﻿Chloralun

als schmerzstillendes und schlafbringendes
Mittel ausgedehnte medizinische Anwendung.
— Zoll: 20 M.

Chloralun ist ein Desinfektionsmittel eng-
lischen Ursprungs, welches aus einer zirka
16°/o wässrigen Lösung von Chloraluminium
mit etwas freier Salzsäure besteht, aber bei
uns keinen Eingang gefunden hat. — Zoll:
S. Tarif Nr. 298.

Chloressigsäure. Durch Einwirkung von
Chlor auf Essigsäure entstehen 3 verschie-
dene Ch., von denen die Monochloressig-
säure Kristalle vom Schmelzpunkt 62° und
vom Siedepunkte 186° bildet, während die
Dichloressigsäure eine unter 0° erstar-
rende Flüssigkeit vom Siedepunkte 190° und
die Trichloressigsäure eine bei 55°
schmelzende und bei 195° siedende kristal-
linische Masse darstellt. Die Monochloressig-
säure hat durch ihre Verwendung zur Fabri-
kation des künstlichen Indigos hohe Bedeu-
tung erlangt. Die Trichloressigsäure wird in
der Medizin als starkes Ätzmittel, besonders
bei Nasen- und Ohrenleiden angewandt. —
Zollfrei.

Chlorjod (Jodchlorid, lat. Jodum chlora-
tum), eine Verbindung von Chlor und Jod,
wird als Antiseptikum benutzt. — Zollfrei.

Chlorkalk (Bleichkalk, Kalziumhypo-
chlorit, lat. Calcaria chlorata, Calcium hy-
pochlorosum, Calcaria oxymuriatica, frz. Hy-
pochlorite de chaux, Chlorure de chaux,
engl. Chloride of lime, Bleaching powder)
wird dargestellt, indem man Chlor über flach
ausgebreiteten, mit Wasser zu Pulver ge-
löschten Kalk leitet, bis kein Chlor mehr
aufgenommen wird. Das erforderliche Chlor
wird neuerdings vielfach durch Elektrolyse
von Kochsalz gewonnen. Ch. ist ein weißes
trocknes Pulver von eigentümlichem, chlor-
ähnlichem Geruch, welches sich in Wasser
nur teilweise löst. Die Konstitution steht noch
nicht völlig fest, jedoch ist wahrscheinlich,
daß nicht eine einheitliche Verbindung, son-
dern ein Gemenge von Kalziumchlorid, Kal-
ziumhydroxyd und Kalziumoxychlorid vorliegt.
Die beim Behandeln mit Wasser entstehende
Lösung enthält jedenfalls neben Kalzium-
chlorid auch Kalziumhypochlorid. Der Handels-
wert des Ch. richtet sich nach seinem Ge-
halt an wirksamem Chlor, d. h. derjenigen
Chlormenge, welche durch verdünnte Säuren
in Freiheit gesetzt wird. Guter Ch. enthält
33—36°/o aktives Chlor, während im Handel
oft Sorten mit 20°/o und weniger Vorkommen.
Außer durch den Prozentgehalt an Chlor
drückt man den Wert bisweilen auch in
französischen Graden (nach Gay-Lussac) aus,
welche die aus 1 kg Ch. zu entwickelnde
Menge Chlor in Litern angeben. So sind
z. B. 63 französische Grade = 20,02 o/o;
100° = 31,78 °/o; 114°=36,22% aktives Chlor.
Der Ch. wird zum Bleichen von Baumwolle,
Leinen und Papier, ferner zur Fabrikation
von Chloroform und als Desinfektionsmittel
in großer Menge verbraucht. Der Versand
erfolgt in Fässern von stark ausgetrocknetem

86	Chloroform

Holze, welche trocken, kühl und dunkel auf-
bewahrt werden müssen. Aus der Luft zieht
Ch. sonst leicht Feuchtigkeit und Kohlen-
säure an, und im Sonnenlichte zersetzt er
sich, bisweilen unter Explosionserscheinungen.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 292.

Chlorkohlenstoff (Tetrachlorkohlen-
stoff, Tetrachlormethan, Kohlenstoff-
tetrachlorid, lat. Carboneum tetrachlo-
ratum), die Verbindung des Chlors mit
Kohlenstoff, kann als Methan aufgefaßt wer-
den, in welchem sämtliche 4 Wasserstoffatome
durch Chlor ersetzt worden sind. Ch. wird
durch Einleiten von Chlor in Chloroform
oder durch Behandlung von Schwefelkohlen-
stoff mit Chlor bei Gegenwart von etwas
Jod (neuerdings Eisen) dargestellt als eine
farblose schwere Flüssigkeit vom spezifischen
Gewicht 1,600, welche bei 77° siedet und bei

—	25° fest wird. Die nur schwer entzünd-
liche Flüssigkeit besitzt ein hohes Lösungs-
vermögen für Fette, Harze und Balsame und
findet daher als Extraktionsmittel an Stelle
des teuren Chloroforms und des feuergefähr-
lichen Benzins in der chemischen Großindustrie
und Wäschereien in steigendem Maße An-
wendung. Der Preis von 1 kg beträgt ca.
1,25 M. — Zollfrei.

Chloroform (Formylchlorid, Trichlor-
methan, lat. Chloroformium, frz. Chloro-
forme, engl. Chloroform) wird in der Weise
hergestellt, daß man bestimmte Mengen von
Alkohol, Chlorkalk und Wasser bei gelinder,
58—63° nicht übersteigender Wärme mit
Dampf destilliert. Das übergegangene schwere
Chloroform wird von der darauf schwimmen-
den alkoholisch-wäßrigen Schicht abgelassen
und zuerst mit Sodalösung, darauf mit Schwe-
felsäure und Wasser gewaschen. Eine andere
Methode beruht auf der Destillation von
Roh-Azeton mit Chlorkalk und Wasser, sowie
neuerdings auf der Elektrolyse alkoholischer
Kalziumchloridlösung. Für medizinische Zwecke
geeignetes, besonders reines Ch. erhält man
durch Zersetzung von Chloral mit Ätzkali oder
durch Ausfrierenlassen von technischem Ch.
bei — 75° (Ch.-Pictet). Ch. ist eine farb-
lose, ätherisch riechende Flüssigkeit von süß-
lich brennendem Geschmack, welche bei 63°
siedet, das spez. Gew. 1,500 bei 15° besitzt
und sich nicht in Wasser löst. Dagegen mischt
es sich mit Alkohol und Äther und bildet ein
ausgezeichnetes Lösungsmittel für fette und
harzartige Körper, Alkaloide, Kautschuk,
Brom, Jod, Phosphor und viele organische
Verbindungen. Zu seinem Nachweis bedient
man sich der Nitrilreaktion, indem beim Er-
wärmen von Chloroform mit Anilin und Kali-
lauge der intensive Geruch nach Isonitril auf-
tritt. Das für medizinische Verwendung be-
stimmte Ch. muß in erster Linie völlig säure-
frei sein und daher zur Vermeidung von
Zersetzungen im Dunkeln aufbewahrt werden.
Ein geringer Alkoholgehalt von l<>/o ist zur
Erhöhung der Haltbarkeit erlaubt. Ch. wird
äußerlich im Gemisch mit öl und Salben
zu Einreibungen gegen Rheumatismus ver-
ordnet und stellt außerdem das wichtigste