﻿Bordelaiser Brühe

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Borsäure

und beliebtesten französischen roten Weinen,
während weiße weniger gebaut werden. In-
folge der Verwüstungen durch die Reblaus
ist die Produktion dieser Weine sehr zurück-
gegangen, so daß man sie nur noch selten
echt bekommt, besonders seitdem große
Mengen griechischen und italienischen Weines
zum Verschnitt eingeführt werden. Die
feinsten roten Sorten der B. sind: Latour,
Lafitte, Larose, Chateau Margaux und
Chateau Leoville, dann folgen Rauzan,
Beychevelle, d’Yssau, Lascombe, St.
Julien, Palmer Margaux, Chateau Pon-
jeaux, Cantenac, St. Emilion, St. Estö-
phe, Pouillac, Pontet-Canet, Medoc,
Listrac und andere. Geringwertigere heißen
Demimarque-Weine. Von weißem B.
sind zu erwähnen: Haut-Sauterne, Bar-
sac, Preignac, Serons, Graves und
Haut es Gaillac. — Man bezieht sie meist
auf dem Seewege über Hamburg in Fässern.
— Zoll: S. Tarif Nr. 180/181.

Bordelaiser Brühe, das wichtigste Mittel
zur Bekämpfung der Reblaus, wird hergestellt
durch Vermischung von Kupfervitriollösung
mit gelöschtem Kalk.

Boretsch (lat. Herba boraginis, frz. Feuilles
de borage, engl. Borage-leaves), die eirunden,
rauhhaarigen, grauen Blätter von Borago of-
ficinalis werden selten in der Medizin, haupt-
sächlich in der Küche verwendet. ■— Zollfrei.

Borneol (Bornylalkohol, Borneo-
kampfer, Camphol), eine Kampferart, die
von dem auf Borneo und Sumatra heimischen
Baume Dryobalanops camphora, neuer-
dings aber auch künstlich durch Reduktion
von Laurineenkampfer und aus Terpentinöl
gewonnen wird. B. bildet weiße Kristalle
von kampfer- und pfefferartigem Geruch,
die bei 203° schmelzen, bei 212° sieden und
zu Parfümeriezwecken Anwendung finden. —
Zoll: S. Tarif Nr. 99.

Borneolazetat (Bornylazetat), der Riech-
stoff der Fichtennadelöle, kann künstlich
dargestellt werden durch Behandlung von
Borneol mit Eisessig als ein farbloses, in
Alkohol und Äther lösliches Kristallpulver
vom Schmelzpunkt 29°. B. wird zur Dar-
stellung von künstlichem Fichtennadelöl be-
nutzt. — Zollfrei.

Bornyval, eine nach Baldrian riechende,
wasserhelle Flüssigkeit, der Isovaleriansäure-
ester des Borneols, dient als Ersatz für Bal-
drianwurzel zu medizinischen Zwecken. —
Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Borol, ein neues Antiseptikum und Kon-
servierungsmittel, welches durch Zusammen-
schmelzen von Borsäure mit Natriumbisulfat
erhalten wird, farblose, glasige Stücke, welche
sich in 5 Teilen Wasser zu einer sauer
schmeckenden Flüssigkeit lösen. — Zollfrei.

Borsäure (Boraxsäure, Bortrioxyd,
Sedativsalz, lat. Acidum boricum, Sal
sedativum, frz. Acide borique, engl. Boracic
acid), ist eine Sauerstoffsäure des Elements
Bor. Dieses selbst kommt in der Natur nicht
vor, kann aber aus Borsäure durch Reduk-
tionsmittel gewonnen werden. Geschieht dies

durch Behandeln mit Natrium bei Glühhitze
unter dem Schutze einer den Luftzutritt ver-
hindernden Decke von Kochsalz, so wird
ein amorphes, braunes Pulver gewonnen,
welchem reduzierende Eigenschaften inne-
wohnen. Dieses kann aber in eine zweite
kristallisierte Modifikation übergeführt wer-
den, indem man es in einen Tiegel füllt um
ein Stück Aluminium herum, den Tiegel dicht
verschließt und zwei Stunden lang auf Nickel-
schmelzhitze hält. Auf diese Weise entstehen
zwei Arten von Kristallen, große dunkle, alu-
miniumhaltige und kleine farblose kohlen-
stoffhaltige. Letztere dürften als nur ver-
unreinigtes Bor anzusehen sein, während
erstere Aluminiumverbindungen des Bors dar-
stellen. Dieses kristallisierte Bor besitzt eine
große Härte und Lichtbrechung und wird da-
her oft als Bordiamant bezeichnet. Auch
in chemischer Hinsicht verhält es sich zu dem
amorphen Bor ähnlich wie Diamant zu schwar-
zem Kohlenstoff. Während das amorphe Bor
den meisten Sauerstoffverbindungen gegen-
über stark reduzierende Eigenschaften besitzt,
ist kristallisiertes Bor sehr beständig. Selbst
im Sauerstoffgebläse stark erhitzt, überzieht
es sich nur mit einer dünnen Schicht oxy-
dierter Substanz. Gegen Säuren und Basen
ist Bordiamant sehr widerstandsfähig, auch
gegen schmelzenden Salpeter. Schmelzendes
Bisulfat greift ihn dagegen an, und beim Er-
hitzen in Chlorgas verbrennt er leicht zu Bor-
trichlorid. Die Borsäure kommt in der
Natur sowohl in freiem Zustande, als auch
in der Form ihrer Salze vor, jedoch nur
spärlich verbreitet. In freiem Zustande findet
sie sich als triklines, meist in kleinen Schüpp-
chen, aber auch in fasriger Form auftreten-
des Mineral, welches als Sassolin bezeichnet
wird und sich besonders an Kraterwänden,
z. B. auf der Insel Volcano zeigt. In größeren
Mengen findet sie sich aber in der italie-
nischen Provinz Toskana in den Dämpfen,
welche dort teils natürlich, teils infolge von
Bohrungen aus dem zerklüfteten Kalkgebirge
aufsteigen. Man gewinnt die mit den Dämp-
fen flüchtige Borsäure, indem man die
Dämpfe in mit Wasser gefüllte Bassins leitet.
Die zunächst erhaltene sehr unreine Borsäure
wird durch Umkristallisieren gereinigt. In
der Form ihrer Salze kommt die Borsäure in
Verbindungen mit verschiedenen Basen vor,
besonders mit Natrium (Borax, Tinkal),
mit diesem und Kalk (B oronatrokalzit) und
mit Magnesia (Borazit, Staßfurtit). Aus
Boronatrokalzit wird im großen durch Zer-
setzen mit roher Salpetersäure unreine Bor-
säure gewonnen. Chemisch reine Borsäure
wird aus reinem Borax hergestellt. Die ge-
wöhnliche im Handel vorkommende Säure
ist eine normale, dreibasische Sauerstoffsäure
und wird daher auch als Borsäurehydrat be-,
zeichnet. Beim Erhitzen der trockenen Sub-
stanz bildet sich zunächst bei 100° unter
Wasseraustritt Metaborsäure, dann bei 140
bis 160° Tetra- oder Pyroborsäure,
schließlich bei Glühhitze, Borsäure-Anhydrid,
welches im Gegensatz zu der mit Wasser-