﻿Blumennährsalze

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Blutegel

trieben, woselbst die Blumenmärkte in Mar-
seille und Paris die Großartigkeit des Um-
satzes darstellen. (Vergl. Parfümerien.) Auch
England, Italien, Belgien und Holland haben
großartige Gärtnereien, und nicht minder hat
sich in Deutschland der Vertrieb von Buketts,
sowie von Rosen, Veilchen und Maiblumen
stark entwickelt. Gezüchtet werden die Blu-
men von den Kunstgärtnern im freien Land
oder auch in Gewächshäusern, und zwar in
letzteren nicht nur exotische, sondern auch
einheimische Sommerblumen für den Winter-
bedarf. Diesem Betrieb machen seit Eröff-
nung der Gotthardbahn und der anderen
Alpenbahnen geschnittene B. aus Italien große
Konkurrenz, die den Winter hindurch in gro-
ßen Mengen und im Werte von Millionen
nach Deutschland kommen. Großartige Blumen-
gärtnereien besitzen die Umgebungen von
Berlin, Hamburg, besonders für tropische Or-
chideen Dresden, Eisenach, Köln, Frankfurt
a. M., Leipzig, ferner Quedlinburg und Erfurt
(für Spezialitäten). Auch getrocknete B.
bilden einen wichtigen Handelsartikel, na-
mentlich verschiedene Arten von Gnaphalium,
Chrysanthemum und andere Kompositen, die
unter dem Namen Immortellen bekannt
sind, in der Gegend von Leipzig und Erfurt
angebaut werden und mit Anilinfarben ge-
färbt in den Handel kommen. — Zoll: Blumen
zu Binde- oder Zierzwecken sind zollfrei.

Blumennährsalze zum Düngen von Topf-
pflanzen kommen in folgender Zusammen-
setzung zum Handel: 1. 100 g Superphosphat,
25 g Bittersalz, 25 g Kalisalpeter, 25 g Kalium-
phosphat, 5 g Eisenphosphat. 2. 40 g Ammo-
niumnitrat, 20 g Ammoniumphosphat, 25 g
Kalisalpeter, 5 g Ammoniumchlorid, 6 g Kal-
ziumphosphat, 4 g Eisenvitriol. Die Lösung
von 2 g dieser Mischungen in 1 1 Wasser dient
zum Begießen. — Zollfrei.

Blumenzwiebeln (frz. Oignons ä fleurs,
engl. Flower-bulbs). — Obschon alle Zwiebeln
Blüten tragen, so versteht man doch im
Handel unter B. nur diejenigen, welche man
ihrer Blüten wegen im Zimmer, Glashaus oder
im Freien züchtet, besonders Hyazinthen, Tul-
pen, Krokus, Narzissen, Gladiolus, Scilla Mu-
scari u. a. Der Handel mit B. ist ziemlich
bedeutend und wird namentlich von Holland
aus betrieben, die Stadt Haarlem ist der
Hauptversandplatz. Der Versand der Zwie-
beln geschieht von Ende August bis Anfang
November. — Zollfrei.

Blut (lat. Sanguis, frz. Sang, engl. Blood).
Das gesammelte Blut der Schlachttiere aus
den Schlachthäusern größerer und mittlerer
Städte bildet, soweit es nicht zur Bereitung
von Blutwurst, zum Anstreichen von Wänden
usw. benutzt wird, jetzt im trockenen Zustande
einen Handelsartikel. Das B. wird entweder
einfach durch Verdampfen zur Trockene ge-
bracht und die trockene Masse dann ge-
mahlen, oder man scheidet zunächst das Ei-
weiß (Blutalbumin s. Albumin) ab und
bringt das übrige zur Trockene. Das auf die
eine oder andere Weise gewonnene trockene
B. wird im gemahlenen Zustande als Blut-

mehl entweder direkt an die Landwirte oder
häufiger an die Superphosphatfabriken als
Düngemittel verkauft. Der Wert des Blut-
mehls beruht hauptsächlich auf seinem Stick-
stoffgehalt, welcher im Mittel 11,8 °/o beträgt.
Die Menge der Phosphorsäure ist gleich 1,2°/o.
Das Blutmehl des Handels ist ein braunes,
feinkörniges Pulver von leimartigem Geruch,
Man muß es an ganz trockenen Orten auf-
bewahren, damit es nicht durch Anziehung
von Feuchtigkeit in Fäulnis übergeht. —
Zollfrei.

Blutegel (lat. Hirudines, frz. Sangsues,
engl. Leechs, Blood-suckers). Die B. sind
Ringelwürmer aus der Gattung der Kiefer-
egel, Unterfamilie der Hirudinea und bil-
den die höchst organisierte Klasse der Platt-
würmer. Die B. finden sich im Wasser, haupt-
sächlich in Teichen oder Sümpfen. Für den
medizinischen Gebrauch kommen in Deutsch-
land nur zwei Arten in Betracht, der deutsche
B. (Hirudo seu Sanguisuga medicinalis) und
der ungarische B. (Hirudo seu Sanguisuga
officinalis). Beide sind 10—20 cm lang und
haben 95 deutliche Ringeln. Die vordersten
4 Ringel bilden einen löffelförmigen Körper,
auf dessen Grund die dreistrahlige Mund-
öffnung liegt. Hinter dieser befinden sich
drei große, halblinsenförmige Kieferplatten,
welche 80—90 sehr feine Zähnchen tragen.
Das Saugen der B. geschieht mittels der
Mundhöhle, welche eine innig anhaftende
Scheibe bildet. Die Kiefer verursachen hier-
bei eine dreischenkelige Wunde, und das auf-
gesaugte Blut wird bis in die entferntesten
Teile des Magens geleitet. Der deutsche
B., der sich im nördlichen und mittleren Eu-
ropa findet, fühlt sich rauh an und wird als
„graue Sorte“ bezeichnet. Er trägt am Rük-
ken auf meist grünem Grunde 6 rote, schwarz
gefleckte Längsbinden, die gelbgrüne Bauch-
fläche ist schwarz gefleckt. Der ungarische
B., im südöstlichen und südlichen Europa hei-
misch, zeigt auf dem Rücken 6 breitere,
gelbe, durch schwarze Punkte oder Flecke
unterbrochene Längsbinden, die schwarz ein-
gefaßte Bauchfläche ist nicht gefleckt. Der
ungarische B. fühlt sich glatt an und führt
die Bezeichnung „grüne Sorte“. Die ab und
zu an Stelle der echten B. zum Kaufe an-
gebotenen Pferdeegel kann man von den
ersteren leicht unterscheiden, da ihnen die
buntfarbigen Längsstreifen fehlen. Sie sind
wegen ihrer stumpferen, gröberen oder über-
haupt fehlenden Zähne zum Blutsaugen in
der Medizin nicht zu verwenden. Von anderen
Hirudo-Arten findet der in Algier, Marokko
und der Berberei vorkommende Dragoner-
egel (Hirudo interrupta) medizinische Anwen-
dung, jedoch nicht in Deutschland, sondern
in Frankreich, England und Südamerika. Die
B. bilden einen bedeutenden Handelsartikel,
jedoch hat der Verbrauch jetzt wesentlich ab-
genommen, da ihre einzige Verwendung die
lokale Entziehung von Blut bei Entzündungen
aller Art, zur Hebung von Blutstockungen in-
folge veränderter medizinischer Anschau-
ungen nachläßt. Während in Frankreich z. B.