﻿Bleizuckcr

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Blumen, natürliche

Schwefelsaurem Blei (Weißblei) sind an der
Tagesordnung, und nur durch sorgfältige
Untersuchung kann der Käufer sich vor
Übervorteilung schützen. Der Nachweis der
meisten Verfälschungsmittel gelingt durch Be-
handlung mit Salpetersäure, in welchem B.
sich auflöst, während Schwerspat und Blei-
sulfat Zurückbleiben. Die andern Zusätze ver-
raten sich durch ihr geringeres spez. Ge-
wicht. B. wird besonders als Ölfarbe im
Gemisch mit Leinöl, Mohnöl oder Firnis
verwendet und übertrifft an Deckkraft alle
andern Farben. Leider wird es bei aller Be-
ständigkeit gegen Licht und Luft durch
schwefelwasserstoffhaltige Gase geschwärzt
und darf daher in der Nähe von Aborten,
Laboratorien usw. nicht benutzt werden, son-
dern ist hier durch Zinkweiß zu ersetzen.
Der Hauptnachteil des B. ist jedoch seine
hohe Giftigkeit, welche zu der Verordnung
des Bundesrates (s. Bleifarben) Anlaß gege-
ben hat. — Zoll: S. Tarif Nr. 324.

Bleizucker Bleiazetat, essigsaures
Blei, essigsaures Bleioxyd, lat. Plum-
bum aceticum, Saccharum saturni, frz. Ace-
tate de plomb, Sei de saturne, engl. Acetate
of lead, Sugar of lead), ein sehr giftiges,
durch Auflösen von Bleioxyd in Essigsäure
entstehendes Salz, bildet farblose, durch-
scheinende und glänzende Kristalle, welche
bei Luftzutritt verwittern und sich mit einer
Schicht von weißem, pulverförmigem Blei-
karbonat bedecken. Der B. schmeckt anfangs
süßlich, hinterher unangenehm metallisch. In
destilliertem Wasser löst er sich, sobald er
noch nicht verwittert ist, klar auf, die trübe
Lösung des verwitterten wird durch Zusatz
von etwas Essigsäure klar. Außer seiner me-
dizinischen Verwendung wird der B. haupt-
sächlich zur Bereitung verschiedener Farben
und Bleipräparate, sowie in der Technik und
Photographie benutzt. Die Versendung ge-
schieht in Fässern. — Zoll: 1 M.

Blister, Tierheilmittel verschiedener Zu-
sammensetzung, welche meist Kanthariden
und Euphorbiumharz enthalten.

Blitzlichtpulver für photographische Auf-
nahmen enthalten sämtlich als momentan ent-
zündliche Körper Magnesium-oder Aluminium-
pulver, während als Sauerstoffüberträger meist
chlorsaures Kali allein oder im Gemisch mit
Salpeter, Kaliumperchlorat, Kaliumperman-
ganat, Baryumsuperoxyd, Braunstein, Schwefel-
antimon usw. in wechselnden Mengen An-
wendung finden. Sehr wirksame und dabei
ungefährliche Präparate werden neuerdings
aus den Oxyden der seltenen Erden her-
gestellt. So besteht ein Agfa-Blitzlicht
aus 53% Zeronitrat, 39% Zerosulfat und 8%
"^rooniumnitrat. — Zollfrei.

Blumen, künstliche (frz. Fleurs artificelles,
engl. Artificial flowers). Die Fabrikation
künstlicher Blüten, Knospen und Blätter ist
auf einer hohen Stufe der Ausbildung an-
gelangt. Das Fabrikat dient teils als Haar-
schmuck für Damen und zum Ausputz der
Damenhüte, teils in Form von Sträußen und
Girlanden zur Ausschmückung von Kirchen,

als Zimmerzierde usw. Während man früher
auf die Natur wenig Rücksicht nahm und viel
Phantasieblumen erzeugte, ist man jetzt
bemüht, die natürlichen Blüten aufs genaueste
nachzuahmen, und darin zu solcher Voll-
endung gelangt, daß man solche Fabrikate
nur durch Besichtigung in unmittelbarer Nähe
von Naturblumen unterscheiden kann. — Zur
Herstellung von Phantasieblumen oder von
schlecht nachgebildeten Naturblumen benutzte
man früher Vogelfedern, Chenille, Stroh und
Fischbeinblättchen, in Italien häufig auch die
Kokonhäutchen, welche beim Abhaspeln der
Seidenkokons übrigbleiben. Aus diesen ge-
fertigte B. heißen dort fiori di bozzolo. Jetzt
verwendet man vorzugsweise gewebte Stoffe
und Papier, von ersteren namentlich leinenen
und baumwollenen Batist, Perkal, Musselin,
ferner seidenen Flor, Taffet, Atlas und Samt.
Die Stoffe sind entweder schon in den er-
forderlichen Farben gefärbt, oder man gibt
den bereits fertigen Blütenteilen die Farbe
erst durch Bemalen mit dem Pinsel. Die
Herstellung der Blätter, Blütenblätter und
Kelche geschieht meistens durch Ausschlagen
mit scharfschneidigen stählernen Ausschlag-
eisen auf einer bleiernen Unterlage, in ein-
zelnen Fällen auch durch Zurechtschneiden
mit der Schere. Die Hervorbringung von
Adern und Rippen in den grünen Blättern
(das Gaufrieren) geschieht durch Pressen
zwischen metallenen Stempeln, die Krüm-
mung und Wölbung von Blättern und Blüten-
blättern durch Bearbeitung mit erwärmten
eisernen Werkzeugen. Zur Anfertigung der
Stiele und Stengel dient geglühter Eisendraht,
der mit Seidengewebe oder grünem Papier
umwickelt wird. In Italien scheint die An-
fertigung von k. B. zuerst in größerem Maß-
stabe betrieben worden zu sein und hat sich
von hier aus nach Frankreich und Österreich
verbreitet. Im ersteren Lande war es Paris,
das lange Zeit hindurch in dieser Branche
unerreicht dastand, im letzteren sind Wien,
sowie viele Orte im nördlichen Böhmen (Nix-
dorf, Schluckenau, Hainspach) hervorzuheben.
Was Deutschland anlangt, so kommen dessen
Fabrikate neuerdings in derselben Vollendung
auf den Markt, wie die Pariser Erzeugnisse.
Die Blumenfabrikation hat hier hauptsächlich
ihren Sitz in Sebnitz und Umgegend, Neu-
stadt bei Stolpen, Pirna, Dresden, Potschappel,
ferner sind Fabriken in Berlin, Leipzig und
München. Manche Fabriken liefern nur ein-
zelne Blütenbestandteile und Blätter. Eine
andere Art k. B., sowie Blattpflanzen werden
jetzt aus bemaltem Metallblech in großer
Vollkommenheit hergestellt und als Zimmer-
schmuck anstatt natürlicher Pflanzen ver-
wendet. Auch Buketts und Trauerkränze fer-
tigt man aus diesem Material. Zoll: S. Tarif
Nr. 253. 516. 523. 670. 881 ff.

Blumen, natürliche (frz. Fleurs, engl. Flow-
ers), frische, geschnittene Blumen (Schnitt-
blumen) für Buketts und Kränze, sowie ins
Haar der Damen bilden einen sehr bedeuten-
den Handelsartikel. Dieser Blumenhandel wird
wohl am ausgedehntesten in Frankreich be-