﻿Cardin

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Cayennepfeffer

Cardin, ein neues Arzneimittel aus dem
Herzfleische des Rindes, welches als Herz-
tonikum verordnet wird. — Zoll: S. Tarif
Nr. 388.

Carnallit, nach den Mineralogen Carnall
benannt, das in den Abraumsalzen (s. d.) vor-
kommende Kalium-Magnesiumchlorid mit 27°/o
Kaliumchlorid, 34°/o Magnesiumchlorid und
39% Wasser, bildet das Hauptrohmaterial der
Staßfurter Kaliindustrie. — Zoll: S.Tarif Nr.280.

Carnaubawachs (Cera carnaubae), ein
dem Bienenwachs ähnliches Produkt pflanz-
lichen Ursprungs, scheidet sich an der Ober-
fläche der Blätter von Copernicia (oder
Corypha) cerifera, der in Nordbrasilien
wachsenden Wachspalme aus und bildet
schmutzig grünliche oder gelbliche Stücke,
welche im Aussehen gekochtem Terpentin
ähneln. C. ist hart und spröde, von schwa-
chem meerschaumähnlichem Glanz, schmilzt
bei 83—91° und löst sich in Äther, sowie
heißem Alkohol und Terpentinöl. Das spez.
Gew. beträgt 0,990—1,000. C. besteht im wesent-
lichen aus Zerotinsäure-Myrizylester, neben
geringen Mengen freier Zerotinsäure und
Myrizylalkohol. Seine Säurezahl ist 4,5, die
Ätherzahl 75, die Verseifungszahl 85—95°. Es
erhöht in Gemischen mit Fetten wesentlich
den Schmelzpunkt und wird daher in großen
Mengen zur Kerzenfabrikation benutzt. Weiter
dient es zur Herstellung von Wachsfirnissen
und Bohnermassen. Ein Zusatz von C. zu
Bienenwachs wird erkannt an der Erniedri-
gung der Säurezahl, der Erhöhung des spez.
Gew. und des Schmelzpunktes und an dem
Fehlen der Palmitinsäure. — Zoll: S. Tarif
Nr. 247 (15 M.).

Carobablätter (lat. Folia carobae, frz.
Feuilles Carobe, engl. Carobe leaves), die ge-
trockneten Blätter einiger Bignoniaceen,
u. a. Jacaranda procera, welche neben
Harzen und aromatischen Stoffen ein Alka-
loid: Carobin, enthalten. Die länglich ei-
förmigen Blätter mit stark hervortretenden,
schräg laufenden Seitennerven und stern-
förmigen Drüsenhaaren werden von den Ein-
gebornen gegen Syphilis und Hautausschläge
angewandt und neuerdings auch nach Europa
eingeführt. — Zollfrei.

Carumbamba, die unter der Erdoberfläche
horizontal verlaufenden Wurzeln einer in ganz
Brasilien vorkommenden Palme, Desmon-
cus polyacanthus, werden dort zur Her-
stellung von allgemein beliebten Spazier-
stöcken benutzt, indem man sie nach der
Reinigung durch gelindes Erwärmen streckt
und gerade zieht und dann poliert. Die zer-
kleinerten Wurzeln werden auch als blut-
reinigender Tee verwendet. — Zollfrei; Stöcke
s. Tarif Nr. 622.

Cascara sagrada (die spanische Bezeich-
nung für „heilige Rinde“, A merikanische
r aulbaumrinde, lat. Cortex cascarae sa-
gradae, frz. Ecorce de cascara sagrada, engl.
Sacred bark), die Rinde von Rhamnus
Purshiana, eines in Kalifornien wachsenden
Strauches, ist unserer Faulbaumrinde, von
Rhamnus frangula, sehr ähnlich. Sie unter-

scheidet sich aber von letzterer durch den
kurzen Bruch der Außenrinde, während der-
jenige der inneren faserig ist. Man hat von
dieser Rinde auch ein Fluidextrakt im Han-
del. Verwendet wird C. als Abführmittel. Wie
bei Faulbaumrinde ist auch bei dieser ein
längeres, mindestens einjähriges Lagern vor
dem Gebrauch anzuempfehlen. Um den Bitter-
stoff zu entfernen, zieht man die gepulverte
Rinde mit gebrannter Magnesia und Wasser
aus und trocknet sie wieder. — Zoll: Die
Rinde ist zollfrei; das Fluidextrakt s. Tarif
Nr. 386.

Cassia fistula (Röhrenkassia, Purgier-
kassia, frz. Casse fistule, engl. Purging
Cassia), die Früchte des gleichnamigen Bau-
mes, der im heißen Amerika, in Ostindien
und Ägypten angebaut wird. Die 3—6 dm
langen, 3—4 cm dicken, walzenförmigen, bei
der Reife schwarzen, hartholzigen Schoten ent-
halten glänzendbraune, sehr harte Samenkerne
und zwischen ihnen ein schwärzliches, durch
reichen Zucker- und Gerbstoff süß und zu-
sammenziehend schmeckendes zähes Mus.
Dieses Kassienmark (lat. Pulpa cassiae)
wurde früher herausgenommen und zu einer
Latwerge verarbeitet, welche purgierende
Eigenschaften hat, neuerdings aber durch
Tamarindenmus ersetzt wird. In Ostindien
heißt dieses Mus Gulkar und wird auch
exportiert, während die frischen eingemachten
Früchte der C. dort Achar genannt werden.
Die C. findet auch Anwendung zu Tabaks-
beizen. — Zollfrei.

Catgut. Unter diesem Namen kommt ein
Nähmaterial für Wundbehandlung in den
Handel, welches meist aus Katzendärmen be-
steht. Diese werden getrocknet, gespalten
und gereinigt. C. wird in verschiedenen Stär-
ken verwendet, in Gläsern auf Spulen auf-
gewickelt und in einer 20% öligen Karbol-
säurelösung aufbewahrt. — Zoll: 40 M.

Cathablätter, die für medizinische Zwecke
empfohlenen Blätter von Cat ha edulis,
kommen von Arabien über Aden. Sie sind
eiförmig, stumpf gezähnt, unbehaart, oben
dunkelgrün, unten hellbläulichgrün und ent-
halten ein dem Kaffem ähnliches Alkaloid.
— Zollfrei.

Cay-cay-Butter (Irvingiafett, Dika-
fett), ein Pflanzenfett, welches aus den
Samenkernen eines Baumes, der Irvingia
Oliveri, in Chochinchina von den Einge-
borenen gewonnen wird. Man benutzt es zur
Kerzenfabrikation. — Zoll: C.-Fett 2 M.;

C.-Samen zollfrei.

Cayennepfeffer (Guinea-Pfeffer, Ch'il-
lies, lat. Piper cayennense, frz. Poivre de
cayenne, engl. Cayenne pepper) nennt man die
schotenähnlichen Früchte von Capsicum
baccatum, eines zu den Solaneen gehören-
den Strauches im tropischen Amerika. C.
ähnelt außerordentlich dem Paprika (s. d.),
von dem er sich nur durch die geringere
Größe der Beeren (1—2 cm lang; 4—5 mm
dick) und die mehr gelbrötliche Farbe unter-
scheidet. C. besitzt infolge seines Gehaltes
an Capsaicin einen brennend scharfen Ge-