﻿Dotter

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Drogen

Öl ist dickflüssig, gelbbraun, vom spez. Gew.
0,950—0,970 und enthält außer einem Terpen
und Karvakrol höhere Phenole. — Zoll: Dost-
kraut zollfrei. Dostöl: 30 M.

Dotter (Leindotter, Flachsdotter,
Finkensame, Dotterlein, frz. Camöline,
engl. Gold of pleasure) ist eine auf Äckern
unter Flachs und anderen Saaten oft wild
wachsende einjährige Pflanze (Camelina sa-
tiva) aus der Familie der Kreuzblütler,
die, als Ölpflanze ziemlich häufig angebaut,
sichere und ergiebige Erträge gibt, nicht von
Insekten leidet und Kälte verträgt und daher
zeitig im Frühjahr gesät werden kann. Die
Pflanze hat einen eckigen rauhen Stengel,
lange Trauben kleiner, blaßgelber Blüten und
bimförmige Schötchen mit länglich drei-
eckigen, rötlichen Samen. Die Ernte fällt in
der Kegel in den August, die Pflanzen werden
auf Haufen getrocknet, und dann die Samen
ausgedroschen. Aus den letzteren gewinnt
man das Dotteröl, welches anfänglich etwas
bitter schmeckt, nach einiger Zeit aber durch
Abklären zu Speiseöl tauglich wird. Es hat
ein spez. Gew. von 0,9228, gibt in Lampen
für sich gebrannt eine etwas düstere Flamme,
wird aber häufig als Zusatz zu Rüböl be-
nutzt. Da es zu den trocknenden Ölen ge-
hört, gebraucht man es auch zu Firnissen.
Der Anbau des D. wird am stärksten in den
Niederlanden, aber auch in mehreren Gegen-
den Deutschlands, Belgiens, Österreichs und
der Türkei betrieben. — Zoll: Dottersamen:
5 M. Dotteröl S. Tarif Nr. 166/167.

Drachenblut (lat. Sanguis draconis, Resina
draconis, frz. Sang dragon, engl. Dragons
blood). Unter diesem Namen sind spröde,
geruch- und geschmacklose, dunkel blutrote,
gepulvert lebhaft zinnoberrot erscheinende,
harzige Massen im Handel. Man unterscheidet
hauptsächlich folgende Sorten: 1. Echtes D.
von Daemonorops Draco, aus Ostindien.
Das Harz wird teils durch freiwilliges Aus-
fließenlassen, teils durch Anritzen der Früchte
gewonnen und bildet braunschwarze, in Palm-
blätter eingeschlagene Massen, die ein dunkel-
rotes Pulver geben. 2. Kanarisches
Drachenblut von Dracaena Draco, ein
dunkelrotes Harz, welches nur noch wenig
im Handel ist. 3. Amerikanisches oder
Cartagena D. von Pterocarpus Draco
ähnelt mehr dem Kino. Außer dem D. in
Blöcken, Sanguis draconis in massis,
hat man noch eine feinere Sorte, S. d. in
bacilüs, ca. 25—30 cm lange Stangen,
die in Palmblätter eingewickelt, oben und
unten zugebunden sind. Gutes D. soll sich
in Weingeist und Äther leicht lösen und wird
als Zusatz zu Pflastern, sowie zum Färben von
Lacken und. Polituren benutzt. — Zollfrei.

Drachenquelle bei Honnef enthält in
1000 Gewichtsteilen: 2,0083 g Natriumkar-
bonat, 0,2893 g Kalziumbikarbonat, 0,9736 g
Magnesiumbikarbonat, 0,0054 g Ferrobikar-
bonat, 1,9516 g Natriumchlorid, 0,1447 g Ka-
liumsulfat, 0,3009 g Natriumsulfat, 0,0202 g
Kieselsäure und 1,8590 g freie Kohlensäure.
— Zoll: S. Mineralwässer.

Dragees (Zuckerschrot), eine Art Kon-
ditoreiware, bestehen aus mit einer Zucker-
hülle umgebenen Mandeln, Nußkernen, Anis-,
Fenchel-, Koriander- oder Kümmelsamen.
Größe und Form, sowie Zutaten von äthe-
rischen Ölen und anderen Gewürzen, Frucht-
säften usw. sind sehr mannigfaltig. Öfter wird
die Ware auch noch gefärbt. — Zoll: 70 M.

Draht (frz. Fil de metal, engl. Wire) wird
hergestellt aus den verschiedensten Metallen,
z. B. Eisen, Stahl, Gold, Silber, Kupfer, Pla-
tin, Aluminium usw. und findet eine sehr
mannigfache Verwendung sowohl in der Me-
dizin und Chemie, als auch in der Industrie
und Technik. Näheres siehe bei den be-
treffenden Artikeln, desgleichen die Zollsätze.

Drogen (Droguen, Dogeriewaren, frz.
Drogues, .engl. Drugs). Unter den Namen D.
faßt man alle diejenigen Naturprodukte zu-
sammen, welche zu medizinischen und tech-
nischen Zwecken benutzt werden und Handels-
artikel der Apotheker und Drogisten bilden.
Im Laufe der Zeit hat sich der Begriff des
Wortes D. erweitert, so daß man jetzt nicht
nur Rohprodukte dazu rechnet, sondern auch
Präparate .und Stoffe, die zu anderen als me-
dizinischen Zwecken dienen. Die Händler
mit D. führen in der Regel zugleich auch
Chemikalien (s. d.). Als Drogen im en-
geren Sinne gelten namentlich Produkte des
Pflanzenreichs, welche teils von wildwachsen-
den, teils von zu diesem Zwecke kultivierten
Pflanzen gesammelt werden. Die Einsamm-
lung muß zu einer Zeit stattfinden, zu welcher
die letzteren am reichsten an wirksamen Be-
standteilen sind, und welche für die einzelnen
Pflanzen verschieden ist. Im allgemeinen läßt
sich jedoch sagen, daß Kräuter kurz vor oder
während der Blüte, Blüten bei der Entfaltung,
Früchte und Samen im völlig ausgereiften
Zustande, Wurzeln während der Vegetations-
ruhe, Rinden am Schlüsse oder vor Beginn
derselben den größten Gehalt an wirksamen
Bestandteilen besitzen. Von diesen Regeln
gibt es aber Ausnahmen. So sind z. B. die
Lavendelblüten und die Blüten des Gewürz-
nelkenbaumes jm unaufgeblühten Zustande
aromatischer als im aufgeblühten, die unreifen
Pomeranzenfrüchte enthalten mehr Bitter-
stoff als die reifen, die Schierlingssamen sind
vor der Reife am alkaloidreichsten. Auch das
Alter der Pflanzen, die Bodenbeschaffenheit
und das Klima sind von Einfluß auf die
Menge der wirksamen Bestandteile. So ist
z. B. die Wurzel von Taraxacum auf dürftigem
Boden viel bitterer als auf fettem, aromatische
Kräuter entwickeln sich auf sonnigen Berg-
abhängen viel duftiger als im Talgrunde,
und der aus seiner asiatischen Heimat nach
Europa verpflanzte Hanf verliert hier seine
narkotischen Eigenschaften fast ganz. Einen
sehr bedeutenden Einfluß übt auf manche
Pflanzen die Kultur aus. So ist bekannt,
daß die Zichorienwurzel bei der Kultur ihre
Bitterkeit verliert, daß im Garten gezogenes
Aconitum nur noch sehr schwach giftig
wirkt, und daß im Gegenteil die China-
bäume durch die Kultur viel alkalo'idreichere

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