﻿Elfenbeinnüsse

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Engelsüß wurzel

sowohl schwarz als weiß. Das Schwarzbren-
nen geschah in geschlossenen Gefäßen, wobei
das Beinschwarz (Ebur ustum nigrum) ent-
stand. Erst später ist die Bezeichnung ge-
branntes E. auf alles Schwarz, das aus
Knochen, Hirschhorn gebrannt wird, über-
tragen worden. Für weißes gebranntes E.
wurde die Masse in offenen Gefäßen verglüht.
Dabei brennen die Knorpelbestandteile weg
und nur die Kalkmasse bleibt übrig, die fein
gemahlen zum Putzen feiner Metalle, zur Her-
stellung von sog. Beinglas usw. verwendet
wurde. — Als künstliches E. sind zahl-
reiche Kunstprodukte in den Handel ge-
kommen, welche zwar Farbe und Aussehen
der natürlichen Masse mehr oder weniger
gut nachahmen, sonst aber wenig von deren
Eigenschaften, am wenigsten ihre Elasti-
zität besitzen. Meist bestehen sie aus
Gemischen von Eiweiß, Gelatine, Guttapercha
mit Zusatz mineralischer Substanzen. Das
beste Ersatzmittel für E. ist das Zelluloid. —
Von andern Tierarten liefert noch das aus-
gestorbene Mammut Zähne, welche dem E.
völlig gleichartig sind, und in Sibirien beson-
ders auf der Insel Liakon seit Jahrhunderten
in Ungeheuern Mengen gewonnen werden.
Auch die spannenlangen Vorder- und Eck-
zähne des Nilpferds (Hippopotamus am-
phibius), welche noch feiner und härter als
das E. sind und nicht gelb werden, finden
an Stelle des Elfenbeins vielfach Anwendung.
Da sie aber bis weithinein hohl sind, können
sie nur zur Herstellung kleinerer Gegen-
stände benutzt werden. Sie liefern aber gutes
Material für künstliche Gebisse. Wallroß-
zähne besitzen eine sehr feste und feine
Struktur und finden als Stockgriffe Verwen-
dung. Hingegen ist der Stoßzahn des Nar-
wals weniger fest und schön als E. und
daher nur zu geringeren Drechslerarbeiten
zu verwenden. — Zoll: S. Tarif Nr. 601/2
und 702/3.

Elfenbeinnüsse (Steinnüsse, Tagua-
nüsse, vegetabilisches Elfenbein, Co-
rusconüsse). Unter diesen Namen erhält
man die Samen einer zu den Pandaneen
gehörigen Pflanze des tropischen Amerika,
Phytelephas makrocarpa von der Größe
einer Kastanie bis zu der eines Hühnereies
und länglich-eiförmiger, an zwei benachbarten
Seiten etwas flachgedrückter Gestalt. Die
Schale ist gelblichbraun bis braunschwarz, das
ganze innere Sameneiweiß von ungewöhn-
licher Härte und weiß, läßt sich in trockenem
Zustande mit Leichtigkeit abdrehen, aber nur
schwer schneiden, leichter, wenn es mehrere
Stunden lang im Wasser gelegen hat. Die
Samen werden in bedeutenden Mengen im-
portiert und hauptsächlich zur Fabrikation
von Knöpfen aller Formen, Größen und Far-
ben (Steinnußknöpfe), sowie zur Nach-
ahmung von Korallen benutzt. Von den zahl-
reichen Handelssorten sind Kartagena,
Panama, Kolon und Savanilla-Bastard
am größten und Para, Manta und Guaja-
quil am kleinsten, während Amazonas,
Marcellino, Esmeralda, San Lorenzo,

St. Blas und Tumaco mittlere Größe be-
sitzen. Letztere Sorte ist etwas dunkel unter der
Schale, Palmyra länglich, die Coquillos-
Sorte an einer Seite lang zugespitzt und mit
braunroter Schale bedeckt. Die unter dem
Namen Fiji vorkommenden, sehr großen
Nüsse scheinen von einer anderen Pandanee
abzustammen. Steinnußabfälle dienen zurVer-
fälschung von Futtermitteln und Gewürzen,
sind aber an ihren stark verdickten Stein-
zellen leicht zu erkennen. — Zollfrei.

Email nennt man die Glasur, mit welcher
metallene Gebrauchsgegenstände, besonders
aus Eisenblech überzogen werden, um sie
gegen die Einwirkung von Säuren wider-
standsfähig zu machen und vor dem Rosten
zu schützen. Zur Herstellung der E. dient
ein Glasfluß aus Feldspat, Quarz, Soda und
Ton, welchem zur Erhöhung der Leicht-
flüssigkeit meist Borax zugesetzt wird. Die
Undurchsichtigkeit der E. erzielt man durch
Zinnoxyd, Antimonoxyd, Arsenik oder Kal-
ziumphosphat. Der früher aus Bequemlich-
keitsrücksichten vielfach benutzte Zusatz von
Bleioxyd ist neuerdings meist verlassen wor-
den, weil nach dem Reichsgesetz vom 25. Juni
1887 Eß-, Trink- und Kochgeschirre bei
t/sstündigem Kochen mit 4prozentigem Essig
kein Blei abgeben dürfen. Aber auch Arsen-
und antimonhaltige Glasuren müssen vom
sanitären Standpunkte als bedenklich be-
zeichnet werden. — Zoll: S. Tarif Nr. 828.

Emetin (lat. Emetinum, frz. Emdtine, engl.
Emetine), das wirksame, brechenerregende
Prinzip der Brechwurzel oder Ipecacuanha,
ist ein Alkaloid von schwach bitterem Ge-
schmack, welches bei 68° schmilzt und in
Alkohol, Äther, Chloroform leicht, in Wasser
schwer löslich ist. — Zollfrei.

Emulgen, ein zur Erzeugung haltbarer
Ölemulsionen angepriesener Schleim, besteht
aus einer wässrig-alkoholischen Lösung von
Glyzerin, Tragant, Gummi arabikum und
Kleber. — Zollfrei.

Enameline, eine mit riesiger Reklame in
den Handel gebrachte amerikanische
Ofenpolitur, besteht aus 67 Teilen un-
reinem Graphit, 3 Teilen Öl und 30 Teilen
Wasser. — Zoll: S. Tarif Nr. 338.

Energin, ein neues stickstoffhaltiges Nähr-
präparat aus Reis, welches 92°/o wasserunlös-
liches Protein enthält und in seiner Wirkung
dem Tropon (s. d.) an die Seite zu stellen
sein dürfte. — Zoll: S. Tarif Nr. 217.

Engelsüßwurzel (lat. Rhizoma polypodii,
frz. Racine de polypode, engl. Polypody root),
ist der anfangs süßlich, hinterher scharf und
bitter schmeckende offizineile Wurzelstock
des einheimischen Tüpfelfarnkrauts (Po-
lypodium vulgare), einer schattenlieben-
den, in Wäldern, an Felsen, Baumwurzeln,
an Wänden von Gräben und Schluchten
wachsenden Pflanze. DerFam ist leicht kennt-
lich an seinen Wedeln in Form langer, tief
fiederspaltiger, jederseits mit 8—20 Abschnit-
ten versehener Blätter, auf deren Rückseite
die Sporenhäufchen zerstreut stehen. Der
weitkriechende, viel Würzelchen treibende