﻿Chinarinde

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Chinasilber

Bäume nach Entfernung der Schlingpflanzen
fällen und die abgelöste Rinde sofort in der
Sonne oder über gelindem Feuer trocknen,
um ein Schimmeln zu verhüten. Hierauf wer-
den die Rinden in Bündel gepackt und nach
den Magazinen der Hafenplätze gebracht, wo
sie sortiert und in Ballen vereinigt werden.
— Durch diese unrationelle Gewinnung sind
die wertvollen Cinchoneen in ihrer Heimat
naturgemäß seltener geworden, und man ist
dazu übergegangen, sie zu kultivieren. Boli-
vien und Kolumbien besitzen seit ca. 20 Jahren
ausgedehnte Cinchoneen-Pflanzungen, und
auch in Guatemala, sowie Jamaika floriert jetzt
die Chinakultur. Von weit größerer Bedeu-
tung sind jedoch die Kulturen der Holländer
in Java und der Engländer in Ostindien,
welche Anfang der fünfziger Jahre angelegt
wurden. Für den Handel kommen heute
hauptsächlich die Rinden aus Java und Ost-
indien inkl. Ceylon in Betracht. In Indien
werden die Rinden auf 4 verschiedene Metho-
den gewonnen: 1. Mos sing. Man schält
Streifen der Rinde vom Baum, läßt aber
andere dazwischen liegende Streifen unver-
sehrt stehen und verbindet die Wunden mit
Moos. 2. Schaven. Die Rinde wird in
kleinen Stücken abgeschabt, wobei das Kam-
bium geschont wird. 3. Uprooting. Der
ganze Baum wird ausgerodet. 4. Coppicing.
Der Baum wird gefällt und entrindet, aus
dem Stumpf entwickeln sich Schößlinge. —
Die für den direkten Gebrauch bestimmten
sog. Drogistenrinden kommen in Kisten nach
Europa und bilden lange Röhren, während
die zur Chininfabrikation dienenden „Fabrik-
rinden“ in Ballen zusammengestampft werden.
Alle Kulturrinden werden nach dem Alkaloid-
gehalt gehandelt. Auf jedem Muster findet
sich der Prozentgehalt an Chininsulfat und
Totalalkaloid verzeichnet. Die echten China-
rinden haben die Eigenschaft, nach dem
Schälen eine bemerkenswerte Farbenände-
rung durchzumachen. Anfangs hell, nehmen
sie später eine mehr oder weniger ausge-
prägte rostbraune Färbung an. Die China-
rinden stellen entweder Platten (Stammrinden)
oder Röhren (Astrinden) dar. Bei den stets
bedeckten Zweigrinden unterscheidet man zwi-
schen der dünnen Korkschicht, der Mittel-
schicht und der Bastschicht. Die Stammrinden
sind entweder mit einer dunklen Korkschicht
bedeckt oder unbedeckt und bestehen dann
nur aus Mittelschicht und Bastschicht oder
aus. letzterer allein. Die sog. falschen
Chinarinden sind von den echten anato-
misch leicht zu unterscheiden, auch fehlt
mnen (mit Ausnahme der Cuprea und der
t-hma von Para) Chinin und Cinchonin. Die
Ladenbergia-, Kaskarilla- und Remijia-Arten
gehören zu den falschen Chinarinden. Wäh-
km diese oft einen scharfen, widerlichen
Descnmack besitzen, haben die echten Rin-
den einen eigenartig bitteren Geschmack.
Hie wichtigsten Bestandteile der echten
Chinarinden sind die Chinaalkaloide (s. d.).
Außerdem enthalten sie Chinasäure, China-
gerbsäure, welche Chinarot liefert und Chi-

novagerbsäure. Die Grahesche Reaktion,
durch welche man leicht echte Rinden von,
falschen unterscheiden kann, beruht auf dem
Gehalt der echten Rinden an Chinin und
Cinchonin. Sie wird in der Weise ausgeführt,
daß man etwas gepulverte Substanz im Re-
agensglase erwärmt, worauf sich bei echten
R. ein roter Teer am oberen Teile des Glases
ansammelt. An Handelssorten unterscheiden
dieHändler zwischenFabrikrinden, welche
direkt in die Chininfabriken wandern, und
Medizinal - oder D rogistenrinden(Drug-
gist quills), die aus den ansehnlichsten
Stücken der Droge bestehen. Nach der
Farbe werden die Chinarinden auch heute
noch in 3 Gruppen eingeteilt, in gelbe, braune
und rote Rinden. Die gelben Chinarinden
(lat. Cortices chinae flavi) haben hellzimt-
braune Farbe, bestehen vorwiegend aus der
Innenrinde und haben grobfaserige oder split-
terige Textur. Hierher gehört die Königs-
China (China calisaya, Ch. regia), die
beste aller Cinchoneen, von Cinchona Cali-
saya. Sie ist in allen Arzneibüchern zu finden
und stellt entweder Röhren dar mit spröder,
tiefrissiger, brauner Borke, oder flache von
Borke befreite Stücke, in denen aber die
flachen Borkengruben zu sehen sind. Die
braune oder graue Chinarinde (lat. Cor-
tices chinae fusci, grisei, officinales)
findet sich nur in gänsefederkiel- bis finger-
starken, einfach oder doppelt gerollten Röh-
ren, deren Oberfläche graubraun ist, während
die Mittel- und Innenrinde braun gefärbt er-
scheint. Die hauptsächlichsten Sorten sind die
Huanocochina von C. micrantha, suberosa
usw. aus Peru, und die Loxa- oder Lojachina
von C. uritusinga, purpurea usw. aus Ecuador.
Während die gelben Chinarinden vorwiegend
Chinin enthalten, sind die braunen Rinden
reich an Cinchonin. Die roten Chinarin-
den (Cortices chinae rubri) haben rot-
braun gefärbte Mittel- und Innenrinde und
bestehen entweder aus den flachen mit Borke
bedeckten Stücken der Stämme und dickeren
Äste (südamerikanische R.), oder den röhren-
artigen Rinden dünnerer Äste (Kulturrinden
aus Java und Ostindien). Die südamerikani-
schen roten Chinarinden stehen infolge ihres
geringen Alkaloidgehaltes (2—3°/o) an Bedeu-
tung den roten Kultur-Chinarinden (5—8°/o)
nach, werden jedoch auch jetzt noch in
großen Mengen aus Guayaquil ausgeführt.
Von allen Ch. haben gegenwärtig für den
Handel die größte Bedeutung die Kultur
Ch. Ledgeriana und die Ch. succirubra. Java
exportiert weitaus die meiste Ch., so im Jahre
1905 7699500 kg. Der erste Handelsplatz für
China ist Amsterdam, der zweite London, der
dritte Hamburg. Die Ch. dienen m der
Hauptsache zur Herstellung des Chinins (s.d.).
In der Medizin finden sie Anwendung als
Dekokt, sowie zur Darstellung verschiedener
pharmazeutischer Präparate, wie Chinaextrakt,
Chinatinktur und Chinawein. Zollfrei.

Chinasilber, in Form von Tafelgeschirren
besteht aus Neusilber, das auf galvanischem
Wege gut versilbert ist; vgl. Argentan.