﻿Eisen

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Eisen

frischen Bruche bei weißer Farbe schwachen
und bei lichtgrauer Farbe starken Glanz und
ferner hakiges oder sehniges Gefüge zeigen.
Die einzige Ausnahme macht das Feinkorn-
eisen, ein hochkohliges, stahlartiges Schweiß-
eisen mit feinkörnigem, nie sehnigem Bruch
und größerer Härte als gewöhnliches Schweiß-
eisen, welches sich auch schwach härten läßt.
Das Feinkorneisen wird seiner großen Wider-
standsfähigkeit wegen sehr geschätzt und viel
verwendet (Köpfe von Eisenbahnschienen
usw.). Namentlich dient es auch zur Her-
stellung des Zementstahles in Steiermark und
England, von denen letzteres aus Schweden
Danemoraeisen in großen Massen bezieht.
Das gewöhnliche Schmiedeeisen ist weich und
besitzt einen ziemlichen Grad von Dehnbarkeit,
so daß man es kalt überschmieden und zu
Draht ziehen kann. Dabei nimmt es aller-
dings an Härte und Dichtigkeit zu und an
Dehnbarkeit ab. Bei fortgesetzter Bearbei-
tung wird es sogar brüchig, kann aber durch
Ausglühen sofort wieder in den natürlichen
Zustand übergeführt werden. In rotglühendem
Zustande läßt sich Schweißeisen vorzüglich
schmieden, im weißglühenden schweißen und
infolge des teigartigen Zustandes selbst in
komplizierte Formen pressen (Herstellung
von Eisenbahnwagenrädern, Kolben, Kurbeln,
Schraubenschlüsseln usw. durch Preßschmie-
den). Die guten Eigenschaften des Schweiß-
eisens werden häufig durch fremde Beimen-
gungen stark beeinträchtigt. — Verbrannt
oder überhitzt ist durch wiederholtes starkes
Glühen mürbe gewordenes E. Es läßt sich
durch Glühen unter Luftabschluß wieder ge-
brauchsfähig machen. Das verbrannte E.
zeigt blätteriges, schuppiges Gefüge und
starken Glanz. — Qualitätsprüfung des
Stabeisens: Einen recht guten, wenn auch
nicht untrüglichen Anhalt gibt, das Aussehen
des Bruches. Außerdem läßt schon das
äußere Aussehen einen Schluß zu. Gutes
Stabeisen muß reine glatte Oberfläche und
scharfe Kanten zeigen und darf weder Kan-
ten-, Quer- noch Längsrisse besitzen. Große
Glätte, Glanz und blauschwarze Farbe der
Oberfläche zeigen auf nassem Amboß über-
schmiedete Stäbe, welche infolge dieser Be-
arbeitung etwas spröde sind. Leicht auszu-
führen sind auch folgende Proben: Man wirft
den Stab aus großer Höhe auf eine harte
Unterlage (Wurfprobe), oder läßt auf den
frei an den Enden aufliegenden Stab ein
Gewicht fallen (Schlagprobe). Bricht der
Stab hierbei nicht, so ist das Eisen nicht
kaltbrüchig. Man spannt den Stab in einen
kräftigen Schraubstock ein, faßt das heraus-
ragende Ende mit einem langen Hebel, so
daß zwischen diesem und dem Amboßmaul
etwa 10 cm Stab freibleiben, und biegt dieses
Stück zunächst um 90° nach der einen, dann
um 180° nach der anderen Seite und nun
so fort bis zum Bruch. Hartes E. knistert
und zittert dabei und bricht bald; weiches
läßt sich geräuschlos der Biegprobe unter-
werfen und hält bei gutem Materiale wohl
12—15, ja zuweilen poch mehr Biegungen

aus. Bricht der Stab bei dem ersten Zurück-
biegen, so ist da,s Material ganz schlecht.
Dicke Stäbe brechen früher als dünne aus
gleichem Material. Der Bruch erscheint nach
der Biegprobe in der Regel sehnig und mehr
oder weniger verquetscht und verrieben.
Einen reinen Bruch kann man nur dadurch
erhalten, daß man die Stange vorher einhaut
oder einfeilt und dann kurz abbiegt. Endlich
ist noch die Schmiede- oder heiße Probe zu
erwähnen, wodurch man Aufschluß darüber
erhält, ob das E. rotbrüchig ist. Der Stab
wird rotglühend flach ausgeschmiedet, scharf
umgebogen, gedreht oder besser gelocht und
darf dabei keine Risse erhalten. — Handels-
sorten des Schweißschmiedeeisens.
Unter Stabeisen versteht man in der Regel
nur die Sorten mit flach rechteckigem Quer-
schnitt (Flach eisen), mit quadratischem
Querschnitt (Quadrat- oder Vierkant-
eisen) und kreisrundem Querschnitt (Rund-
eisen). Bandeisen ist Flacheisen mit im
Verhältnis zur Dicke großer Breite; Nagel-
eisen (zur Nagelfabrikation), kleines Vier-
kanteisen; Knoppereisen, geschmiedetes
Vierkanteisen, welches deutlich die Eindrücke
der Hammer- und Amboßbahn zeigt; Mut-
tereisen mit sechs- oder achtkantigem Quer-
schnitt. Alle anderen Eisensorten werden als
Fassoneisen bezeichnet. Hierher gehören:
Winkeleisen [_, T-Eisen T, Doppel-T-Eisen I,
C-Eisen C, L-Eisen, Kreuzeisen -j-, Fenster-,
Geländereisen usw.; dann die Eisenbahn-
schienen in den verschiedensten Profilen. Die
erstgenannten Fassoneisen finden ausgedehnte
Verwendung im Maschinen-, Schiff- und
Brückenbau; neuerdings auch das ZE-Eisen
mehr beim Hochbau zu Trägern an Stelle
hölzerner Unterzüge und steinerner Wöl-
bungen. Das Fassoneisen wird ausschließlich,
das Stabeisen zum weitaus größten Teile
durch Walzen hergestellt, und zwar die
schweren Sorten im Grobwalzwerk, die fei-
neren im Feineisen- und Schnellwalzwerk. —
Im Kleinhandel wird das Stab- und Fasson-
eisen in Stangen oder Bunden nach Gewicht
verkauft, im Großhandel per 100 kg oder
per Tonne zu 1000 kg. — Schweißstahl
ist das Produkt des Frisch- und Puddel-
prozesses und der durch Gärben raffinierte
Zementstahl. Guter Frisch- und Puddelstahl
muß auf dem Bruche feinkörnig und matt
erscheinen. Das Korn wird bei dem Härten
auffallend feiner. Beide Stahlsorten sind
immer gut schweißbar und nehmen beim
Härten große Härte und Sprödigkeit an.
Der rohe Stahl kommt in geschmiedeten
quadratischen Stangen unter dem Namen
Rohstahl oder Mock in den Handel. Die
Stangen werden nach dem Aussehen des
Bruches sortiert. Um das Brechen leichter
zu haben, wirft man die Stäbe noch glühend
ins Wasser, wodurch der Stahl glashart wird.
Dabei entstehen Querrisse, welche Wasser
eindringen lassen. Die Bruchfläche überzieht
sich infolgedessen mit farbigen, konzentrischen
Ringen (Rosen und Rosenstahl). Die
Rosen sind Merkmal für harten, gefrischten