﻿Eisen

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Eisen

Beschreibung der Eisen Sorten. — Selbst-
redend können an dieser Stelle nicht alle die
einzelnen im Handel vorkommenden Eisen-
sorten. welche je nach der Art der Herstellung
oder der Verwendung verschiedene Namen
führen, verzeichnet werden. Vielmehr sei hier
nur eine Charakteristik der Hauptsorten ge-
geben. Roheisen, leicht schmelzbar und nicht
schmiedbar, wird nach seiner Farbe in graues
und weißes Roheisen eingeteilt. Chemisch
unterscheiden sich beide Sorten dadurch, daß
bei der erstgenannten der Kohlenstoff zumeist
graphitartig abgeschieden, bei der anderen
aber chemisch gebunden ist. — Graues Roh-
eisen. Da Silizium die graphitartige Ab-
scheidung befördert, so wird mit zunehmen-
dem Siliziumgehalt die Färbung immer
dunkler. Lichtgraueisen enthält 0,5 %,
Graueisen bis 3 °/o, Schwarzeisen bis
5°/o Silizium. E. mit höherem Gehalte wird
Ferrosilizium genannt. Graues Roheisen
erscheint stets mehr oder weniger grob-
körnig oder auch bei dunkleren Sorten klein-
blätterig oder schuppig, aber nie faserig oder
strahlig. Es ist weich und läßt sich mit den
gewöhnlichen Schneidewerkzeugen leicht be-
arbeiten. — Weißes Roheisen. Da Man-
gan die graphitartige Abscheidung des
Kohlenstoffes hemmt, so ist alles stärker
manganhaltige Roheisen hell. Bei der im
vorstehenden hervorgehobenen Bedeutung
des Mangans für die Herstellung von
Schmiedeeisen und Stahl, ist die Einteilung
des weißen Roheisens nach dem Mangan-
gehalte gerechtfertigt: Weißkorn hat bis
l,5°/o, Weißstrahl bis 4,5°/o, Spiegel-
eisen bis 20%, Ferromangan über 20°/o.
Der Bruch zeigt feinkörniges, strahliges oder
großblätteriges Gefüge, letzteres besonders
bei dem Spiegeleisen, das den Namen von
den großen spiegelnden Flächen erhalten hat.
Das weiße Roheisen ist in jedem Falle be-
deutend härter als das graue, einzelne Sorten
lassen sich mit der Feile gar nicht mehr be-
arbeiten. Das graue Roheisen kommt immer
in Form von Gängen, das weiße auch als Flos-
sen oder als Masseln in den Handel. — Hal-
biertes Roheisen heißt ein Gemenge von
grauem und weißem Roheisen. Man bezeichnet
dasselbe als schwach halbiert, wenn das graue,
als stark halbiert, wenn das weiße vorwaltet.
~ Zu Gußwaren wird meist das graue Roh-
eisen benutzt, denn das weiße erstarrt beim
Erkalten mit stumpfen Ecken und konkaver
Oberfläche, während das dünnflüssigere graue
die Formen mit großer Genauigkeit ausfüllt
und ebene Flächen als solche wiedergibt.
Hierzu kommt dann noch die erwähnte weit
leichtere Bearbeitbarkeit. — Welche von
htv-en .^■'sensorten im Hochofen entsteht, ist
abhängig vom Silizium- und Mangangehalt,
aber auch, wenigstens zum Teil, von der Tem-
peratur des .Hochofens und der Art der Ab-
kühlung Silizium- und manganarmes Roh-
eisen läßt sich in beiden Formen gewinnen,
da sich bei rascher Abkühlung alsdann
die weiße Sorte bildet, während bei lang-
samer Abkühlung die Kohle Zeit findet, sich

Merck’s Warenlexikon. S. Aufl.

graphitartig auszuschneiden. Schmilzt man
siliziumreicheres Roheisen, so bildet sich
lediglich eine Kruste von glashartem weißen
Roheisen, die, bei guter Ausführung, all-
mählich strahlig in das die Form ausfüllende
graue Roheisen übergeht. Diese Eigentüm-
lichkeit hat zuerst das Grusonwerk zu Buckau
technisch zum „Hartguß“ (Schalenguß,
Kapselguß) verwendet, indem es das ge-
schmolzene Roheisen in metallene Formen
goß, welche das Eisen außen schnell erstarren
lassen. Auf diese Art werden Walzen, Reifen
für Eisenbahnräder, Schienenkreuzungen, Ge-
schosse für Artillerie usf. hergestellt. Bei
solchen Waren, die nur zum Teil mit harter
Oberfläche versehen sein sollen, z. B. Walzen,
an denen die Zapfen bearbeitbar bleiben
müssen, wird die Form entsprechend aus
Metall und anderem Material (z. B. Lehm)
zusammengesetzt. — An dieser Stelle sei
auch die Umwandlung gußeiserner Waren
in schmiedeeiserne durch Glühen mit oxy-
dierenden Stoffen erwähnt. Werden aus ge-
eignetem Roheisen hergestellte Gußwaren
mit Sauerstoff abgebenden Stoffen anhaltend
geglüht, so erstreckt sich die Oxydation von
den Berührungsflächen ausgehend nach und
nach bis ins Innere der Metallstücke und geht
bis zur fast vollständigen Entkohlung. Ver-
wendung findet weißes Roheisen, dessen Si-
lizium- wie auch Mangangehalt 0.6% nicht
überschreitet und dessen Kohlenstoffgehalt
etwa 3—3,5% betragen darf. Als Oxydations-
mittel findet meist gepulverter Roteisenstein
Verwendung (Glühfrischen). Schmiedbares
Gußeisen kann nur dann mit Schmiedeeisen
konkurrieren, wenn die Kosten der Form-
gebung für das Schmiedeeisen im Verhältnis
zu seinem Gewicht einigermaßen hoch sein
würden, so einerseits für komplizierte Formen,
anderseits für kleinere Stücke von geringer
Dicke (Schloßteile, Gewehr- und Nähmaschi-
nenteile, Schlüssel, Kettenglieder und zahl-
reiche kleine Maschinenteile). Manche dieser
Massenartikel erfahren keine weitere Be-
handlung, viele nur durch Schleifen und
Polieren. Das schmiedbare Gußeisen nimmt
infolge seiner feinkörnigen Struktur eine
bessere Politur an als das Schmiedeeisen.
Eine Abart dieses Verfahrens ist der Tem-
perguß (im engeren Sinne). Bei diesem
wird Roheisen mit Stahlabfällen zusammen-
geschmolzen, und das sich dabei bildende
weiße Roheisen dann in Formen gegossen.
Die weitere Behandlung ist die gleiche wie
oben. — Schweißschmiedeeisen, im ge-
wöhnlichen Verkehr meist Stabeisen oder
Schmiedeeisen genannt, ist das Produkt
des Frisch- und Puddelprozesses. Die ge-
wonnenen Luppen erhalten unter dem Ham-
mer oder Walzen Stabform und führen nun
die Bezeichnung Rohschienen. Diese bil-
den ein Halbfabrikat, welches auch im Han-
del vorkommt. Die Rohschienen werden
durch ein- oder mehrmaliges Umschweißen
und Ausrecken unter, dem Hammer oder
Walzen raffiniert und liefern das Stabeisen.
Gutes Schweißschmiedeeisen soll auf dem

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