﻿Erdrauch

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Espartogras

sich von den bekannteren Ölen durch seinen
hohen Gehalt an Arachinsäure, welcher
seinen chemischen Nachweis ermöglicht. —
Zoll: S. Tarif Nr. 166/7.

Erdrauch (lat. Herba fumariae, frz. Fume-
terre, engl. Fumitory). Diese einjährige, auf
fruchtbaren Feldern wachsende graugrüne
zartverästelte, im frischen Zustand stark und
widrig riechende Pflanze, Fumaria offi-
cinalis, hatte früher, im blühenden Zustande
gesammelt, sowohl frisch als trocken, pharma-
zeutische Bedeutung. Das frische Kraut diente
mit zur Bereitung der Kräutersäfte. Das ge-
trocknete hat seinen Geruch verloren, aber
einen salzigbitterlichen Geschmack behalten.
Die Pflanze enthält ein Alkaloid, das Fu-
marin, und eine besondere Säure, die Fu-
marsäure. — Zollfrei.

Erdwachs (Ozokerit, Belmontin, lat.
Cera mineralis, frz. Cörösine, engl. Mineral
wax) nennt man fossile wachs- und harz-
artige Massen, die in einzelnen Klumpen
in Torf- oder Braunkohlenlagern, an gewissen
Örtlichkeiten auch tiefer in der Erde auf
Klüften in der Nähe von Steinkohlenlagern
und in Petroleum führenden Erd- und Ge-
steinschichten gefunden werden. Diese Mas-
sen sind feste Kohlenwasserstoffe, die da,
wo sie auftreten, als Material zur Gewinnung
von Paraffin und Leuchtölen wichtig gewor-
den sind. Das E. findet sich in größerer
Menge hauptsächlich in Galizien in den Petro-
leumdistrikten am Nordabhange der Kar-
pathen, in Rumänien, bei Baku am Kaspischen
Meere und in Nordamerika. Besonders in
ersterer Gegend bildet der Stoff neben dem
Petroleum einen ziemlich bedeutenden Er-
tragsartikel. Er kommt dort entweder in
Klumpen bis zu mehreren Zentnern Gewicht,
oder auch in ausgedehnten, zwischen den
Petroleum führenden Tonschiefer gelagerten
Schichten vor. An den Innenwänden der Öl-
schächte wird das Wachs durch den Druck
des Gebirges aus den Gesteinspalten heraus-
gequetscht und quillt oft monatelang an ein
und derselben Stelle bandartig hervor. Es ist
etwas weicher als Bienenwachs und von
orangegelber bis gelblichgrüner Farbe. Man
versendet es in Blöcken, wie es sich durch
Gießen in Kübeln oder Kästen formt. Durch
Behandlung des rohen Erdwachses mit Schwe-
felsäure erhält man das gereinigte Zeresin,
welches in völlig orangegelber bis weißer
Farbe in den Handel kommt. — Das Paraf-
finum solidum des Deutschen Arzneibuches
ist mehrfach durch Schwefelsäure gereinigtes
und über Tierkohle filtriertes E. Es hat ein
spez. Gew. von 0,920—0,940, schmilzt bei 74
bis 89° und dient als Salbengrundlage, haupt-
sächlich zur Herstellung der Paraffinsalbe. —
■Ute anderen Erdwachssorten finden in großen
T" elj?ei|l Verwendung in der Industrie und
X echmk, zur Herstellung von Kerzen, Bohner-
wachs, Blätterwachs, Lederfett, Saalwachs usw.
Die bei der Reinigung des rohen Erdwachses
gewonnenen flüssigen Bestandteile kommen
unter dem Namen Paraffinöl (s. d.) in
den Handel. — Zoll: S. Tarif Nr. 241. 249.

Erikaholz, Bruyöreholz, das Holz der
Wurzel der in Südeuropa heimischen Erica
arborea, ist von ziegelroter Farbe und schön
gemasert, läßt sich leicht polieren und wird
daher gern zu Drechslerarbeiten (Pfeifen-
köpfen) und in der Kunsttischlerei verwendet.
— Zoll: S. Tarif Nr. 74ff. 615 ff.

Erlenholz (Ellernholz) findet sich in zwei
Arten und zwar in Deutschland fast aus-
schließlich als Schwarzerle (Else, lat.
Ainus glutinosa, frz. l’Aune commune,
engl. Sticky alder-tree), während in den nörd-
lichen Gegenden Ostpreußens und in den
russischen Ostseeprovinzen auch die nor-
dische Weißerle oder graue Erle (Ainus
incana) angetroffen wird. Frisches E. wird
an der Luft schnell orangerot, beim Trocknen
aber wieder heller. Das Holz der Schwarzerle
ist immer etwas mehr gefärbt als das der
Weißerle, letzteres auch etwas dichter. Nächst
dem Eichenholz besitzt das E. die größte
Widerstandsfähigkeit gegen die Einwirkung
der Feuchtigkeit. Schön gemaserte Stücke
werden als Tischlerholz gern verwendet. —
Die Erlenrinde (lat. Cortex alni, frz. Ecorce
d’aune, engl. Alder bark) dient zuweilen
auch zum Gerben. — Zoll: S. Tarif Nr. 74ff.
615 ff. Erlenrinde ist zollfrei.

Erythrin (Erythrinsäure), eine in ver-
schiedenen Flechten vorkommende organische
Säure, zerfällt beim Kochen mit Wasser in
Orsellinsäure und Erythrit und ist daher
als Orsellinsäure-Erythritester anzusprechen.

E.	ist in Form seiner Zersetzungsprodukte in
der Ors'eille enthalten. — Zollfrei.

Eschenholz, das Holz der gemeinen Esche,
Fraxinus excelsior (frz. Frene, engl. Ash),
besitzt von allen Holzarten die größte Zähig-
keit und Elastizität, bekommt nicht leicht
Risse, steht im Trocknen gut und hält sich
auch im Wasser, dagegen ist seine Dauer in
der Erde kurz. Es ist dicht, hart, hellfarbig
und wird vorzugsweise von Tischlern, Wag-

nern usw. verwendet. Vorzüglich eignet es
sich zu Rudern, Reckstangen, Deichseln und
dergl. — Zoll: S. Tarif Nr. 74 ff. 615 ff.

Esdragon (Dragunkraut, Dragonell,
lat. Herba dracunculi, frz. l’Estragon, engl.
Tarragon), eine Art Beifuß von Artemisia
Dracunculus, der in Sibirien und Südeuropa
wild wächst und bei uns in Gärten, auch mit-
unter als Handelspflanze (um Altenburg,
Nürnberg, Erfurt) im größeren Maßstabe an-
gebaut wird. Man verkauft E. frisch und ge-
trocknet und benutzt ihn alsWürze zu Speisen,
sowie zur Herstellung eines aromatischen Es-
sigs (Esdragonessig), der in den Senf-
fabriken zur Bereitung einer Senfsorte (ä
l’Estragon) dient. — Auch Esdragonöl (lat.
Oleum dracunculi) ist im Handel. Zoll:
Esdragonkraut zollfrei. Esdragonöl 30 M.
Esdragonessig s. Tarif Nr. 187.

Espartogras ist ein in den Steppen der
westlichen Mittelmeerländer häufig wachsendes
Gras, Stipa tenacissima, sowie Lygeum
spartum. Die binsenartigen, zähen, biegsamen
Blätter, von ca. 40—70 cm Länge, werden
der Breite nach zusammengerollt und zu Korb-