﻿Borsten

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Botanybaiholz

dämpfen flüchtigen Borsäure beständig ist.
Alle diese Anhydride bilden beim Lösen mit
Wasser wieder die normale Borsäure. Noch
andere Zwischenstufen zwischen der normalen
Säure und dem Anhydrid liegen in den Salzen
Boronatrokalzit und Borazit vor. Die Bor-
säure bildet kleine, weiße, schwach glänzende,
sich fettig anfühlende Kristallschüppchen
ohne Geruch und von schwach bitterem Ge-
schmack. In Wasser ist sie nur wenig lös-
lich und reagiert gegen Lackmus und Phe-
nolphtalein sauer. Kurkumapapier wird ge-
bräunt, jedoch wird zum Unterschiede von
der durch Alkalien hervorgerufenen Bräunung
der entstehende Fleck durch Alkalien blau-
schwarz gefärbt. Auch in Alkohol ist die
Borsäure nur in kleiner Menge löslich, die
Lösung brennt mit intensiv grüner Farbe.
Wird eine mit Phenolphtaleln versetzte Lö-
sung neutralisiert und alsdann mit neutralem
Glyzerin versetzt, so tritt wieder saure Re-
aktion ein, welche Eigentümlichkeit eine ver-
hältnismäßig leichte quantitative Bestimmung
der Borsäure ermöglicht. Verwendung findet
die B. zu Glasuren und Emaillen, zum Trän-
ken von Kerzendochten, sowie in der Phar-
mazie. Die Verwendung von Borsäure und
borsauren Salzen zum Konservieren von
Fleisch und tierischem Fett ist durch das
Reichsgesetz betreffend Schlachtvieh- und
Fleischbeschau verboten. Für alle übrigen
Nahrungsmittel ist ein direktes Verbot nicht
ausgesprochen, doch muß auch hier von Fall
zu Fall entschieden werden, ob eine Konser-
vierung zu gesundheitsschädlichen Störungen
Anlaß geben kann. In neuerer Zeit scheint
der Standpunkt der Mediziner schärfer zu
werden, da sich ergeben hat, daß für Kinder
und Kränkliche selbst geringe Mengen Bor-
säure öfters genossen, zu Erkrankungen füh-
ren können. Von Salzen der Borsäure finden
vor allem Verwendung: Borax (s. d.), bor-
saures Manganoxydul (Manganborat, lat.
Manganum boracicum, frz. Borate de man-
ganöse, engl. Borate of manganese), ein wei-
ßes, in Wasser unlösliches Pulver, das zur
Herstellung von Firnis benutzt wird, und
borsaures Chromoxyd, Parnetiers Grün,
als eine unschädliche grüne Farbe. — Bor-
säure, sowie ihre Salze, sind zollfrei.

Borsten (Schweinsborsten, frz. Soies de
porc, poils, engl. Hog’s bristles), die Haare
des Schweins, haben für viele technische und
häusliche Zwecke eine hohe Bedeutung und
können für manche derselben, wenigstens was
die eigentliche auf Rücken und Nacken des
Schweins gewachsene Ware, die Kamm-
borsten, anlangt, durch kein anderes Mittel
ersetzt werden. Die meisten B. kommen vom
Hausschwein, wilde bilden eine Sorte für
sich. Die besten Sorten gedeihen in den nörd-
.en und östlichen Ländern, während die
übrigen kein hinreichend starkes elastisches
Gewächs, sondern nur Material für weiche
Burstenwaren, Pinsel und dergl. liefern. Eng-
land erzeugt so gut wie gar keine Borsten,
da es seine alten Landschweine hat aus-
sterben lassen, und die jetzigen, durch künst-
Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

liehe Zucht erzeugten Tiere fast nackt sind.
Die wertvollsten, d. h. stärksten, längsten und
spannkräftigsten B. kommen sonach aus Ruß-
land und Polen, doch werden auch die ru-
mänischen geschätzt. Die norddeutsche und
ungarische Ware ist mittelgut, hingegen füh-
ren Frankreich, England, und selbst Amerika
starke B. über den deutschen Markt ein. Große
Mengen werden in neuerer Zeit auch aus
China und Ostindien importiert, wenngleich
die Qualität zu wünschen läßt. Ein großer
Teil der Ware passiert die Leipziger Messen,
soweit sie nicht von den Ost- und Nord-
seehäfen per Schiff weiter westlich spe-
diert wird. Die Fässer, welche den B.
zur Emballage dienen, sind mitunter von im-
posanter Größe. Sehr wesentlich bei dieser
Ware ist das Sortieren, nicht nur nach dem
Standort am Tier, sondern außerdem nach
manchen andern Gesichtspunkten. Es gibt
daher zahme und wilde, Winter- und
Sommer-, lebende und tote Ware, d. h.
von geschlachteten und von gefallenen
Schweinen. Das im Winter geschlachtete Vieh
gibt viel kernigere B. als die im Sommer er-
haltenen, ferner sind die kalt ausgerauften
besser als die, welche durch Abbrühen oder
durch Kalkbeize losgemacht werden. Die
ersten Aufkäufer erhalten von den Fleischern
natürlich den ganzen Hautbesatz. Durch Käm-
men wird hiervon zunächst das Wollhaar ab-
gesondert, und darauf das übrige erst nach’
der Farbe und jede Farbe wieder für sich in
drei Sorten geschieden. Der Bürstenfabrikant
muß dann noch gründlicher reinigen und sor-
tieren lassen nach Länge und Kürze, Steifheit
und Weiche. Gereinigt und geschönt werden
die B. durch Waschen mit heißem Alaun-
wasser oder mit Seife, durch Aussetzen an die
Sonne oder durch eine Bleiche in wäßriger,
schwefliger Säure. Nicht alle B. nehmen die
Weißbleiche an, besonders gut die russischen,
welche dadurch auch glänzend werden und
ihre Elastizität behalten. Von den weißen wer-
den für Luxuswaren manche gelb, rot usw.
gefärbt. Die mißfarbigen und scheckigen B.
können nur noch durch Schwarzfärben ver-
edelt werden. In den Handel kommt die
Ware teils nur oberflächlich gereinigt und
sortiert (Rauhborsten), teils geschieden als
Schuster- , Bürstenbinder- , Pinsel-
borsten, bald in Schachteln, bald in Pa-
keten. Die weißen sind die teuersten, aber
auch schwarze von guter Beschaffenheit haben
einen hohem Wert. Graue, rote, braune usw.
gehen zusammen als melierte. Das Reinigen,
Zurichten und Sortieren der B. für die ver-
schiedenen Zweige der Verwendung und nach
dem Geschmack der Abnehmer gibt in meh-
reren deutschen Städten, wie Frankfurta.d.O.,
Breslau, Hamburg, Wien, Nürnberg, vielen
Leuten Beschäftigung. Die Stacheln des
Stachelschweins, die als verwachsene B.
angesehen werden müssen, benutzt man als
Stahlfederhalter. — B. sind zollfrei. Die Waren
daraus werden gemäß Tarif Nr. 596/599 verzollt.

Botanybaiholz (Ochsenfleischholz,
frz. Bois de Botanybay, engl. Boeuf-wood).

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