﻿Faulbaumrinde	129

Federn

Stock ist unter der Rinde mit ziegeldachartig
sich deckenden, zahnartigen Resten von Blatt-
stielen und mit braunen Spreuschuppen be-
r6*?’ zwischen welchen zahlreiche schwärz-
liche Wurzelfasern hervortreten. Man be-
ehrt die ungeschälten Wurzelstöcke gut ver-
schlossen in Blechbüchsen auf, da sie sich so
besser halten. Die Droge riecht unangenehm
balsamisch und schmeckt anfangs herbsüßlich,
später zusammenziehend und kratzend. Sie
enthält ätherisches und fettes Öl, Filixsäure,
Filixgerbsäure, Weichharz, Zucker usw.
Man verwendet sie gepulvert oder in Form
des ätherischen Extraktes (Extractum fi-
licis aethereum). — Zoll: Farnkrautwurzel
zollfrei. Extrakt s. Tarif Nr. 386.

Faulbaumrinde (lat. Cortex frangulae, frz.
Ecorce de bourdaine, engl. Black aldertree)
heißt die Rinde der jüngeren Äste vom
Kreuzdorn oder Pulverholz (Rhamnus
Frangula), einem in Wäldern und Ufer-
gebüsch Europas, Mittelasiens und Nord-
afrikas häufig vorkommenden Strauche mit
rundlichen, gespitzten, ganzrandigen Blättern,
kleinen weißen Blüten und anfangs roten,
dann schwarzen erbsengroßen Beeren. Die
dünne, im trockenen Zustande gerollte Rinde
ist außen dunkel- oder braungrau, mit vielen
weißlichen, länglichen Korkwärzchen besetzt,
innen grüngelblich bis rötlichbraun, etwas
glänzend. Sie schmeckt scharf bitter und
schleimig und enthält neben ätherischem öl
einen eigentümlichen Stoff, das Frangulin.
Gebraucht wird die F. als abführendes Mittel,
jedoch erst nach längerem Lagern, da sie
frisch getrocknet Erbrechen und Leibschmer-
zen hervorruft. Das Holz wird im verkohlten
Zustande bei der Schießpulverbereitung mit-
verwendet. — Zollfrei.

Federn (frz. Plumes, engl. Feathers, Pens),
die Leibesbedeckung der Vogelwelt, bilden
jetzt nur noch zwei wesentlich verschiedene
Warengattungen: Bettfedern u. Schmuck-
federn, denn die Schreibfedern sind zur-
zeit fast ganz außer Gebrauch gekommen
und durch die Stahlfedern ersetzt. Die Bett-
federn (frz. Plumes ä lit, engl. Bed feathers)
j5la.rnmen hauptsächlich von der Hausgans
(Gänsefedern), zum kleinen Teil von Schwä-
5®P> während die Federn von Enten und
Hühnern als zu geringwertig meistens weg-
geworfen werden oder nur als ganz geringes
ßtopfmaterial dienen. Die vorzüglichste Art
der Bettfedern bilden die Eiderdaunen
(Daunen oder Dunen, frz. Duvets, Edre-
dons, engl. Eiderdown), der weiche Flaum
eines nordischen Seevogels, der Eiderente
oder Eidergans (Somateria mollissima),
hochgeschätzt als das feinste und leichteste
Material zum Ausstopfen von Bettdecken und
Kissen Diese große Entenart, bei der das
M fIjn,clen oberhalb weiß, unterhalb schwarz
gefärbt, das Weibchen von obenher grau,
braun und schwarz gewellt ist, lebt gesellig
nn hohen Norden in weiter Verbreitung, denn
die Federn desselben kommen von Norwegen,
Lappland, Island, Grönland, den Färöern usw.

' ür Island und Grönland haben die Dänen ,

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufi.

besondere Gesetze zum Schutze der Vögel
erlassen, die nie geschossen werden dürfen,
doch werden diese Gesetze im hohen Norden
leider nicht immer beachtet. Die Vögel
nisten, wo sie auf Klippen, Erdreich oder
Sand geschützte Stellen finden, und das Nest
besteht lediglich aus einer Unterlage vom
Flaumfedern, welche der weibliche Vogel sich
selbst reichlich in der Brustgegend ausrauft,
und mit denen er auch bei zeitweiligem
Verlassen der Eier diese zudeckt. Die meisten
Federn kommen von den kleinen, rings um
Island liegenden unbewohnten Inseln und
werden von schroffen Küsten und Klippen
zusammengesucht. Man räumt nach dem
ersten Eierlegen die Nester völlig von Daunen
und Eiern, welch letztere gern gegessen wer-
den. Die Vögel beginnen ihre Nestarbeit
hierauf von neuem, und auch diese zweite
Füllung wird zu ihrer Zeit ausgeräumt. Erst
die dritte, schon gegen die Mitte des Sommers
fallende Nistung bleibt ungestört. Zu dieser
gibt auch das Männchen seinen Beitrag an
Flaum, welcher aber nicht graubräunlich wie
der des Weibchens, sondern weiß ist und
weniger geschätzt wird. Hier und da, be-
sonders an den norwegischen Küsten, ist die
Gewinnung der Federn einfacher, auch ver-
fährt man schonender und rationeller. Die
Vögel haben sich da in einen Zustand halber
Zähmung eingelebt, kehren allmählich auf
ihre gewohnten Brutplätze zurück, die man
ihnen durch Zäune, Verschlüge u. dgl. wohn-
licher macht. Auch werden ihnen öfter die
Eier belassen und nur die Daunen zweimal
behutsam abgenommen, durch deren Wieder-
ersatz noch eine Nachernte gewonnen wird,
die man nach dem Abzüge der Vögel sam-
melt. Die Vögel zeigen sich da so wenig
scheu, daß sie sich öfter in den Gehöften
selbst eine Brutstätte wählen. Die Daunen
kommen entweder noch roh oder schon ge-
reinigt in den Handel, hauptsächlich über
Kopenhagen, Hamburg und Lübeck; die
Grönländer gelten als die besten. Die Ware
erscheint in fest zusammengeballten Klumpen
von IV2—2 kg Schwere, die sich beim Er-
wärmen ungeheuer ausdehnen. Die Leichtig-
keit und Annehmlichkeit der Daunen als Bett-
material ist bekannt. Bei der geringen Menge,
die zur Füllung nötig ist, und besonders in
Betracht ihrer langjährigen Dauer ist der
Aufwand für Daunen im Vergleich zu gewöhn-
lichen Federn gar nicht so übermäßig hoch.
Das t/ä kg guter gereinigter Daunen kostet in
Norwegen ungefähr 18 M. Man rechnet die
Daunen von 12 Nestern auf V2 kg. Eine
noch seltenere und teurere Art kommt von
der Königs-Eiderente (Somateria spec-
tabilis), die mehr an den nördlichen Küsten
Asiens und Amerikas lebt. Spitzbergen, No-
waja Semlja usw. sind die Bezugsquellen der
über Rußland kommenden Ware. Nächst
den Eiderdaunen sind die Gänsefedern das
gebräuchlichste Material zum Füllen von
Betten. Sie kommen aus dem nördlichen
Deutschland, aus Rußland, Polen, Böhmen,
Galizien und Ungarn in fest gefüllten Säcken,

9