﻿Desinfektionsmittel

94

Diamant

ist, von starken Säuren aber gelöst wird.
Trotzdem es kein eigentliches Antiseptikum
ist, wirkt es durch Beschränkung der Sekre-
tion austrocknend und wird daher zur Be-
handlung aseptischer Wunden benutzt. —
Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Desinfektionsmittel nennt man die Sub-
stanzen, welche geeignet sind, Mikroorga-
nismen abzutöten, oder wenigstens in ihrer
Entwicklung zu hemmen. Die erste an jedes

D.	zu stellende Anforderung ist, daß es schnell
und sicher wirkt, im übrigen können die
Eigenschaften je nach dem mit der Anwen-
dung verfolgten Zwecke wechseln. So müssen
die zur Desinfektion größerer Mengen Ab-
wässer, Abortgruben usw. bestimmten Mittel
billig und leicht zu handhaben sein. Zur Des-
infektion von Kleidungsstücken und Haus-
haltsgegenständen sind solche Stoffe ausge-
schlossen, welche die Gegenstände selbst an-
greifen, wie Chlor, Säuren u. dergl. Zum
Besprengen von Straßenkörpern dienende
Desinfektionsmittel müssen mit Wasser Lö-
sungen oder beständige Emulsionen geben.
Von bekannteren Stoffen seien hier nur an-
geführt: Chlorwasser, Sublimat, Kaliumper-
manganat, Karbolsäure, Chlorkalk, Eisen-
chlorid, Zink- und Kupfervitriol, Thymol,
Salizylsäure, Arsenik, Aluminiumchlorid, Alaun,
Eisenvitriol. Ihre besonderen Eigenschaften
finden sich in den Spezialartikeln besprochen.
— Zoll: S. Tarif Nr. 254/6, und bei den be-
treffenden Artikeln.

Dessert-Weine nennt man solche, meist
ausländische, Weine, welche an Alkohol bzw.
an Alkohol und Zucker reich sind und sich
dabei durch eine besondere Feinheit des Ge-
schmacks auszeichnen. Sie zerfallen in die
eigentlichen Süßweine, wie Rheinische
Ausbruchweine, Tokayer, Sizilianische Muskat-
weine, Malaga, griechische Malvasier, welche
bei verhältnismäßig niedrigem Alkoholgehalt
viel Zucker und Extrakt aufweisen, und in
die sog. Likörweine mit hohem Alkohol-,
aber niedrigem Extraktgehalt, wie Marsala,
Sherry, Portwein und Madeira. Die ersteren
werden entweder aus den besten ausgelesenen
Beeren oder aus überreifen, teilweise ge-
schrumpften Trauben gekeltert, deren über-
aus hoher Zuckergehalt nur zum Teil ver-
goren wird. Die anderen entstehen nach den
verschiedensten Verfahren durch Spriten ein-
gedickter Moste, durch Zusatz von Alkohol zu
schwach angegorenen Mosten usf. Die D.
unterliegen mannigfachen Verfälschungen und
werden sogar aus Rosinen, eingedickten Most-
stoffen, Tamarinden und Zucker völlig nach-
gemacht. Ein strafrechtliches Einschreiten
erscheint jedoch wenig aussichtsvoll, weil die
genannten Surrogate auch in den Ursprungs-
ländern benutzt werden, und das deutsche
Weingesetz nur beschränkte Anwendung findet.
Immerhin verlangt man von einem Süßwein,
der als Medizinalwein in den Verkehr
kommt, daß er natursüß ist und keinen Zusatz
von Rohrzucker erhalten hat. — Zoll: S. Tarif
Nr. 180/1.

Dewar’sche Kolben, doppelwandige Gefäße,
deren umhüllender Hohlraum luftleer ge-
pumpt und deren Innenseite zur Verhinderung
der Wärmestrahlung mit Silber überzogen ist,
dienen zur Aufbewahrung und zum Versand
flüssiger _ Luft.

Dextrin (lat. Dextrinum, frz. und engl.
Dextrine) nennt man ein Umwandlungspro-
dukt der Stärke, welches die gleiche prozen-
tische Zusammensetzung wie diese, aber ab-
weichende chemische Eigenschaften besitzt.
Es wird in großen Mengen fabrikmäßig her-
gestellt und kommt je nach dem Grade der
Reinheit unter verschiedenen Namen, wie
Stärkegummi, Röststärke, Gommeline,
Leiogomme, Leiocome, in den Handel.
Die Umwandlung der meist als Ausgangs-
material benutzten Kartoffelstärke wird ent-
weder durch einfaches Rösten bei 200°, oder
durch Behandlung mit Malzaufguß (Diastase)
bei 65—75° oder endlich durch Erwärmen
mit verdünnten Säuren bewirkt. In letztem
Falle läßt man die Säure so lange einwirken,
bis Jodlösung keine Blaufärbung mehr hervor-
ruft, und neutralisiert den Überschuß mit
kohlensaurem Kalzium. Zur weiteren Reini-
gung wird das erlangte Produkt aus wäss-
riger Lösung mit Alkohol gefällt, und der
Niederschlag nach dem Auswaschen ge-
trocknet. D. des Handels hat nach der
Fabrikationsmethode verschiedene Eigen-
schaften und erscheint entweder in Form
eines zarten weißen bis gelblichen Pulvers
oder in Form gelblicher durchscheinender
Stücke nach Art des Gummi arabikums. Es
unterscheidet sich von der Stärke dadurch,
daß es sich in Wasser zu einer klebrigen
Flüssigkeit auflöst, welche die Ebene des
polarisierten Lichtes stark nach rechts dreht
und mit Alkohol einen zähklebrigen Nieder-
schlag liefert. In chemischer Hinsicht ist
das Handelsdextrin kein einheitlicher Kör-
per, sondern ein Gemisch verschiedener Ver-
bindungen, deren Eigenschaften teils den-
jenigen des Ausgangsmaterials, der Stärke,
teils des Endproduktes d. i. der Stärkezucker
(s. d.) nahestehen. Die ersteren färben Jod-
lösung violett, die mittleren braun, die letz-
teren gar nicht. D. wird von Hefe nicht
vergoren und findet sich daher im Biere,
auch soll es in manchen Pflanzensäften Vor-
kommen. Es wird in der Industrie als Klebe-
mittel, ferner als Appretur, als Verdickungs-
mittel für Farben und Beizen in der Zeug-
druckerei und zu zahlreichen anderen Zwecken
benutzt. — Zoll: 18 M.

Diamalt, ein zur Beschleunigung des Back-
prozesses angepriesenes Präparat österreichi-
schen Ursprungs, besteht aus dem einge-
dickten Extrakt von Grünmalz und wirkt
durch seinen Gehalt an Diastase. — Zoll:
S. Tarif Nr. 386.

Diamant (Demant, lat. Adamas, frz. Dia-
mant, engl. Diamond), der wertvollste aller
Edelsteine, besteht in chemischer Hinsicht
aus nichts als Kohlenstoff, welcher durch
besondere, nicht näher bekannte Einflüsse
in Kristallform übergeführt worden ist. Er