﻿Chenille

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Chinaalkaloide

Zahlung nach Empfang der Rechnungen 1
bis lV2°/o Skonto gewährt. — Zoll: S. die
betr. Artikel.

Chenille (Raupe, frz. und engl. Chenille)
nennt man eine Art seidener oder wollener,
verschieden gefärbter, zartweicher leichter
Schnürchen oder dicker Fäden, welche mit
behaarten Raupen vergleichbar sind und sich
durch nach allen Seiten abstehende Härchen
kennzeichnen. Die Fabrikation dieses Artikels
geht von der Erzeugung von Bändern aus.
Eine Kette mit abwechselnd zwei Seiden-
und zwei Zwirnfäden wird mit seidenem Ein-
schlag taftartig gewebt. Nachdem das Ge-
webe in Streifen von 3—6 mm Breite ge-
schnitten worden ist, zieht man den an beiden
Seiten dieser Bändchen liegenden Zwirnkett-
faden wieder heraus, so daß die Schußfäden
einen Bart bilden. Diese Bänder erhalten
nun im gespannten Zustande eine Drehung
gleich den Seilerwaren, welche die Seiden-
kette bleibend schraubenförmig windet und
daher die Querfädchen dichter zusammen-
rückt und allseitig über das Schnürchen ver-
teilt. Man benutzt die Ch. zu allerlei Zier-
besatz, macht auch eine Art Spitzen daraus
(Chenilleblonden) und stickt damit. Ferner
benutzt man die Ch. auch in der Weberei von
Schals und Tüchern als Einschlag. Die Ch.
ist sehr der Mode unterworfen und war eine
Zeitlang fast ganz außer Gebrauch. — Zoll:
S. Tarif Nr. 412.

Chesterkäse heißt die bekannte englische
Käsesorte, die in großer Menge zum Export
gelangt und am besten in Cheshire und
Gloucestershire gefertigt wird. Der Ch. ist
ein Süßmilchkäse, der aus Morgen- und
Abendmilch mittels Lab gefertigt und mit
Orlean orangegelb gefärbt wird. Er braucht
gewöhnlich 6 —10 Monate zur Reife und
enthält im Mittel 27°/o Protein und 28°/o Fett.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 135.

Chianti, einer der besten Rotweine Italiens
aus der Provinz Siena, der in ganz erheb-
lichen Quantitäten aus der Traube San
Gioretto und anderen bereitet wird, hat neben
seinem eigentümlichen Aroma eine gewisse
Herbe, welche als charakteristisches Merkmal
aller Chiantiweine gilt. Der Alkoholgehalt
beträgt ca. 13%. Besonders feine Sorten sind
der Canajolo und Montepulciano. —
Zoll: S. Tarif Nr. 180/1.

Chiaöl, ein fettes Öl aus den Samen der
m Mexiko wachsenden Salvia hispanica,
kommt nicht zu uns und wird schon im Ur-
sprungslande häufig mit Leinöl verfälscht.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 166/7.

Chica, den von den Indianern am Orinoko
hergestellten Pflanzenfarbstoff, der jedoch nur
selten zu uns gebracht wird, bereitet man
durch Auskochen der Blätter eines Baumes
)Tlguonia Chica) mit Wasser, unter Zusatz
der Rinde eines anderen Baumes (Aryana).
r,er, dlejdurch in Wasser unlöslich gewordene
karbstoff wird in Kuchen geformt und ge-
trocknet, und zeigt dann eine blutrote Farbe
und samtartiges Aussehen. Baumwolle kann
man mit Ch. orangerot färben. — Zollfrei.

Merck's tVarenlexikon. 5. Auf!.

Chikan Kadia, eine indische Bastfaser,
stammt von Sida alba ab. — Zollfrei.

Chilisalpeter (Natronsalpeter, lat. Na-
trium nitricum, frz. Nitrate de soude, engl.
Nitrate of sodium), in chemischer Hinsicht
unreines Natriumnitrat, findet sich in Peru
in ausgedehnten Lagern von 25—150 cm
Mächtigkeit, bedeckt mit Vs—3A m toniger
Erde, und kommt nach oberflächlicher Rei-
nigung durch Umkristallisieren mit einem
Gehalte von 89—99% Natriumnitrat in den
europäischen Handel. Ch. dient zur Fabri-
kation der Salpetersäure, zur Umwandlung
der Staßfurter Chlorkaliumsalze in den wich-
tigen Kalisalpeter und in steigendem Maße
als Stickstoffdünger der Landwirtschaft. Im
Hinblick auf die häufige Verfälschung des
Salzes erfolgt der Verkauf stets unter Ga-
rantie eines bestimmten Stickstoffgehaltes von
14—16,5%, dessen Vorhandensein der Käufer
meist durch chemische Analyse kontrollieren
läßt. Der Ch. zieht aus der Luft begierig
Feuchtigkeit an und muß daher trocken ge-
lagert werden; er ist für das Vieh giftig und
darf nicht mit verletzten Händen angegriffen
werden. Im Hinblick auf die in absehbarer
Zeit zu erwartende Erschöpfung der natür-
lichen Lagerstätten muß es als besonders er-
freulich bezeichnet werden, daß die Wissen-
schaft ein Verfahren entdeckt hat, den
atmosphärischen Stickstoff in ein brauchbares
Düngemittel (s. Kalziumcyanamid) überzu-
führen. ■— Zollfrei.

China heißt in England das Porzellan;
daher China clay — Porzellan ton — ein in
England vorkommender, blendend weißer,
voluminöser, sehr plastischer, etwas fetter
Ton, welcher wegen seiner vielseitigen Brauch-
barkeit nach andern Ländern, auch nach
Deutschland ausgeführt wird. Man braucht
sie bei uns in der Färberei als Zusatz zu
Satinierfarben, die dadurch beim Reiben einen
schöneren Glanz annehmen, in Zeugdrucke-
reien zur Farbenverdickung, hauptsächlich
aber als Zusatz zum Papierzeug, um dem
Papier mehr Schwere und Körper zu geben.
— Zollfrei.

Chinaalkaloi'de (frz. Alcaloides de quin-
quina) ist der Sammelname für alle in den
verschiedenen Chinarinden enthaltenen Pflan-
zenbasen, von denen Chinin, Chinidin,
Cinchonin und Cinchonidin die größte
Bedeutung besitzen. Außer diesen kennt man
noch eine ganze Reihe von Alkaloiden, welche
entweder nur aus einzelnen Arten von China-
rinden erhalten wurden, oder sich in den
Mutterlaugen der Chininfabrikation ansam-
meln oder aber als Umwandlungsprodukte
der natürlichen Basen anzusehen sind. Als
Vertreter dieser Ch. seien angeführt: Cin-
chotin (Hydrocinchonin), Cinchamidm(Hy-
drocinchonidin), Hydrochinidin, Hydro-
chinin, Cuprein, Chinamin, Conchina-
min, Chairamin, Aricin, Paricin, Cus-
conin, Concusconin, Apochinin, Di-
conchinin und Paytin. Die meisten dieser
Ch. sind kristallisierbare, wohlcharakterisierte

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