig (Blei-
erde). Es besitzt eine weiße oder grauweiße