﻿Federn

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Federn

Fässern oder Kisten über Frankfurt a. O.,
Berlin, Breslau, Leipzig usw. Sie werden ge-
wöhnlich erst in zweiter Hand gewaschen,
die gekielten geschlissen (d. h. vom Kiel be-
freit), die Flaumfedern für sich und auch
die geschlissenen in mehrere (3) Nummern
sortiert. Die besten F. bekommt man von
lebenden Gänsen, die man um die Zeit
rupft, zu welcher sie anfangen, sich zu mau-
sern. Dies Rupfen erfolgt mehrmals, indem
immer nur die lose sitzenden F. abgenommen
werden. Solche F. sind vollkommen reif,
sehr elastisch und halten sich lange gut. Man
bezeichnet diese beste Sorte als lebendiges
oder Sommergut, die von geschlachteten
Tieren genommenen dagegen als totes oder
Wintergut. Am schlechtesten sind die F.
von krepierten Tieren, auch haben Nahrung
und Lebensart großen Einfluß auf die Güte
der F. Bei freiem Naturleben, auf Weide
und reinen Gewässern wird das Federkleid
am vollkommensten, während Stall- oder gar
Mastgänse nichts Gutes erzeugen. Den Feder-
händlem wirft man vor, daß sie nicht selten
Schlechtes zu Gutem mischen und das Ge-
wicht der Ware durch beigemengten Kalk,
Gips usw., oder feuchte Lagerung erhöhen.
— Zu Schmuck- oder Putzfedern geeig-
netes Material kann im allgemeinen nur als
Jagdbeute aus weiter Entfernung eingeführt
werden, doch liefert auch das Hofgeflügel,
namentlich Hähne und Truthähne ihre größe-
ren Schwanzfedern zu Federbüschen und zur
Nachahmung ausländischer F. Die wichtig-
sten aller Putzfedern sind die Flügel- und
Schwanzfedern der Strauße. Dieser mäch-
tige Laufvogel bewohnt sowohl die große
nordafrikanische Wüste als die baumlosen
Einöden Südafrikas und Arabiens. Seine F.,
wegen deren auf ihn Jagd gemacht wird,
kommen daher auf mancherlei Wegen und
durch verschiedene Hände in den Handel, aus
Arabien über Ägypten, aus Nordafrika über
die Handelsplätze der Nord- und Westküste,
aus Südafrika durch England. Alle das Mittel-
meer berührende Ware pflegt sich in Livorno
oder Marseille zu sammeln, um von hier
aus sortiert weiter versandt zu werden. Die
Sortierung geschieht zuerst nach der Farbe
und dann nach der Qualität der einzelnen
Stücke, die in ganz fehlerlose, wenig verletzte
und sehr schadhafte gesondert werden. Das
weiße Sortiment, das wertvollere, kommt
hauptsächlich vom männlichen Strauß, da
das weibliche Tier mehr graue als weiße F.
hat. Diese grauen oder braunen bilden die
Sekundasorte, die nach Gewicht verkauft wird,
während die weißen gezählt oder einzeln
taxiert werden. Hauptfedem (arab. Awahni)
hat der Strauß in jedem Flügel vier, dazu
noch mehrere geringere in Flügel, Schwanz
und kleine schwarze auf dem Rücken. Eine
Kapitalfeder muß wenigstens 33 cm lang,
10 cm breit und 33—34 g schwer sein. Ist
ein Vogel von den berittenen Beduinen in
der Wüste erjagt und erlegt worden, so zieht
man ihm die F. erster Sorte aus, enthäutet
ihn, kehrt den Balg um und gebraucht diesen

im Innern befiederten Sack als Behältnis
für sämtliche F. des Vogels. In solchen
Säcken kommt die Ware in die Hände der
ersten Aufkäufer. Auch der Flaum unter
der Federdecke wird verwertet und in Prima -
und Sekundasorte geschieden. Die erstsre
dient zur Fabrikation feiner Filzhüte, während
die zweite versponnen und in ein Gewebe
verwandelt wird, welches feinem Wollstoff
gleicht. In Südafrika leben die Strauße auf
weiten baumlosen Ebenen in Gesellschaft
von Zebras, Gnus, Antilopen, selbst noch
innerhalb der Grenzen der Kapkolonie, wo
sie den Bauern gelegentlich die Felder plün-
dern. Sie werden hier selten von berittenen
europäischen Jägern belästigt, um so häu-
figer aber von Buschmännern und Hottentotten
erlegt. Übrigens hat man im Kaplande,
namentlich im Distrikt Colesberg, seit längerer
Zeit angefangen, die Strauße in einem Zu-
stande halber Zähmung zu halten. Man setzt
sie auf eine eingezäunte Fläche, groß genug,
daß sie darauf ihren Unterhalt finden können,
und gewöhnt sie allmählich an einen bestimm-
ten Futterplatz und an das Ausziehen der F-
Auch in Algier sollen Strauße von Franzosen
zu gleichem Zwecke gezähmt gehalten werden.
Die aus Algier und von der Westküste kom-
mende Federware ist jedoch weniger wertvoll
als die von mehr östlichen Gegenden, aus
Suakim und Massaua ausgeführte. Die F.
von der Südspitze Afrikas sind die größten
und längsten, aber weniger biegsam und
elastisch. Die rohen Straußfedern erhalten
von den Federschmückern die erste Zurich-
tung. Sie werden mit Seife gewaschen und
in heißes Wasser eingelegt, worin feine Kreide
zerlassen ist. Nachher wird die Farbe der
weißen F. durch Schwefeln erhöht, auch wohl
ein natürlicher gelblicher Ton durch etwas
Indigblau verdeckt oder neuerdings auch
durch Wasserstoffsuperoxyd ganz beseitigt.
Die grauen weiblichen F. werden meistens
schwarz gefärbt. Von Natur weiße nehmen
die schwarze Färbung hingegen nicht gut
an. Das Frisieren der Straußen-F., d. h. die
Wiederherstellung und Vermehrung der
natürlichen Kräuselung, erfolgt in der Weise,
daß man die Bärte unter einem stumpfen
Messer durchzieht. Der südamerikanische
Strauß (Rhea americana) liefert gleich-
falls Schmuckfedern, aber nur graue und
braune, die auch in der Gestaltung von den
echten abweichen und mehr den Marabu-
federn ähneln. Die letzteren sind die
Schwanzdeckfedern vom Riesenstorch (Lep-
toptilos crumenifer), der in ganz Mittel-
afrika lebt. Sie sind äußerst leicht und zart
zerteilt und kommen in Weiß und Grau vor,
von denen die erste Sorte die teuerste ist.
Der echte Marabu ist der afrikanische; die
meisten F. aber kommen von einer anderen
Art, dem ostindischen Storch, der von den
Engländern der Adjutant genannt wird. Sie
stehen unter den Flügeln und am Bürzel
des Vogels, werden übrigens auch aus den
Schwanzdeckfedern des Storchs, Pfauhahns
und Truthahns nachgeahmt (falsche Marabus).