﻿Eis

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Eisen

gelbliches Mehl, ferner Suppengries und
Graupen und ein wertvolles Futter für Ge-
flügel, Pferde und Rindvieh, im Stroh aber
nur Streumaterial. Das E. ist ziemlich an-
spruchslos und gibt 25—40 hl unenthülste
und 10—16 hl enthülste Frucht. Der Ver-
brauch ist meist ein lokaler. — Zoll: S. Tarif
Nr. 2.

Eis (frz. Glace, engl. Ice), Wasser in fester
Form, wird zur Kühlhaltung von Speisen
und Getränken, ferner in Krankenhäusern,
Bierbrauereien, Brennereien, Paraffinfabriken
in größter Menge verbraucht und bildet einen
besonderen Handelsartikel. Während zur
technischen Verwendung das natürliche Eis
der Flüsse, Teiche und Seen hinreichend rein
ist, kann es wegen seines oft hohen Bakterien-
gehaltes zur Herstellung von Nahrungsmitteln
nicht benutzt werden. Vielmehr wird das hier-
für erforderliche E. auf künstlichem Wege
meist aus destilliertem Wasser bereitet, und
zwar mit Hilfe besonderer Eismaschinen,
deren Wirkung auf der schnellen Verdunstung
verflüssigter Gase, Ammoniak, Kohlensäure,
schweflige Säure beruht. — Rohes E. zollfrei.

Eisen (lat. Ferrum, frz. Fer, engl. Iron) ist
seit Jahrhunderten für den Menschen das
wichtigste, wenn auch nicht teuerste der
Metalle. „Werde zu Eisen, wenn ich dich
beachten soll“, sagt Robinson zu dem auf
seiner einsamen Insel gefundenen Goldklum-
pen. Man hat die Urzeit der Menschheit in
drei Epochen einteilen wollen: Steinzeit,
Bronzezeit, Eisenzeit, und den Beginn der
letzten Periode, wenigstens für Südeuropa,
etwa in das 10. Jahrhundert vor Christi Ge-
burt angesetzt. Das älteste bisher gefundene
Stück Eisen, das der Engländer Hill in einer
Fuge der Cheops-Pyramide 1837 entdeckte,
ein Bruchstück eines größeren Werkzeuges,
soll jedoch ein Alter von fast 5000 Jahren
besitzen, aus den Gesängen der Rigveda geht
ferner hervor, daß die Arier schon zur Zeit,
da sie noch das Pandschab bewohnten, Waffen
(„Donnerkeil“ und Speer) aus Eisen führten,
und bei den meisten asiatischen Völker-
schaften ist die Kenntnis des Eisens bis in
die frühesten Zeiten erwiesen, so daß der
obigen Geschichtseinteilung jedenfalls keine
allgemeine Bedeutung für alle Völkerschaften
zukommt. In der Natur findet sich gediegenes
Eisen nur äußerst selten und spärlich vor, so
z. B. in kleinen Körnern im Platinsande Süd-
sibiriens, ebenfalls in kleinen Körnern einge-
sprengt in einzelnen Basalten (Bärenstein im
Erzgebirge, Island, Grönland) und in etwas
zusammenhängenderen Massen in Kanada.
Ferner ist hier und da ein einzelner Klumpen
gefunden worden, dessen Entstehen aus einem
Metallerze vielleicht durch Waldbrand oder
sonstiges Feuer bedingt war. Außerdem aber
kommen noch über die ganze Welt zerstreut
Einzelfunde von Eisen kosmischen Ursprungs
vor. Die Meteoriten enthalten das Eisen teils
als selbständigen Bestandteil, teils einge-
sprengt in anderes Gestein. Das kosmische
Eisen ist stets durch einen Gehalt an Nickel,
auch wohl an Chrom und Kobalt charak-

terisiert. — Verbindungen des Eisens sind
äußerst häufig und zum Teil zu gewaltigen
Massen aufgehäuft. So besteht der sich 870 m
über der Talsohle erhebende Erzberg bei
Eisenerz in Steiermark fast ganz aus Eisen-
spat. Fast nirgends fehlt Eisen völlig.
Nahezu alle Tiere, Pflanzen und Mineralien
enthalten Eisen, wenn manchmal auch in
recht geringer Menge. Unter „Eisenerz“'
versteht man nur diejenigen mineralischen
Vorkommnisse von Eisenverbindungen, welche
bei der Eisenerzeugung eine Rolle spielen,
nur von ihnen seien hier die wichtigsten an-
geführt. In erster Linie treten die Sauer-
stoff Verbindungen des Eisens hervor. Mag-
neteisenstein, ein Eisenoxydoxydul, kommt
ziemlich rein in Schweden vor und liefert
das beste Eisen (Schwedisches Eisen). Hä-
matit, Eisenoxyd, kommt als Eisenglanz
und als Roteisenstein vor. Hauptfundort
für ersteren ist Schweden, Lappland und die
Insel Elba, während der Roteisenstein mit
den Varietäten roter Glaskopf und — bei
höherem Gehalt an Ton — toniger Rot-
eisenstein, sich in Deutschland, Frankreich
und England vorfindet. Brauneisenstein
ist Eisenhydroxyd, Bohnerz ein toniger
Brauneisenstein, welcher sich am Harz, in
Süddeutschland, in der Schweiz und in Süd-
frankreich vorfindet. Raseneisenerz be-
steht ebenfalls aus Eisenhydroxyd, enthält
jedoch Manganoxyd, Phosphorsäure, Kiesel-
säure und organische Reste. Es entsteht
noch jetzt an moorigen Stellen aus Pflanzen-
resten, und das aus ihm hergestellte Eisen ist
infolge des Phosphorgehaltes „kaltbrüchig“.
— Zu diesen wertvollen Sauerstoffverbindun-
gen tritt als wichtigstes Eisensalz das kohlen-
saure Eisenoxydul in seinen Varietäten Eisen-
spat und Sphärosiderit. Hierher gehört
auch der tonige Eisenstein und der
Kohleneisenstein, welche für England
die wichtigsten Erze bilden und fast 90°/»
seiner gesamten Eisenproduktion ergeben.
Die Schwefelverbindungen des Eisens werden
nicht direkt zur Eisengewinnung verwandt,
sondern dienen zunächst der Schwefelsäure-
fabrikation, und erst die dabei erhaltenen
Abbrände werden auf Eisen verarbeitet. —
Das Ziel der Eisenproduktion bleibt stets ein
mehr oder weniger kohlenstoffhaltiges Eisen,
da das reine Metall für die Technik ohne
Wert ist. Reines Eisen ist nur verhältnis-
mäßig schwer zu erlangen und bedarf zu
seiner Herstellung umständlicher Reinigungs-
verfahren. Reduziert man reines Eisenoxyd
oder oxalsaures Eisen mittels Wasserstoff
unter Erhitzen, so erhält man, wenn die Tem-
peratur unter Rotglut gehalten wurde, ein
schwarzes Pulver, das beim starken Erhitzen
an der Luft unter lebhafter Feuererscheinung
verbrennt („pyrophosphorisches Eisen");
findet die Reduktion bei höherer Temperatur
statt, so wird das E. in kompaktem Zustande
gewonnen, ebenso wenn man Schmiedeeisen
mit Eisenoxyd im Gebläse geglüht. Bei die-
sem Prozesse wird der geringe Kohlenstoff-
gehalt des Schmiedeeisens dazu verwendet,