﻿Chinablau

82

Chinarinde

Verbindungen und werden z. T., besonders
das wichtigste von allen, das Chinin, in beson-
deren Artikeln behandelt. Hingegen ist das
sog. Chinioidin des Handels ein Abfall-
produkt aus den Chininmutterlaugen, welches
aus den verschiedensten amorphen Basen be-
steht und wegen seiner wechselnden Zusam-
mensetzung in der Medizin durch die reinen
Chininpräparate nahezu völlig verdrängt ist.
Neuere Versuche machen es wahrscheinlich,
daß demnächst die synthetische Darstellung
mehrerer Ch. gelingen wird, doch steht die
Rentabilität derselben in Hinblick auf den
geringen Preis des Naturproduktes noch zu
bezweifeln. — Zollfrei.

Chinablau, ein dem Wasserblau (s. d.)
nahe verwandter Teerfarbstoff.

Chinagras (engl. Cloth grass, China grass),
die Bastfaser von Boehmeria nivea, einer
in China und Ostindien heimischen Nessel-
art, wird seit den ältesten Zeiten in Asien
in ausgedehntem Maße als Spinnfaser zu
Geweben verarbeitet. Außer dieser findet
aber auch die Faser einiger anderer Nessel-
arten, namentlich der Boehmeria tenacis-
sima, letztere unter dem Namen Ramie,
Verwendung. China und die den Himalaya
umgebenden Länder waren schon in alter Zeit
die Hauptkulturstätten für die Nesselfaser.
Von da verirrten sich in früheren Jahrhunder-
ten zuweilen Gewebe von großer Feinheit
nach Europa und waren hier sehr geschätzt.
Später wurde die Nesselfaser auch in Europa
(Deutschland, Schweden, Frankreich) bereitet,
versponnen und verwebt (Nesseltuch), und
noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts
waren Gewebe aus Nesselfasern in den ge-
nannten Ländern ziemlich bekannt. Die sich
fortwährend steigernde Einfuhr von Baum-
wollgeweben aus Indien, das Emporblühen
der Baumwollindustrie in England und auf
dem europäischen Festlande drängte jedoch
das Nesselgewebe vollständig zurück, ja ließ
dies vorzügliche Material beinahe ganz in
Vergessenheit geraten, bis diese Industrie in
der neuesten Zeit wieder größere Bedeutung
erlangte. — Eigenschaften der Faser
des Ch.: Die Faser ist bei gehöriger Pflege
sehr zart und fein und besitzt große Festig-
keit, welche selbst die des russischen Hanfes
um das Doppelte übertreffen kann. Sie zeigt
einen hohen, fast seidenartigen Glanz, läßt
sich leicht bleichen und wird dann blendend
weiß. Ungebleichte Fasern zeigen zuweilen
einen Stich ins Gelbe oder Grüne, welcher
von noch vorhandenem, aber leicht zu ent-
fernendem Blattgrün (Chlorophyll) herrührt.
Man erhält die Faser hier meist als koloni-
siertes Ch., d. h. in einer der Baumwolle
ähnlichen Form. Schwierigkeiten verursachte
früher das Färben, doch sind auch darin in
neuester Zeit bedeutende Fortschritte gemacht
worden. Der Anbau des Ch. ist jetzt beinahe
über die ganze Erde mit Ausnahme der nörd-
licheren Gegenden verbreitet. Im Stamm-
lande China gestaltet sich Kultur und Faser-
gewinnung folgendermaßen: Die Anlage einer
Plantage erfolgt mit Stecklingen oder durch

Wurzelteilung, nicht durch Aussaat. Das
Land wird gut bearbeitet und mit Bewässe-
rung versehen. Die Pflanzen treiben von
der Wurzel aus lange gerade, fast gar nicht
verästelte Schößlinge, welche, wenn sie 1
bis 1,2 m lang geworden sind, jedenfalls aber
vor der Samenreife geschnitten werden. Die
Pflanzungen bleiben 7—8 Jahre ertragsfähig
und ergeben jährlich 4—5 Schnitte. Von den
grünen Stengeln streift man sogleich Blätter
und Oberhaut ab und gewinnt die Fasern
durch leichtes Rösten und vielfach wieder-
holtes Waschen. Sie sind hiernach 0,5—1,0
und 1,2 m lang, rein weiß und weich und
haben seidenartigen Glanz. Durch mit großer
Sorgfalt ausgeführtes Zusammendrehen ent-
stehen Fäden, welche zu den chinesischen
Grasleinen verwendet werden. In Japan wird
für die feinsten Gewebe Urtica nivea,
daneben auch U. japonica angebaut. In
Indien finden wir fast alle verschiedenen
Urticeen vertreten, doch scheint man sich in
neuerer Zeit in ausgedehnterem Maße eben-
falls auf U. nivea zu werfen. Neu in die
Kultur eingetreten sind Nordamerika,
Mexiko, Kuba, welche aber vorwiegend
eine andere Art, Urtica postulata, an-
bauen, sowie die mittelamerikanischen
Länder, Brasilien und Australien. Große
und von Erfolg gekrönte Anstrengungen hat
Frankreich gemacht, um den Anbau von
U. nivea in den südlichen Provinzen und in
Algier heimisch zu machen. Die Plantagen
in letzterer Kolonie ergeben bei drei Schnitten
im Jahre eine sehr gute Faser. — Das Ch.
findet Anwendung zu Posamentierarbeiten
(Fransen, Schnuren, Borten) und als Verzie-
rungsmaterial bei Geweben, denn die Weiße
und der außerordentliche Glanz der Faser läßt
sie selbst auf weißem Grund noch vollkommen
hervortreten. Außerdem werden auch Ge-
webe aus Nesselgarn allein, ebenso gewirkte
Waren, Strümpfe, Leibchen usw. hergestellt.
Die Engländer fertigen sogar Plüsch und
Samte nach Art der baumwollenen Samte
daraus an. — Zoll: Chinagras zollfrei; Waren
daraus je nach der Beschaffenheit.

Chinarinde (Fieberrinde, lat. Cortex
chinae, frz. Ecorce de Quina ou de Quin-
quina, engl. Cinchona bark). Die Chinarinden
stammen von verschiedenen Arten der Gat-
tung Cinchona, Familie der Rubiaceen,
ab, und zwar sowohl von wild wachsenden, als
auch von kultivierten Pflanzen. Die Heimat
der Cinchoneen sind die Kordilleren Süd-
amerikas. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt
sich etwa vom 10° n. Br. bis zum 22° s. Br.
Der Chinarinden liefernde Gebirgsstreifen ist
etwa 500 Meilen lang. Die Cinchoneen kom-
men hauptsächlich in einer Höhe von 1600
bis 2400 m vor, doch trifft man sie auch noch
bis zu 3400 m. Die unterste Grenze liegt bei
1200 m, weiter vom Äquator entfernt bei
800 m. Die Cinchoneenregion wurde schon
früher als eigenartig erkannt und Ceja de
la montana, Augenbraue des Gebirges, ge-
nannt. Das Einsammeln der Rinden geschieht
durch die Kaskarilleros, indem diese die