﻿Fichtenholz

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Filz

wenn sie freiwillig nach dem Bersten der
Rinde oder nachabsichtlicher Verwundung des
Stammes ausfließen, Terpentin. Das nach
dem Oktober zutage tretende konsistentere
Produkt erhärtet alsbald und bildet das Harz.
Das gemeine Harz (Resina communis) be-
sitzt die Form unregelmäßiger, anfangs kleb-
riger, später spröder Stücke, welche von weiß-
licher, gelber oder rötlicher Farbe und meist
stark verunreinigt sind. Das französische

F.	besteht aus weißgelblichen Krusten mit
Terpentingeruch, das amerikanische F. aus
gelben bis braunen Stücken. Durch Schmel-
zen des F. unter öfterem Zusatz von Wasser
und nachheriges Kolieren erhält man das
weiße Harz (Weißes Pech, Resina alba,
Pix alba) als eine trübe, undurchsichtige
Masse, während bei längerem Schmelzen das
gelbe Harz (Gelbes Pech, Resina oder Pix
flava), ein durchsichtiges, sprödes Harz von
muscheligem Bruch entsteht. Das echte Bur-
gunderharz (Resina burgundia) kommt aus
Frankreich in spröden, schmutziggelben
Stücken in den Handel. Fichtenharz findet
vielseitige Verwendung zur Herstellung von
Seifen, Pflastern, Kitten, zum Leimen von
Papier und zum Pichen von Fässern. — Vergl.
auch Kolophonium und Pech. — Zollfrei.

Fichtenholz (frz. Bois de pin, engl. Pine-
wood), das Holz der Fichte oder Rot-
tanne (Picea vulgaris), gehört zu den
weichen Hölzern, ist weniger leicht spaltbar
als Tannenholz, aber fester, dauerhafter und
namentlich im Witterungswechsel haltbarer.
Das F. ist ein vorzügliches Bau- und Tischler-
holz und wird auch als Brennholz verwendet.
Die Fichtenrinde benutzt man wegen ihres
Gerbsäuregehaltes in manchen Gegenden als
Gerberrinde. — Zoll: S. Tarif Nr. 74 ff., 615ff.
Fichtenrinde als Gerbrinde: 1,50 M.

Fichtennadelextrakt (Kiefernnadelex-
trakt, lat. Extractum pini sylvestris, frz.
Extrait de pin, engl. Extract of pine) wird
durch Auskochen der Fichtensprossen und
-nadeln gewonnen als ein braunschwarzes,
aromatisch riechendes Extrakt, das zu Fichten-
nadelbädem bei Gicht und Rheumatismus ver-
wendet wird. Auf ein Vollbad rechnet man
150—500 Gramm. — Zoll: S. Tarif Nr. 386.

Fichtennadelöl (Waldwollöl, lat. Oleum
pini sylvestris seu abietis, frz. Essence de
bourgeon, engl. Pine oil) wird wie das ana-
loge Kiefern- und Tannennadelöl (s. d.)
durch Wasserdampfdestillation von Fichten-
oder Kiefemnadeln in Form einer hellgrün-
lichen Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,870 und
aromatischem Koniferengeruch gewonnen.
Neben Pinen, Silvestren und Kadinen
enthält es vor allem Bornylazetat (s. d.).

F.	wird hauptsächlich aus Thüringen bezogen
und äußerlich zu Einreibungen, häufiger aber
zur Verfälschung teuerer ähnlicher ätherischer
öle benutzt. Eine russische Art kommt als
sibirisches F. in den Handel. — Vergl.
Latschenkiefernöl. — Zoll: 30 M.

Filizin, ein Präparat aus Farnkrautextrakt,
wird durch Fällung mit Barytwasser und
nachfolgende Zersetzung mit Salzsäure dar-

gestellt. Sein wichtigster Bestandteil ist die
Filixsäure, welche durch Behandlung mit
Azeton in kristallisiertem Zustande erhalten
werden kann, aber nur in amorpher Form
als wirksames Wurmmittel angewandt wird.
— Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Filmaron wird aus Farnkrautextrakt dar-
gestellt und im Gemisch mit Rizinusöl als
Bandwurmmittel verordnet. — Zoll: S. Tarif
Nr. .389.

Films sind mit Bromsilbergelatine-Emulsion
übergossene Zelluloidblätter, die gleich den
Glasplatten in der Photographie verwendet
werden. Films sind im Gegensatz zu Glas-
platten bedeutend leichter, daher auf Reisen,
Bergtouren usw. vorteilhafter, den Glasplatten
stehen sie nur in der Hinsicht nach, daß ihre
Behandlung bei der Aufnahme und in der
Entwicklung etwas schwieriger ist, auch geben
sie meist nicht so scharfe Bilder, wie die
Glasplatten. Films kommen in Paketen als
Film Packs, und in Rollenstreifen zu 6 bis
12 Aufnahmen in den Handel. Zu Aufnah-
men der Kinematographen werden endlose
Spulen verwendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 640.

Filz (frz. Feutre, engl. Feit). Die Ver-
filzung bildet das Mittel, durch welches Tier-
haare ohne Spinnen und Weben direkt in
ein zusammenhängendes und unauflösliches
Ganze gebracht werden, dem durch fortge-
setzte Bearbeitung jede für einen bestimmten
Zweck erforderliche Dichtigkeit und Form
gegeben werden kann. Der Zusammenhang,
den die Haare durch das bloße Ineinander-
wirren erhalten, wird erklärlich durch ihren
mikroskopischen Bau. Die meisten sind
nicht einfache glatte Röhrchen, sondern
zeigen auf ihrer ganzen Oberfläche Uneben-
heiten, welche sich der Wiederauflösung ent-
gegensetzen. So besitzt das Wollhaar des
Schafes tannenzapfenartig geordnete Schup-
pen, das Biberhaar feine nach vorn gerich-
tete Spitzen usw. Übrigens ist nur die Schaf-
und die Vigognewolle schon von Natur so
beschaffen, daß sie sich ohne weiteres gut
verfilzen läßt. Andere Haare, namentlich
die von Hutmachern verarbeiteten, bekom-
men, bevor sie von den Fellen geschnitten
werden, eine saure Beize von salpetersaurem
Quecksilber, welche das Haar rauh und zum
Kräuseln geneigt macht. Außerdem erhalten
derartige Haare immer einen kleinen Zusatz
von Schaf- oder Lammwolle behufs der leich-
teren Verfilzung. Die größte Masse des
Filzes wird zu Herren- und Damenhüten ver-
arbeitet. Die Hutmacherei hat in neueren
Zeiten manchen Wandel erfahren, ohne doch
dabei an Bedeutung einzubüßen. Sie bildet
sich vielmehr zunehmend zum Großbetrieb
mit Hilfe von Maschinen aus. Die früheren
teueren zylinderförmigen Kastorhüte von
Biberhaaren sind fast ganz abgekommen. Man
verbraucht jetzt wohlfeilere, nur für eine
Jahresdauer berechnete Ware. Ein großer
Teil aller Kopfbedeckung besteht aus sog-
Seidenhüten, mit einem Überzug von Sei-
denplüsch, an dem aber doch die Unterlage
häufig aus F. besteht und nach Art der