﻿Elemiöl

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Elfenbein

E.	Zu dem ersteren gehört das Brasili-
anische (Rio-) E. von Protium hepta-
phyllum, eine anfangs blaßgelbliche, weiche
und klebrige, dem Fichtenharz ähnliche
Masse, welche später härter und graugelb
wird und auf dem Bruche matt, wachsartig
erscheint; ferner das Mexikanische E. von
Amyris elemifera, ein hartes graugelbes
Harz, welches an der Luft milchweiß, fast
mehlig wird; Westindisches (Yucatan-)E.
von Amyris Plumieri, hellgelbe harte
Stücke von bestäubter Oberfläche, aber glän-
zendem Bruch; Guyana E. von Icica viri-
diflora und Mauritius E., ein weichesHarz
von Colophonia Mauritiana. Zu den
orientalischen Sorten zählt das sog. Ostin-
dische E., ein hartes, von Canarium stam-
mendes Harz, welches in Form rundlicher,
handgroßer Kuchen, von Schilf oder Palm-
blättern umhüllt zum Verkauf gelangt; das
Bengalische E. von Amyris Agallocha
und vor allem das Manila oder Philippi-
nische E. Diese wichtigste Handelssorte
wird durch Einritzen der Stämme von Ca-
narium commune gewonnen und stellt
eine anfangs terpentinähnliche, zähe Masse
von gelblich-weißer Farbe dar, welche viel-
fach Pflanzen- und Kohlenteilchen umschließt
und mit der Zeit fester und dunkler gelblich
bis braun wird. Neuerdings kommen auch

E.-Sorten aus Afrika (Kamerun) und Neu-
Guinea zur Einfuhr. E. enthält neben
wechselnden Mengen (10—30 o/o) ätherisches
öl (Elemiöl), zirka 30°/o eines kristallisierten
Terpenalkohols Amyrin, welcher dem Chole-
sterin nahe steht, ferner eine kristallisierbare
Säure Elemisäure, Bryodin, Bitterstoffe
und amorphe Harze (Resene). Das Bryodin
zeigt die charakteristische Reaktion, durch
trocknes Salzsäuregas erst rot, dann blau und
grün zu werden. E. kommt je nach der
Herkunft in Form runder Kuchen oder ge-
gossener Stangen oder kistenweise in losen
Stücken zum Verkauf. Es unterliegt mannig-
fachen Verfälschungen und soll sogar aus
parfümiertem Fichtenharz gänzlich nachge-
macht werden. Das E. dient in der Pharmazie
zur Bereitung von Salben und Pflastern, in
der Hutmacherei zum Steifen und wird zur
Herstellung von Spiritusfirnissen, welche
nicht ganz farblos zu sein brauchen, anstelle
des Terpentinöls verwendet, da es Glanz und
Geschmeidigkeit gibt, ohne wie jenes Risse
zu erzeugen oder den Firnis klebrig zu ma-
chen. —- Zollfrei.

Elemiöl (lat. Oleum elemi, frz. Essence
ö’ölömi, engl. Elemi oil), das durch De-
stillation zu 20—30% aus dem Manila-Elemi
'^gestellte ätherische öl, ist farblos, leicht in
Alkohol löslich und besitzt deutlichen Geruch

ch Fenchel, Dill und Mazis. Das spez.
rf-w- «egt bei 0,870—0,910, der Siedepunkt
i 440 w176°’	sPez- Drehung beträgt

T , p' V',n den Einzelbestandteilen sind bis
r> \ f “Flandren, Dipenten und einige
r<cirteuP-ene is°liert worden. — Zoll: 30 M.

Elfenbein (Elefantenzähne, lat. Ebur,
trz. fvoire, engl. Ivory). Diese seit dem höch-

sten Altertum geschätzte und zu Kunstwerken
und Geräten verarbeitete Masse besteht aus
den Stoßzähnen des Elefanten, sowohl des
in Afrika als des in Asien lebenden, und zwar
vom männlichen Tiere, wiewohl auch das
weibliche in Afrika, nicht in Asien, ein paar
kürzere nutzbare Zähne ansetzt. Auch die
wuchtigen Backzähne sind verwendbar und
bilden einen, doch mehr nebensächlichen
Handelsartikel. Das meiste E. kommt von
Afrika, das auch die größten Zähne liefert.
Die afrikanischen Zähne sind härter und von
gedrungnerem Korn als die indischen, aber
öfter rissig, die letztem dafür mehr gekrümmt.
Das beste asiatische E. kommt von Sumatra,
außerdem aus Siam, Arrakan, Kotschinchina,
vom ostindischen Festland und verschiedenen
Inseln. In bezug auf die Höhe der Ausfuhr
steht aber Afrika obenan. An den meisten
afrikanischen Küstenplätzen kann E. gelegent-
lich eingehandelt werden, und vor allem der
Kongostaat und die Länder südlich von Ägyp-
ten bis nach Sansibar, dem Hauptausfuhr-
platz für E., liefern beständig große Mengen.
In Europa war bisher London der Haupt-
markt für E. Doch machen neuerdings Ham-
burg und Antwerpen, wo die Auktionen der
Kongoware veranstaltet werden, erhebliche
Konkurrenz. Man sortiert und verhandelt die
Zähne nach der Größe und bewertet die
größten natürlich am höchsten. Außerdem
wird der Preis auch noch dadurch beeinflußt,
ob die Zähne schwach oder stark gekrümmt,
ob sie rissig, frisch oder alt sind, und ob
die Höhlung sich vom Wurzelende mehr oder
weniger tief in das Innere fortsetzt. Mit zu-
nehmendem Alter füllt sich die Höhlung
immer mehr mit Zahnmasse an. Völlig aus-
gewachsene afrikanische Zähne sind 15 bis
18 dm lang und gegen 50 kg schwer. Stücke
von 20—24 dm Länge und 75—85 kg Ge-
wicht kommen selten vor. Die asiatischen
Zähne werden nicht über 9—12 dm lang und
25—30 kg schwer. Das E. hat eine gelbliche
Färbung, die mit der Zeit intensiver wird,
durch Bleichen zwar aufgehellt werden kann,
aber meist wieder nachdunkelt. Infolge einer
eigentümlichen maschigen Struktur lassen
Querschnitte eine rautenförmige Zeichnung
erkennen. In chemischer Hinsicht besteht
das E., wie die Knochen aus phosphorsaurem
und etwas kohlensaurem Kalk neben Knorpel-
substanz, und wird, wie auch die Knochen
von Drechslern, Kammachern, Pianoforte-
fabrikanten und Schnitzern zur Herstellung
zahlreicher Gebrauchs- und Kunstgegenstände
verarbeitet. Besonders in Nürnberg und
Fürth, in Gaislingen bei Ulm, im bayrischen
Hochlande, in Wien, bei Dieppe, in China
und Japan steht die Elfenbeinschnitzerei in
hoher Blüte. — Auch die kleinen Abfalle
von der Elfenbeinverarbeitung werden noch
nutzbar gemacht. Geraspeltes E. wird von
Nürnberg als Streusand in den Handel ge-
bracht, fein gemahlenes als Füllmasse für Ar-
beiten’aus Zelluloid (s. d.), namentlich für
künstliche Billardbälle benutzt. — Früher wur-
den die Abfälle von E. gebrannt, und zwar