﻿Blutkohle

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Bohnen

der Verbrauch an B. vor 50 Jahren 100 Mil-
lionen betrug, schätzt man ihn gegenwärtig
auf 25 Millionen. In Deutschland werden
jährlich ca. 25 Millionen, in England ca.
16 Millionen gebraucht. Die Ausfuhr von
Hamburg nach überseeischen Ländern wird
auf 30 Millionen geschätzt. — Kleine Mengen
von B, bewahrt man am besten in Glas-
gefäßen mit weiter Öffnung auf, die man mit
Leinwand überbindet und zu 1/3 mit Fluß-
wasser füllt, das zeitweilig erneuert werden
muß, größere Mengen in Holzfässern, welche
durch ein vielfach durchlöchertes Brett in
zwei Abteilungen geschieden sind. In die eine
Abteilung bringt man etwas Lehm und Torf-
erde oder Rasen, in die andere nur Wasser.
Die Versendung der B. geschieht gewöhn-
lich : in leinenen Beuteln, die von stark an-
gefeuchtetem Moose umgeben in einer höl-
zernen, mit feinen Löchern versehenen Kiste
liegen. — Zollfrei.

Blutkohle wird hergestellt durch Glühen
eines Gemisches aus 8 Teilen Blut und 1 Teil
Pottasche und Auskochen des gepulverten
Rückstandes mit Wasser und Salzsäure. B.
findet wie Tierkohle zum Klären von Flüssig-
keiten Anwendung. — Zollfrei.

Blutlaugensalz. 1. Gelbes Blutlaugen-
salz (Einfach Cyaneisenkalium, Ka-
liumeisencyanür, Ferrocyankalium,
gelbes blausaures Kalium, lat. Kalium
ferrocyanatum, Kalium borussicum flavum,
frz. Ferrocyanate de potasse, engl. Yellow
prussiate of potash) wurde früher ausschließ-
lich durch Schmelzen von Pottasche mit stick-
stoffhaltigen tierischen Abfällen (Blut, Horn,
Haut, Haare, Leder, Lumpen, Fleisch usw.)
unter Zusatz von Eisen dargestellt. Hierbei
entstand Cyankalium und Schwefeleisen,
welche sich beim Auslaugen der Schmelze
mit Wasser zu Ferrocyankalium vereinigten.
Neuerdings dient die gebrauchte Laminsche
Masse der Gasfabriken, welche Berlinerblau
enthält, als Ausgangsmaterial, indem durch
Erhitzen mit Kalk zuerst Ferrocyankalzium
erzeugt und letzteres nach dem Auslaugen
mit Chlorkalium und Kaliumkarbonat in B.
übergeführt wird. Das Ferrocyankalium kri-
stallisiert in großen, gelben, durchscheinenden
Oktaedern, die ziemlich weich und zähe sind
und sich daher schwer pulvern lassen. Es
ist in Wasser löslich, in Alkohol unlöslich,
und entwickelt mit verdünnten Säuren die
giftige Blausäure, während es selbst ungiftig
ist. Außer in der Färberei verwendet man das
gelbe B. zur Darstellung von Cyanpräparaten,
zum Härten von Eisen und in der analytischen
Chemie. Ein Gehalt an Kaliumsulfat ist als
Verunreinigung aufzufassen, während eigent-
liche Verfälschungen kaum Vorkommen. —
k ,?as rote Blutlaugensalz- (Andert-
halbcyaneisenkalium, Kalium ei sency-
anid, Ferridcyankalium, rotes blau-
saures Kali, Gmelinsches Salz, lat.
Kalium ferricyanatum, frz. Sesquiferrocyanate
de potasse, engl. Sesquiferrocyanate of po-
tash) bildet dunkelrubinrote, glänzende,
durchsichtige Kristalle, die viel härter sind

als diejenigen des gelben B. Man bereitet
es durch Einleiten von Chlorgas in eine
verdünnte Lösung von gelben B. und Kri-
stallisierenlassen der Lösung, ferner durch
Behandlung des trockenen, gepulverten, gel-
ben B. in geschlossenen Kammern mit Chlor-
gas und endlich durch einfache Elektrolyse
des gelben B. Es findet Anwendung als
chemisches Reagens, in der Färberei und
Technik, sowie in Verbindung mit Eisen-
ammonzitrat zur Herstellung von Lichtpausen.

—	Zoll: 8 M.

Blutstein (Roter Glaskopf, lat. Lapis
haematites, Lapis sanguineus, frz. Hömatite,
engl. Blood-stone, Red hematite), eine harte
und dichte, faserig-kristallinische Varietät des
Roteisensteins (natürliches Eisenoxyd),
besitzt eine stahlgraue Farbe und Glanz, gibt
aber ein dunkelrotes Pulver. Die ganzen
Stücke werden von Steinhauern als Schreib-
stift auf Stein verwendet, das Pulver dient
als Polierrot. — Zollfrei.

Bockbier (frz. Bock), eine besonders stark
eingebraute Biersorte mit ca. 5°/o Alkohol
und 15—20% Stammwürze, welche im Früh-
ling (Märzenbier) zum Ausschank kommt.

—	Zoll: S. Bier.

Bocksbeutel, die beste Sorte des Würz-
burger Steinweins, welche in eigentümlich
gestalteten kurzhalsigen, stark bauchigen
Flaschen versendet wird.

Bockshornsamen (Foenugräkum, Grie-
chischer Heukleesamen, Siebengezeit-
samen, Hornkleesamen, lat. Semen foe-
nugraeci, frz. Semence de fenugrec, engl.
Fenugreek), die Samen einer krautartigen
Pflanze aus der Familie der Leguminosen,
Trigonelia Foenum graecum, welche
ihre Heimat in Kleinasien und dem süd-
lichen Europa hat, in manchen Gegenden
Deutschlands und in Polen angebaut wird.
Die bräunlichgelben, sehr harten Samen sind
ungleich vierseitig, glatt und oben und unten
abgestutzt. Sie enthalten 6% fettes Öl, ferner
ein unangenehm riechendes ätherisches öl,
22% Aleuron, Trigonellin und andere Be-
standteile. Man unterscheidet hellen und
dunklen Samen, ersterer ist teurer. Die ge-
pulverten B. besitzen einen aromatischen, an
Melilot erinnernden Geruch und schleimig
bittern Geschmack und werden als Zusatz zu
Kräuterkäse, zu Viehpulvern und Umschlägen
nach Kneipp usw. verwendet. — Zollfrei.

Bocoholz, ein feines Nutzholz für die
Kunsttischlerei, stammt von der in Guyana
wachsenden Bocoa provacensis und be-
sitzt einen braunschwarzen Kern mit unregel-
mäßigen Konturen. — Zoll: S. Tarif Nr. 74ff.
und Nr. 615 ff.	. ..

Bogheadkohle, eine bituminöse Schiefer-
kohle aus Schottland, welche sich besonders
zu Destillationszwecken eignet. Zollfrei.

Bohnen (lat. Fabae, frz. Föves, Haricots,
engl. Beans). 1- Schmink-Gartenbohne,
Phaseolus, eine über die wärmeren Ge-
genden der ganzen Erde in 60 Arten ver-
breitete Pflanze, welche bei uns in zahl-
reichen Sorten angebaut wird. Die viel-