﻿Butteräther

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Butylchloral

und auch im Verkehr mit dem Auslande
machen sich Zeichen von Besserung bemerk-
bar. Die holländische Regierung hat zum
Schutze ihres arg in Mißkredit gekommenen
Butterexports eine strenge Überwachung ein-
geführt, und es ist dem deutschen Groß-
händler dringend zu raten, holländische B.
nur mit der Reichskontrollmarke zu kaufen,
da bei dieser allein Gewähr für Reinheit ge-
geben ist. — Die geringe Haltbarkeit der
animalischen Nahrungsmittel bringt es mit
sich, daß große Buttermengen in verdor-
benem Zustande in den Verkehr kommen,
besonders aus Ländern mit so ungenügenden
hygienischen Einrichtungen wie Galizien und
Sibirien. Auch auf diese muß die Nahrungs-
mittelkontrolle ein wachsames Auge haben.
In gleicher Hinsicht wird die gute Beschaffen-
heit der B. durch ihre Eigenschaft beeinflußt,
Gerüche aus der Umgebung begierig anzu-
ziehen. Der sog. Stallgeruch, der Geschmack
nach Holz oder Faß, nach Hering und Pe-
troleum sind hierauf zurückzuführen. Bitterer
Geschmack kann auf der Verwendung eisen-
haltigen Kochsalzes oder mit Eisensalzen im-
prägnierter Pergamentumhüllungen beruhen.
Die Farbe der Butter hängt von der Art
der Fütterung ab. Während im Sommer bei
Weidegang ein tiefgelbes Fett erzeugt wird,
erscheint sie bei Stallfütterung im Winter
wesentlich heller, ja bei reichlicher Stroh-
fütterung fast weiß. Um auch letzterer Ware
den Anschein der besonders geschätzten Gras-
butter zu geben, hat man zu dem Auskunfts-
mittel der künstlichen Färbung gegriffen.
Safflor, Safran, Kurkuma und Orlean wer-
den zugesetzt, und diese Unsitte ist zurzeit
soweit eingebürgert, daß mit gesetzlichen Mit-
teln nicht wohl dagegen eingeschritten wer-
den kann. Butterschmalz, Schmelz-
butter, Rindsschmalz nennt man das
durch Ausschmelzen von den Milchbestand-
teilen befreite Butterfett, welches in Süd-
deutschland viel verbraucht wird. — Der
Handel mit B. hat in den letzten Jahr-
zehnten große Wandlungen erfahren. Wäh-
rend im Jahre 1875 noch 124000 dz aus-
geführt und nur 77000 dz eingeführt wurden,
hat sich dieses Verhältnis im Jahre 1898 um-
gekehrt (28000:105 000) gestaltet, und noch
jetzt ist die Einfuhr, besonders aus Däne-
mark, Holland und Rußland (Sibirien) in
ständiger Zunahme begriffen. — Zoll: Siehe
Tarif Nr. 134.

Butteräther (Buttersäureäther,butter-
saures Äthyloxyd, Buttervinester, lat.
Aether butyricus, frz. Ether butyrique, engl.
Butyric ether), in chemischer Hinsicht Butter-
säureaethylester, wird durch Erwärmen von
Buttersäure mit Alkohol und Schwefelsäure
hergestellt als eine farblose, aromatisch rie-
chende Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,898 und
dem Siedepunkt 120°. In alkoholischer Lö-
sung (1 ; jo) besitzt sie charakteristischen

Ananasgeruch und dient daher als Ananas-
essenz (Pine-apple-oil) zur Darstellung von
Fruchtäthern und künstlichem Rum. — Zoll:
S. Tarif Nr. 347.

Buttergelb, ein zum Färben von Butter
dienender Teerfarbstoff, erscheint in gelben
Blättchen, die in Wasser unlöslich, in Fetten
aber löslich sind. Das B. gehört zur Gruppe
der Azofarbstoffe und besteht aus Anilinazo-
dimethylanilin. — Zollfrei.

Butterine, eine der früheren Bezeichnun-
gen für Kunstbutter, ist jetzt neben dem ge-
setzlich vorgeschriebenen Namen Marga-
rine nicht mehr zulässig.

Buttersäure (Butylsäure, lat. Acidum
butyricum, frz. Acide butyrique, engl. Butyric
acid) ist eine farblose Flüssigkeit von unan-
genehmem, ranzigem, lang anhaftendem, ste-
chendem Geruch und stark sauerem Ge-
schmack. Bei —19° C erstarrt die B. zu
einer weißen Kristallmasse, siedet zwischen
162 und 164° C und ist unzersetzt flüchtig.
Ihr spez. Gew. beträgt 0,963. In Wasser löst
sie sich in allen Verhältnissen, scheidet sich
aber nach Zusatz von Salzen als ölige Schicht
wieder ab. Die B. ist ein Bestandteil der
Butter, in welcher sie als Glyzerid vorkommt,
wird aber aus dieser wegen zu geringer Aus-
beute in der Regel nicht dargestellt, sondern
durch Gärung von Zucker oder Stärkemehl
bei Gegenwart von Kreide und etwas Käse
erhalten. Der hierbei zunächst entstehende
milchsaure Kalk geht schließlich in butter-
sauren Kalk über, aus welchem dann die B.
abgeschieden und weiter gereinigt wird. Die
so erhaltene B. heißt normale oder Gä-
rungsbuttersäure und ist mit der in der
Butter enthaltenen identisch. Daneben kennt
man noch eine von gleicher prozentischer
Zusammensetzung, aber etwas abweichenden
Eigenschaften, welche sich im Johannisbrot
fertig gebildet vorfindet und Isobutter-
säure oder Dimethylessigsäure genannt
wird. Verwendung findet die B. fast nur zur
Bereitung von Buttersäureamyläther und
Butteräther. — Zollfrei.

Buttersäureamyläther (Buttermylester,
buttersaures Amyloxyd, lat. Amyloxy-
dum butyricum, Amylium butyricum), eine
farblose, wasserhelle Flüssigkeit von ange-
nehmem Ananasgeruch, löst sich leicht in
Alkohol, aber nicht in Wasser, hat ein spez.
Gew. von 0,852, siedet bei 176° C und wird
zur Bereitung von künstlichen Fruchtäthern
benutzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Butylalkohol, ein im Fuselöl von Runkel-
rüben und Kartoffelsprit enthaltener Alkohol
von fuseligem Geruch, welcher bei 108° siedet.
Spez. Gew. bei 0° 0,817. — Zoll: S. Tarif
Nr. 348.

Butylchloral (Krotonchloral, Kroton-
chloralhydrat) entsteht bei Einwirkung
von Chlor auf Aldehyd in Form kleiner,
weißer, glänzender, blätteriger Kristalle von
eigentümlichem, entfernt an Heidelbeeren
erinnerndem Geruch und brennendem Ge-
schmack. B. schmilzt bei 78°, ist völlig
flüchtig und löst sich schwer in kaltem,
leichter in heißem Wasser. In Äther und in
Alkohol ist es leicht löslich. Das B. wurde
eine Zeitlang als Anästheticum an Stelle des
Chloroforms benutzt. — Zollfrei.