﻿Essigsäure

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Eugenol

Wasser in 25 Teilen E. Bei der Berührung
mit Luft nimmt der E. saure Reaktion pn,
indem er allmählich in Alkohol und Essig-
säure gespalten wird. Im Handel unterscheidet
man mehrere Sorten. Die stärkste und reinste,
die meist nur für medizinische Zwecke benutzt
wird, ist der absolute E. (Aether aceticus
absolutus) mit dem spez. Gew. 0,900—0,904.
Die zweite Sorte vom spez. Gew. 0,890 pennt
man doppelt destillierten E. (bisrectifica-
tus) und die schwächste vom spez. Gew. 0,875
Aether aceticus rectificatus. Für die
Prüfung ist die Bestimmung des spez. Gew.
von geringer Bedeutung, und es empfiehlt sich
daher, das Wasseraufnahmevermögen zu er-
mitteln, weil hierdurch ein Zusatz von Wasser
oder Alkohol leicht erkannt wird. Das Deutsche
Arzneibuch schreibt vor, daß ein Raumteil
Wasser nach kräftigem Schütteln mit einem
Raumteil E. bei 15° höchstens um den 10. Teil
zunehmen soll. Beim Verdunsten auf Filtrier-
papier darf E. keinen Geruch nach fremden
Äthem (Butteräther, Amylazetat) hinterlassen.
Der E. wird in der Medizin als anregendes
Mittel bei Ohnmacht und Magenkrampf,
äußerlich zum Einreiben bei Rheumatismus
und als Riechmittel angewandt. Die Industrie
benutzt ihn als Zusatz zu Fruchtessenzen,
Essig u. dergl. Zur Aufbewahrung sind wohl-
verschlossene, völlig gefüllte und nicht zu
große Flaschen zu verwenden, zum Versand
Blechflaschen oder Glasballons. — Zoll: S.
Tarif Nr. 347.

Essigsäure (lat. Acidum aceticum, frz. Acide
acötique, engl. Acetic acid) kommt in der
Natur teils frei, teils an Salze gebunden, im
Safte vieler Pflanzen, im Schweiß und in der
Muskelflüssigkeit vor und bildet außerdem
das saure Prinzip des Essigs (s. d.). Zu ihrer
Darstellung bedient man sich, abgesehen von
den Methoden der Gärungsessig-Fabrikation,
des Natriumazetates, welches durch Sättigung
von Holzessig (s. d.) mit Soda gewonnen wird.
Zur völligen Entwässerung erhitzt man das
Salz in einem eisernen Kessel (Grapen). Bei
75° schmilzt es in seinem Kristallwasser, ver-
wandelt sich bei 120° in ein weißes, lockeres
Pulver und schmilzt bei 300° zum zweiten
Male. Nach dem Erstarren wird das nun-
mehr völlig wasserfreie Azetat mit arsenfreier
Schwefelsäure vom spez. Gew. 1,842 in tubu-
lierter Retorte der Destillation unterworfen,
wobei zuerst eine etwas wasser- und chlor-
haltige Säure übergeht. Sobald die reine E.
kommt, wird die Vorlage gewechselt und das
Destillat so lange auf gefangen, bis zum Schluß
bei höherer Temperatur schweflige Säure auf-
tritt. Auch durch Elektrolyse wäßriger Na-
triumazetatlösungen mit eisernen Elektroden
wird neuerdings E. in großem Maßstabe dar-
gestellt.— Die reine konz. E., gewöhnlich
Eisessig (lat. Acidum aceticum glaciale, frz.
Vinaigre glacial, engl. Glacial acetic acid) ge-
nannt, ist eine klare, farblose, stechend sauer
riechende und stark ätzende Flüssigkeit,
welche bei 16° zu farblosen rhombischen
Tafeln erstarrt und bei 118° unter Entwick-
lung leicht entzündlicher Dämpfe siedet. Das

spez. Gew. beträgt 1,0553. Mit Wasser,
Glyzerin, Alkohol und Äther ist Eisessig in
jedem Verhältnis mischbar. Beim Verdünnen
mit Wasser steigt das spez. Gew. zunächst
infolge einer Hydratbildung und fällt dann
wieder, so daß eine Säure mit 43% E. das-
selbe spez. Gew. besitzt, wie der reine Eis-
essig. Die Bestimmung des spez. Gew. bietet
sonach keinen sicheren Anhalt für die
Säuremenge. Die E. des D. A. B. und des
Handels ist meist nur 96—99prozentig. Um
sie völlig wasserfrei zu erhalten, setzt man
sie einer Temperatur von 0° aus, dreht die
Flasche um und läßt bei 0—4° mehrere Stun-
den lang abtropfen. Eine mindestens 99pro-
zentige E. löst reines Zitronenöl klar auf. —
Neben dem Eisessig findet sich im Handel
noch eine reine verdünnte E. mit 35—50%
Säuregehalt, sowie die 30proz. des Arznei-
buches. Reine E. muß beim Erwärmen völlig
flüchtig sein, darf kein Arsen, Blei, Kupfer
und Zink, sowie Salzsäure, Schwefelsäure,
schweflige Säure und Ameisensäure enthalten
und muß vor allem auch frei sein von Azeton
und empyreumatischen Stoffen. Außer der
chemisch reinen E. (Acidum aceticum pu-
rissimum), welcher auch die Pharmakopöeware
entspricht, führt man noch gereinigte E.
(purum) und rohe oder technische E. (cru-
dum). Die reine konz. E. findet zu pharma-
zeutischen Zwecken nur selten Verwendung,
ist aber unentbehrlich als Lösungsmittel zur
Darstellung wissenschaftlicher Präparate. Die
verd. E. dient als Ausgangsmaterial der essig-
sauren Salze. Wenn im Handverkaufe E.
zu Arzneizwecken verlangt wird, ist die verd.
Säure abzugeben. Die Aufbewahrung erfolgt
in kühlen Räumen, der Versand in Glas-
ballons, die beim Eisessig mit Glasstopfen
versehen sein müssen.—Zoll: S. Tarif Nr.277.

Eubiose, ein durch Kohlensäure an Stelle
von Glyzerin haltbar gemachtes Nährpräparat
aus Blut, welches dem Hämatogen ähnlich
ist. — Zoll: S. Tarif Nr. 217.

Eudont, eine gegen Zahnschmerz ange-
priesene Dresdner Spezialität, besteht aus
2 Fläschchen, von denen das erste eine alko-
holische Lösung von Nelkenöl, Kampfer und
Chloroform, das andere ein Gemisch von Jod-
tinktur, Glyzerin und Opiumtinktur enthält.
Der Verkauf des Mittels für Heilzwecke ist
den Apotheken Vorbehalten. — Zoll: S. Tarif
Nr. 389.

Eugenol (lat. Eugenolum), der wichtigste
Bestandteil des Nelkenöls (s. d.), welches bis
90% E. enthält, ist in chemischer Hinsicht
als ein Phenol aufzufassen, in welches eine
Oxymethyl- und eine Allylgruppe eingetreten
ist. Es steht in naher Beziehung zum Va-
nillin, in welches es durch einfache Oxy-
dation übergeführt werden kann. Zur Dar-
stellung des E. wird das Nelkenöl mit
Natronlauge geschüttelt, die Lösung mit Salz-
säure zersetzt, und das reine E. im Kohlen-
säurestrome abdestilliert. Es erscheint in
frischem Zustande als eine farblose, stark
lichtbrechende Flüssigkeit vom Geruch und
Geschmack des Nelkenöls, welche sich am