﻿Federpelzwerk

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Feigen

Die weitverbreitete Familie der Reiher liefert
in. den langen, schmalen, fein gebauten F.,
die bei den verschiedenen Arten Kopf oder
Nacken, Kropf oder Bürzel zieren, weißes
und noch mehr geschätztes schwarzes Material
Schmuckfedern. Aus ihnen bestehen vor-
nehmlich die Federbüsche, die im Orient usw.
zur Staatskleidung gehören. Bei uns vor-
kommende Federlieferanten sind der gemeine
Fischreiher, der Purpurreiher, der große
und der kleine Silberreiher. — Zoll: S.
Tarif Nr. 147/8. 531. Schreibfedern, Federn-
kiele Nr. 150. 612.

Federpelzwerk. Von einigen Vögeln, be-
sonders Wasservögeln, finden die Bälge oder
vielmehr die Bauch-, Hals- und Bruststücke
dieselbe Verwendung wie Pelztierfelle, indem
sie samt dem Gefieder in der Kürschnerei
zugerichtet und zu kleinen Damenartikeln
oder als Ausputz verwendet werden. Man
verfährt hierzu nach zwei Methoden, indem
man entweder die durch Farbe und Aus-
sehen wohlgefällige Partie eines Vogelkleides
in ihrer natürlichen Beschaffenheit beläßt und
sie nur an andere Stelle verpflanzt, oder
indem man das obere Federkleid entfernt,
um die flaumige Unterschicht zur Geltung
zu bringen. Hiermit gelangt man denn zu
Vogelpelzen im engeren Sinne. Zu der
ersten Kategorie gehören die bunten Bälge
des Eisvogels, männliche Wildenten mit
farbigem und metallglänzendem Kopfe und
Halsgefieder, die schwarzen, beiderseits mit
einem glänzendgelben Streifen gesäumten
Kehlstücke des großen Pinguins, die glän-
zendweißen, ins Perlgraue fallenden Bauch-
pelze des großen Haubentauchers, die
unter dem Namen Grebenfelle im Handel
sind und am schönsten von den Schweizer
Seen, auch aus Bayern, Holland und der
Türkei kommen. Bei ihnen bleibt das Ge-
fieder im natürlichen Zustande. Die.flaumig-
weichen Federpelze kommen, sofern sie weiß
sind, von zahmen und wilden Schwänen und
von vorzüglichen Exemplaren der Hausgans.
Diese Stücke haben nur noch die Flaumfedern.
Die Hegung der Schwäne und Gänse zum
Zweck der Pelzgewinnung wird hauptsächlich
von den Holländern und Franzosen betrieben,
die sich auch einer besonders sorgfältigen
und schönen Zurichtung befleißigen. — Zoll:
'S. Tarif Nr. 148. 531. 563 ff.

Feigen (lat. Caricae, frz. Figues, engl. Figs).
Der seit uralten Zeiten im Bereiche der Mittel-
meerländer kultivierte Feigenbaum (Ficus
Carica), der in den Tropen noch gegen
100 Verwandte hat, liefert eine der zucker-
reichsten Obstsorten. Der Baum erreicht auch
m günstigen Klimaten nur eine mäßige Höhe
und wirft alljährlich das Laub ab. Er treibt
keine sichtbaren Blüten, sondern die in den
Blattwinkeln hervorkommenden Fruchtknospen
wachsen anscheinend ohne weiteres zur Frucht
aus, die aber, wissenschaftlich genommen, als
eine Scheinfrucht zu bezeichnen ist, weil sie
aus dem fleischig gewordenen Blütenboden
besteht. Die Feigenbäume haben zwar be-
ständig einzelne Früchte, aber jährlich zwei

Haupttriebe, zu denen man die aus vor-
jährigen Trieben entsprossenen, im Juni rei-
fenden Sommerfeigen und die Herbst-
feigen, die allein zum Trocknen und Ver-
senden taugen, erntet. Die F. bleiben im
Anfang ihres Wachstums grün und enthalten
dann denselben scharfen Milchsaft wie das
ganze Gewächs. Bei der weiteren Entwick-
lung geht das Grün in ein bräunliches Violett
über, und die Wandungen werden fleischig,
saftig und sehr zuckerreich. Die reifen F.
erreichen eine Länge von 7 cm bei 41/2 cm
Durchmesser und werden massenhaft im
frischen Zustande genossen. Die zur Auf-
bewahrung und Versendung bestimmten wer-
den an luftigen, schattigen Orten getrocknet,
indem man sie so ausbreitet, daß sie sich
gegenseitig nicht berühren, und alle 2 Tage
wendet. Sie werden dabei in 12—15 Tagen
so trocken, als es eine so zuckerreiche Frucht
überhaupt werden kann. An Stelle der Luft-
trocknungtritt jedoch nicht selten dieBehand-
lung in Öfen. Die trockenen Früchte zeigen
einen mehlartigen Überzug, der von ausgetre-
tenem Fruchtzucker (Glukose) herrührt. Bei zu
alt gewordenen F. besteht der Beschlag hin-
gegen oft aus Schimmel und ist dann der
Sitz zahlloser kleiner Milben. Manche Sorten
italienischer F. werden übrigens beim Ver-
packen mit Kastanienmehl überpudert, wo-
durch ihnen neben Feuchtigkeit aber auch
Zucker entzogen wird Die in unserem Handel
vorkommenden Früchte unterscheidet man
als Smyrnaer Tafelfeigen, Kranzfeigen
und Dalmatiner. Die ersteren, als die größ-
ten, süßesten und besten, sind in ihrer natür-
lichen Form belassen und in runde mit Lor-
beerblättern ausgelegte Schachteln (Trom-
meln) eingepackt. Sorten zweiter Güte, in
Fäßchen oder Kisten verpackt, kommen nicht
nur aus Kleinasien, sondern auch von den
benachbarten Inseln, Kreta usw. Die Kranz-
feigen, meist griechisches Gewächs vonMorea
und den Inseln, sind dickschaliger und
weniger süß, doch haltbarer als die Smyrnaer,
und gelangen viel häufiger in den Konsum.
Sie sind, meist zu 100, auf Bastschnüre auf-
gereiht und dabei plattgedrückt. Dalmatiner
und Istrianer, die kleinsten, wohlschmecken-
den, aber nicht gut haltbaren F. kommen
teils in Kisten, teils in Körbem verpackt
in den Handel, und nicht nur von den an-
gegebenen Ursprungsorten, sondern auch
aus anderen Ländern, z. B. Italien und Süd-
frankreich. Spanien baut ebenfalls viel F.,
welche hauptsächlich nach England ausge-
führt werden. Zu uns kommen die meisten

F.	über Triest. Sie dienen hier, abgesehen
von unbedeutender medizinischer Verwendung,
als Dessertfrucht und zur Darstellung eines
Kaffeesurrogates, des sog. Feigenkaffees.
Die F. halten sich kaum länger als ein Jahr,
unterliegen dem Schimmel, den Milben und
dem Insektenfraß und geraten überdies leicht
in eine Gärung, bei welcher sich ein säuer-
licher und scharfer Geschmack und Geruch
entwickelt. — Zoll: Feigen s. Tarif Nr. 51/52.
Feigenkaffee Nr. 62.