﻿Eisen

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Eisenazetat

und noch nicht raffinierten Stahl. Auch bei
Puddel- und Frischstahl treten Faulbruch,
Kaltbruch usw. auf, doch mit Ausnahme des
Rohbruches recht selten. Das häufigere Auf-
treten des letzteren beruht auf der Herstel-
lung im Herd- und Puddelofen, wobei die
Entkohlung nur schwer völlig gleichmäßig
bewirkt werden kann und der Stahl leicht
noch sehr hochkohlige, dem Roheisen nahe-
stehende Teile enthält. Die Qualitätsbestim-
ntung ist bei Stahl viel schwieriger als bei
Schmiedeeisen. Schlag- und Biegprobe sind
nur bei den weichsten Marken anwendbar;
der Bruch läßt keinen sicheren Schluß auf
die natürliche Härte, die Härtefähigkeit und
das Verhalten im Feuer zu (leichtes oder
schweres Verbrennen). Nur ausgedehntere
Versuche über Verarbeitungsfähigkeit, Härte-
fähigkeit und Festigkeitsversuche können bei
Stahl eine sichere Qualitätsbestimmung her-
beiführen. Der gegärbte Zementstahl eignet
sich seiner verhältnismäßig großen Weich-
heit und Geschmeidigkeit wegen vorzüglich
zu Sensen, Sicheln, Säbel- und Degenklingen
usw. (Steiermärker Sensen usw.). Ungegärbter
Stahl kann nur zu ganz ordinären Gegen-
ständen verwendet werden, da er zu porös
ist. — Flußeisen ist durch den Bessemer-
prozeß ohne oder mit Zuhilfenahme des
Thomas - Gilchristschen Entphosphorungsver-
fahrens entstanden. Dasselbe kommt in den
Handel als rohe gegossene, stumpf pyrami-
dale Blöcke (Ingots), als Stab- oder Fasson-
eisen, oder als Blech. Die Ingots zeigen
blätterigen oder stark grobkörnigen Bruch,
die daraus durch Schmieden oder Walzen
erzeugten Sorten ein sehr gleichmäßiges fein-
körniges Gefüge mit mattem Glanz und etwas
lichterer Farbe als Stahl. Gutes Flußeisen
ist sehr zähe und fest, die Zerreißfestigkeit
liegt um 25—50 °/o höher als bei gutem
Schweißeisen, auch läßt es sich sehr gut
schmieden und schweißen, aber nicht härten.
Früher ging das Flußschmiedeeisen unter
der Bezeichnung Bessemerstahl, und nur die
angefügte Nummer ließ erkennen, daß man
es mit einem weit entkohlten und deshalb
nicht mehr härtbaren Produkte des Bessemer-
prozesses zu tun hatte. — Flußstahl. Hier-
her gehören der Bessemerstahl, der Martin-
stahl und der Gußstahl oder Tiegelgußstahl.
Roher Flußstahl in Form von Ingots ist
selten Handelsartikel. Er wird durch Schmie-
den oder Walzen verdichtet und in die Han-
delsformen gebracht. Der in großen Massen
zu erzielende Bessemerstahl, worunter alle
härtbaren Produkte des Bessemerprozesses
zu verstehen sind, und Martinstahl werden
hauptsächlich zu Eisenbahnschienen, Trägern,
Achsen, zu Blech und Panzerplatten, in den
härteren Marken auch zu ordinären Werk-
zcugen, der Martinstahl auch vorwiegend
zu Fassonguß verwendet. Bessemerstahl ist
schwerer schweißbar' als andere Stahlsorten
uiit gleichem Kohlenstoffgehalt, was wohl in
dem Vorhandensein eines größeren Prozent-
satzes an Verunreinigungen begründet sein
mag. Der Tiegelgußstahl steht in der

Qualität bedeutend höher als die genannten
Sorten. Der Bruch ist weit feinkörniger, von
dunklerer Farbe und mattem samtartigen
Glanz. Durch mehrmaliges Umschmelzen er-
hält der Gußstahl größere Güte. Auch hat
man versucht, durch besondere Zusätze von
Mangan, Wolfram, Nickel, Silber, Platin die
Qualität zu erhöhen oder für besondere
Zwecke bestimmte Eigenschaften zu erzielen.
— Mushet- oder Wolframstahl ist sehr
dicht und gleichförmig und besitzt eine so
große natürliche Härte, daß ein Härten nicht
nötig ist. Silberstahl enthält nach den
Untersuchungsresultaten kein Silber, sondern
ist nur eine Gußstahlsorte vorzüglicher Quali-
tät. Der Gußstahl findet Verwendung zu
allen besseren und den feinsten Werkzeugen,
chirurg. Instrumenten usw., zu Geschützen,
Walzen. Zur Qualitätsbestimmung dient bei
Gußstahl das Aussehen des Bruches in Ver-
bindung mit Schmiede- und Härteproben.
Gußstahl läßt sich mit Schweißeisen zu-
sammenschweißen, doch wachsen die Schwie-
rigkeiten mit zunehmendem Kohlenstoffge-
halt. Hochkohliger Gußstahl wird häufig als
unschweißbar bezeichnet. — Von besonderen

Stahlsorten seien noch erwähnt: Wootz, eine
aus Indien stammende, angeblich durch Zu-
sammenschmelzen von Schmiedeeisen und
Kohlen entstandene Sorte, welche große
Härte annimmt und vorzüglich zu feinen
Schneidwaren geeignet ist. Damast stahl,
Damaszenerstahl. Der Name rührt von
der Stadt Damaskus in Syrien her und be-
deutet entweder einen dem Wootz ähnlichen
Stahl oder, in der Regel, eine durch Zu-
sammenschweißen von Schmiedeeisen und
Stahl entstehende Stahlsorte, welche sich
durch ungemeine Zähigkeit auszeichnet und
auf geätzten Flächen die nebeneinander lie-
genden Stahl- und Schmiedeeisenteile deut-
lich in bestimmten Zeichnungen hervortreten
läßt. Die Zeichnung entsteht auf folgende
Weise: Eine Anzahl dünner Stahl- und
Schmiedeeisenstäbe werden zu einem Bündel
vereinigt, zusammengeschweißt und zu einem
längeren Stabe ausgereckt, den man in drei
oder vier gleich lange Teile zerhaut. Diese
verarbeitet man in derselben Weise. Nach
ein- oder mehrmaliger Wiederholung ist ein
Stab entstanden, welcher aus lauter feinen
Stahl- und Eisensehnen zusammengesetzt er-
scheint. Macht man diesen rotwarm, dreht
ihn korkzieherartig zusammen und schmiedet
ihn dann flach aus, so entsteht der beim
Ätzen sichtbar werdende, krummlinige V er-
lauf der einzelnen Sehnen. Auf ähnlichen
Wegen lassen sich leicht veränderte Zeich-
nungen hervorbringen. Der Damaszenerstahl
findet Verwendung zu Degen-, Säbel-, Dolch-
klingen und Gewehrläufen. Vielfach wird
die Zeichnung lediglich durch Ätzen von
Stahl hervorgebracht. — Zoll: Eisen und
Eisenlegierungen, sowie Waren daraus, siehe
Tarif Nr. 777/842. Eisenabfälle, Eisenblech-
kanten, Eisenfeilspäne Nr. 843.

Eisenazetat (Essigsaures Eisen, Ferri-
azetat, lat. Ferrum aceticum, frz. Acetate