﻿Chinawurzel

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Chinin

Chinawurzel (Chinaknollen, Pocken-
wurzel, lat. Rhizoma chinae, frz. Racine
de squine, engl. China root) kommt nicht
von Chinabäumen, sondern von einer in China
und Japan heimischen Stechwinde, Smilax
China. Eine in Südamerika wachsende Ver-
wandte, Smilax pseudochina, liefert hel-
lere und leichtere Wurzelknollen, welche
unter der asiatischen Ware mit Vorkommen,
aber geringer geschätzt werden. Die echte C.
bildet fast faustdicke, längliche, knotige
Stücke, die außen braunrot, innen blaßrötlich
gefärbt sind und ziemliche Schwere haben,
wonach die Güte der Ware bemessen wird.
Der Geschmack ist schleimig, etwas bitter und
kratzend. Die Wurzeln sind oft stark wurm-
stichig, die Löcher aber nicht selten durch
Einreiben mit Ton u. dgl. vertuscht. Die
Verwendung der Droge ähnlich der Sassa-
parilla hat fast ganz aufgehört. — Zollfrei.

Chinesischgrün (frz. Vert de chine), einen
grünen aus China kommenden Farbstoff, der
dort aus der Rinde gewisser Arten von Kreuz-
dorn (Rhamnus) bereitet werden soll, erhält
man teils in kleinen tafelförmigen Stücken,
teils in der Form, wie er lufttrocken aus
den Filtrierbeuteln genommen wird. Er
gleicht dann bald Orangeschnitten, bald einer
getrockneten Zitrone. Auf der Oberfläche
bemerkt man einen blaugrünen Schein, auf
dem Bruche metallischen Kupferglanz, jedoch
schwächer als bei Indigo. Das Ch. läßt sich
leicht pulvern, ist in Wasser löslich und behält
auch bei künstlichem Lichte, ebenso wie die
damit gefärbten Stoffe, seine schöne grüne
Farbe. Ein ähnlicher Farbstoff ist das Lo-kao
(s. d.). — Zollfrei.

Chinesischrot, diesen Namen führt teils
der natürliche, aber präparierte Zinnober,
teils der aus dem Safflor dargestellte rote
Farbstoff, das Karthamin. — Zoll: S. d. er-
wähnten Produkte.

Chinidin (lat. Chinidinum) hat nach und
nach eine ganze Anzahl von Namen erhalten,
wie: ß-Chinin, Conchinin, Chinotin, kristalli-
siertes Chinioidin usf. Infolgedessen wird man
sich, vor allem bei älteren Angaben, zu ver-
gewissern haben, welche Chinabase eigentlich
gemeint ist. Das Ch. findet sich fast in allen
Chinarinden, die zur Chininfabrikation die-
nen, und wird gewöhnlich aus dem Chinoidin
dargestellt. Es kristallisiert je nach dem
Lösungsmittel in glänzenden Prismen, Rhom-
boedern oder Blättchen, schmeckt bitter und
zeigt seinen chemischen Eigenschaften nach
fast das gleiche Verhalten wie Chinin (s. d.).
Das schwefelsaure Ch. (lat. Chinidinum
sulfuricum, frz. Sulfate de quinidine, engl.
Sulfate of quinidin) ist in verschiedene Arznei-
bücher aufgenommen worden. Es wird wie
das Chininsulfat angewendet, wirkt etwas
schwächer, soll aber auch weniger unange-
nehme Nebenwirkungen besitzen. Das schwe-
felsaure Ch. stellt weiße, seidenglänzende
Nadeln dar, die in 100 Teilen kaltem und
10 Teilen siedendem Wasser löslich sind und
stark bitter schmecken. Das gerbsaure Ch.
(lat. Chinidinum tannicum, Conchininum tan-

nicum), ein weißliches Pulver, findet in der
Kinderpraxis und in der Veterinärpraxis An-
wendung. Süßes Chinin (Chinidinum dulce,
engl. Sweet Quinine) ist mit Glyzyrrhizin ver-
bundenes Chinidin und stellt ein gelbbraunes
Pulver von bitterlich süßem Geschmack dar.
— Zollfrei.

Chinin (lat. Chininum, frz. Quinine, engl.
Quinin), der wirksame Bestandteil der China-
rinde, findet sich in den verschiedenen Sorten
in wechselnder Menge neben Cinchonin und
anderen Basen in Form von chinagerbsaurem
und chinasaurem Salz. Der Gehalt der ver-
schiedenen Rinden an Ch. beträgt gewöhnlich
2—3°/o, doch ist in der Rinde der javanischen
Calisaya Ledgeriana ein Chiningehalt bis zu
13°/o beobachtet worden. Zur Darstellung
des Ch. wird das Rindenpulver mit Kalkhydrat
gemischt und mit heißem Alkohol extrahiert.
Von den Auszügen destilliert man den Alko-
hol ab, neutralisiert die hinterbliebene Flüssig-
keit mit Schwefelsäure und entfärbt mit Tier-
kohle. Hierauf werden die Alkaloide durch
Natronlauge gefällt, nach dem Auswaschen
und Auspressen in Alkohol gelöst, und die
Lösung zur Abscheidung des schwer löslichen
Cinchonins und Cinchonidins an einen kühlen
Ort gebracht. Aus der von den abgeschie-
denen Kristallen befreiten Flüssigkeit erhält
man das schwefelsaure Chinin durch Neu-
tralisieren mit Schwefelsäure und Abdestil-
lieren des Alkohols. Beim Erkalten scheidet
sich dann der größte Teil des Chininsulfats,
aus, während sich in den Mutterlaugen die
Sulfate der übrigen Chinabasen neben wenig
Chininsulfat finden. Das freie Ch. wird unter
Zusatz von etwas Schwefelsäure und Versetzen
der Lösung mit überschüssigem Ammoniak
aus dem so hergestellten Chininsulfat ge-
wonnen. Das reine Chinin (Chininum purum)
stellt ein weißes, kristallinisches, bitter
schmeckendes Pulver dar, welches infolge
seiner Schwerlöslichkeit in Wasser medizi-
nisch fast gar nicht angewendet wird. Am
meisten Verwendung finden das schwefel-
saure und das salzsaure Chinin. Das schwe-
felsaure Ch. (Chininum sulfuricum) bildet
feine, weiße Kristallnadeln von bitterem Ge-
schmack, die sich in 800 Teilen kaltem, 25
Teilen siedendem Wasser, sowie 6 Teilen sie-
dendem Alkohol lösen. Charakteristisch für
das Ch. ist die Thalleiochin-Reaktion:
0,1 g Ch. geben mit 20 cm Chlorwasser und
20 cm Ammoniak eine smaragdgrüne Fär-
bung. Nur Chinidin gibt noch die gleiche
Reaktion. Das salzsaure Ch. (Chininum-
chlorhydrat, lat. Chininum hydrochloratum
seu muriaticum) stellt weiße, nadelförmige
Kristalle dar von bitterem Geschmack, welche
sich in 3 Teilen Weingeist und 34 Teilen
Wasser lösen. Es wird fabrikmäßig durch
Umsetzung von reinem Chininsulfat mit Ba-
ryumchlorid gewonnen. Die Zahl der übrigen
im Handel vorkommenden Chininsalze ist
sehr groß. Die wichtigsten sind: Zitronen-
saures Ch. (Chininum citricum), zitronen-
saures Eisen-Chinin (Ch. ferro-citricum), brom-
wasserstoffsaures Ch. (Ch. hydrobromatum),