﻿Eau de Javelle

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Ebonit

es hauptsächlich die Öle von Pomeranzen,
Bergamotten, Zitronen, Limetten, Neroli, Ros-
marin und Lavendel, die hierzu verwendet
werden. Ohne Zweifel kommt auf das Mengen-
verhältnis dieser Zutaten viel an, um eine
Harmonie oder Verschmelzung der verschie-
denen Wohlgerüche zu einem scheinbar ein-
heitlichen hervorzubringen, doch ist nament-
lich die Qualität der Öle von großem Einfluß.
Es gibt zahlreiche Nachahmungen, welche
dem Kölnischen Wasser gleichkommen und
unter verschiedenen Namen in den Handel
gebracht werden. — Zoll: 300 M.

Eau de Javelle (Javelle’sche Lauge),
eine wäßrige Lösung von unterchlorigsaurem
Kalium und Chlorkalium, wird gewöhnlich
dargestellt durch Vermischen von Chlorkalk-
lösung mit einer Lösung von Pottasche und
Abfiltrieren des Niederschlages. Zurzeit
kommt unter diesem Namen vielfach auch die
durch Elektrolyse von Kochsalz gewonnene
Natriumverbindung in den Handel, welche
ursprünglich als Eau de Labarraque
(Chlorsoda) bezeichnet wurde. Beide fin-
den Anwendung in der chemischen Bleicherei.
— Zollfrei.

Eau de Quinine, Bezeichnung für ver-
schiedene Haarwässer, welche meist aus aro-
matisiertem Spiritus mit Zusatz schäumender
Mittel (Seifenspiritus, Saponin), Chinatinktur
und Perubalsam, oft auch ohne die letzteren
beiden Stoffeh hergestellt wird. — Zoll:
300 M.

Ebenholz (frz. Bois d’ebene, engl. Ebony).
Unter diesem Namen kommt eine größere
Anzahl fremder Holzarten im Handel vor,
die nicht einmal alle schwarz sind. Was ge-
wöhnlich unter diesem Namen verstanden
wird, ist bekanntlich ein dichtes, schweres
und schwer zu bearbeitendes, im Wasser
untersinkendes Holz von schwarzer Farbe,
das als ein geschätztes Material für die Kunst-
tischlerei, zu Drechslerwaren, Blasinstru-
menten, Klaviertasten usw. dient. Das schwarze
Holz kommt von verschiedenen Bäumen In-
diens, der ostindischen Inseln und Afrikas.
Das von Ceylon und Madagaskar eingeführte,
schwärzeste Holz stammt von Diospyrus
Ebenaster. Das von Bombay und Sumatra
liefert D. Melanoxylon, das von der afri-
kanischen Westküste D. Eben um. Das nicht
sehr starke Holz besteht nur aus dem Kern
des Stammes, während der weißliche und
weiche Splint vorher abgeschlagen wird und
nur zuweilen noch in kleinen Resten anhängt.
Es gibt indes eine schwarz und weiß
gestreifte oder marmorierte Sorte aus Ost-
indien und der Insel Bourbon von D. mon-
tana, an welcher auch der Splint hart
und brauchbar ist. Ein bräunlichgrünes
Holz, welches so fest wie das schwarze ist
und gern zu eingelegten Arbeiten gebraucht
wird, kommt aus Ostindien von Aspalathus
Ebenus. Was sonst als rotes, grünes, brau-
nes, blaues und gelbes E. aufgeführt wird,
hat wenig Bedeutung. — Zoll: S. Tarif
Nr. 79. 615 ff.

Ebereschenbeeren (Vogelbeeren, lat.
Fructus sorbi, frz. Fruits de sorbier domes-
tique, engl. Sorbe berries) sind die im Herbste
reifenden Früchte der Eberesche, eines in
Europa und Nordasien überall heimischen
Baumes mit gefiederten Blättern. Die in
Doldenrispen stehenden, erbsengroßen und
scharlachroten Früchte dienen im frischen
Zustande zur Herstellung des Succus seu Roob
Sorborum (Ebereschensaft, Ebereschen-
mus), der in der Volksmedizin verwendet wird.
Getrocknet werden die Früchte als Vogel-
futter benutzt. — Zoll: Ebereschenbeeren zoll-
frei. Ebereschenmus: 5 M.

Eberraute (Stabkraut, lat. Herba abro-
tani, frz. Feuilles d’aurore male, engl. Abro-
tane leaves), eine im Süden Europas hei-
mische, bei uns oft in Gärten anzutreffende
Beifußart (Artemisia Abrotanum), von
durchdringend aromatischem Geruch und
brennend bitterem aromatischem Geschmack,
enthält ätherisches Öl, Harz, und Gerbstoff.
Die Blätter sind haarförmig, gefiedert und
weißlichgrün, die Blüten klein und gelb. Die
belaubten Zweige und blühenden Spitzen wer-
den medizinisch als magenstärkende Mittel
verwendet. — Zollfrei.

Eberwurzel (Eberdistel, lat. Radix car-
linae, frz. Racine de carline, engl. Carline
root), die ca. 2 cm lange, bis 3 cm dicke,
oben einfache, unten ästige Wurzel von Car-
lina acaulis, einem ausdauernden, beson-
ders auf kahlen Kalkbergen wachsenden, auf-
fallenden Gewächs, das einen flach am Boden
liegenden Kranz zerschlitzter stacheliger Blät-
ter und eine einzige ohne Stengel aufsitzende
große Blume mit blauvioletten Einzelblütchen
hat. Die Blütendecke bildet einen weißen,
vielstrahligen Stern. Die getrocknete Wurzel
ist tiefgerunzelt, außen dunkelbraun, innen
heller, die Rinde zeigt auf dem Durchschnitt
große, braunrote Harzbehälter. Der Geruch
ist unangenehm aromatisch, der Geschmack
harzig, scharf und bitter. Die E. enthält
ätherisches Öl und Harz und ist als tier-
ärztliches Mittel offizinell. Verwechslungen
mit der Wurzel von Carlina vulgaris sind
leicht zu erkennen, da letztere fast geruchlos
ist. — Zollfrei.

Ebonit (Hartgummi, hornisierter
Kautschuk) ist der auf Ebenholz (engl.
Ebony) anspielende Fabrikname schwarzer
oder schwarzbrauner, glänzender, etwas ela-
stischer Massen, welche sich auf heißem
Wege zu vielerlei Gebrauchsgegenständen
formen lassen, namentlich solchen, die man
sonst aus Horn herzustellen pflegt. Die
Grundmasse ist geschwefelter (vulkanisierter)
Kautschuk mit Zusatz von Bleiweiß, Kreide,
Zinkweiß u. a. Mineralstoffen. Die Vereini-
gung der verschiedenen Bestandteile zu einer
homogenen Masse geschieht immer unter
Anwendung höherer Hitzegrade als bei der
Darstellung des gewöhnlichen vulkanisierten
Kautschuks. Die am meisten aus Hartgummi
dargestellten Artikel sind Kammwaren und
Haarschmuckgegenstände. Die ersten derar-
tigen Waren fabrizierte Goodyear in New