﻿Chininblumen

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Chloralhydrat

salizylsaures Ch. (Ch. salicylicum), gerbsaures
Ch. (Ch. tannicum) und baldriansaures Ch.
(Ch. valerianicum). (Seltner werden ge-
^taueht: Arsensaures Ch. (Ch. arsenicicum),
chinasaures Ch. (Chininum chinicum), essig-
saures Ch. (Ch. aceticum), milchsaures Ch.
(Dh. lacticum), phosphorsaures Ch. (Ch. phos-
phoricum) und weinsaures Ch. (Ch. tartari-
■Cum). Der Chininverbrauch ist sehr groß.
Deutschland exportiert große Quantitäten in
die tropischen Länder. Im Jahre 1905 be-
zifferte sich die deutsche Ausfuhr an Chinin
auf 1404 Doppelzentner. Ausgedehnte An-
wendung findet das Ch. in der Medizin bei
allen fieberhaften Zuständen, vor allem jedoch
zur Bekämpfung der Malaria als Heilmittel
wie Prophylaktikum. — Zollfrei.

Chininblumen (frz. Fleurs de Quinine, engl.
Quinin flowers), eine aus Florida stammende
Droge, die ihren Namen von der dem Chinin
ähnlichen Wirkung bei Wechselfieber erhal-
ten hat, ist eine krautartige, zu den Gen-
tianeen gehörige Pflanze, Sabatia pani-
culata. — Zollfrei.

Chinoidin (lat. Chinoidinum, frz. und engl.
Quinoidine), ein Nebenprodukt bei der Dar-
stellung des Chinins, erscheint als braune,
extraktartige, in der Wärme erweichende
Masse von bitterem Geschmack, welche wenig
in Wasser, leicht in Alkohol löslich, nur
noch selten medizinisch verwendet wird. Das
Ch. enthält verschiedene Chinabasen in sehr
unreinem Zustande, hauptsächlich aber das
amorphe Diconchinim Zuweilen wird auch
das Chinoidintannat (gerbsaure Chinoi-
din, lat. Chinoidinum tannicum), ein bräun-
liches, wenig in Wasser lösliches Pulver, ver-
wendet. — Zollfrei.

Chinois sind kleine bittere überzuckerte
Pomeranzen, die aus Italien kommen und
einen Artikel unserer Delikatessenhandlun-
gen ausmachen. — Zoll: 70 M.

Chinolin (Leukolin) ist eine farblose,
durchdringend riechende Flüssigkeit vom
spez. Gew. 1,095, welche bei 239° siedet,
sich wenig in Wasser, leicht hingegen in
Alkohol und Äther löst und sich an der Luft
dunkel färbt. Ch. entsteht bei der trockenen
Destillation von Chinaalkaloiden mit Kalk,
kommt aber auch im Steinkohlenteer vor und
kann synthetisch durch Erhitzen eines Ge-
menges von Anilin und Nitrobenzol mit Gly-
zerin und konz. Schwefelsäure dargestellt wer-
den. Seiner Konstitution nach ist das Ch. ein
Kondensationsprodukt von je 1 Molekül Ben-
zol und Pyridin, d. h. ein Benzopyridin und
damit die Stammsubstanz der Chinaalkalo'ide
nnd zahlreicher künstlicher Farbstoffe. Es
findet in der Medizin, besonders in Form
seines weinsauren Salzes (Ch. tartrat) als

ntiseptikum Anwendung und wird in der
chemischen Industrie zur Herstellung der
Lninolmfarbstoffe benutzt. Für letzteren
Zweck ist ein weniger gut gereinigtes, chinal-
dmhaltiges Präparat vorzuziehen. — Zollfrei.

Chinolinfarbstoffe nennt man eine Gruppe
von Teerfarbstoffen, die aus Chinolin (s. d.)

bereitet werden. Chinolinblau (Cyanin,
Chinolin jodcyanin) wird aus Amylchino-
linjodid durch Behandlung mit Alkalien er-
halten. Der Farbstoff erscheint in Form
bronzefarbener Kristallkörner, die in Wasser
und Äther unlöslich sind. Es wird hauptsäch-
lich zum Färben von Seide benutzt. —
Chinolingelb (Chinophthalin, Chino-
phthalon), wird durch Einwirkung von.
Phthalsäureanhydrid auf chinaldinhaltiges Chi-
nolin bei Gegenwart von Chlorzink erhalten
als ein gelbes Pulver, welches in Wasser
unlöslich ist, aber durch Behandlung mit
rauchender Schwefelsäure in eine Sulfosäure
umgewandelt wird. Die Salze der letzteren
sind in Wasser löslich (wasserlösliches
Chinolingelb und färben Seide und Wolle
schön gelb. — Chinolinrot wird durch
Einwirkung von Benzotrichlorid auf chinaldin-
haltiges Chinolin bei Gegenwart von Chlor-
zink erhalten. Es färbt Wolle, Seide und
auch mit Tannin vorgebeizte Baumwolle
schön rot. — Zollfrei.

Chinosol (Oxychinolinschwefelsaures
Kali) entsteht beim Kochen von Oxychinolin
mit Kaliumpyrosulfat als ein gelbes Kristall-
pulver, dessen wässrige Lösung als Desinfek-
tionsmittel Anwendung findet. — Zollfrei.

Chloral (Trichlorazetaldehyd) wird
dargestellt durch sehr lang anhaltendes Ein-
leiten von Chlor in Alkohol, wobei anfangs
gekühlt, später aber auf 60° erwärmt wird.
Aus dem entstandenen Gemisch von Chloral-
alkoholat, Äthylen- und Äthylidenchlorid wird
das reine Chloral mit konz. Schwefelsäure
abgeschieden und über kohlensauren Kalk
rektifiziert. Es erscheint dann als eine
schwere, farblose, ölige Flüssigkeit vom Siede-
punkte 97° und einem spez. Gew. von 1,502,
welche sich beim Aufbewahren von selbst in
eine feste weiße Masse (Metachloral) um-
wandelt. Mit Alkohol verbindet sich Ch. zu
Chloralalkoholat, mit Wasser zu Chloralhydrat.
— Zollfrei.

Chloralhydrat (Trichlorazetaldehyd-
hydrat, lat. Chloralum hydratum, frz. Hy-
drate de chloral, engl. Chloralhydrate) ent-
steht beim Vermischen äquivalenter Mengen
Chloral (100 g) und Wasser (12 g) und Um-
kristallisieren der erstarrten Masse aus Chloro-
form oder Benzol. Man erhält es so in
zweierlei Form, entweder in losen, durch-
sichtigen Kristallplatten, oder in zusammen-
hängenden weißen Krusten, die sich später
ebenfalls in Plättchen umwandeln. Ch. be-
sitzt einen unangenehmen, süßlich anhaften-
den Geruch und brennenden Geschmack, ver-
dampft schon bei gewöhnlicher Temperatur,
schmilzt bei 50° und siedet bei 96—98 . Zur
Prüfung auf Reinheit, besonders auf Abwesen-
heit des häufig beigemengten Chloralalkoho-
lates dienen folgende Reaktionen: Die wäß-
rige Lösung darf Lackmuspapier nicht röten,
und beim Schütteln mit dem zehnfachen
Volum konz. Schwefelsäure darf innerhalb
einer Stunde keine Bräunung eintreten. Auf
Zusatz von Jodjodkalium eintretende Jodo-
formbildung deutet Alkohol an. Ch. findet