﻿Filz

135	Fin gerhutblätter

gewöhnlichen Hutmacherei hergestelit ist.
Anderseits sind die jetzigen glanzlosen nie-
deren Hüte ein vielgebrauchter, früher be-
deutungsloser Artikel. Das am meisten ge-
bräuchliche Material zu Hutfilzen bilden
Hasenhaare, demnächst solche von Kanin-
chen, gröbere oder feinere Schaf- oder Lamm-
wolle, Ziegen- und Kamelhaar. Letzteres wird
besonders in Frankreich zu ordinären Hüten
stark verbraucht. Für feinere Ware ver-
wendet man auch die Haare von Bibern,
Bisamratten, Fischottern, Vigogne und das
s°g- Affenhaar (Nutria), entweder zum
Untermischen oder zur Bildung einer Plat-
tierung, d. h. einer feineren Außenschicht
der Hutfilze. Das Zusammenmischen ver-
schiedener Haarsorten ist in der Hutmacherei
durchgängig üblich, auch ist ein gutes Sor-
tieren von großer Wichtigkeit. Die Haare
der nämlichen Tierart geben schon verschie-
dene Sorten, die gleich beim Schneiden ge-
sondert werden, indem man sowohl die be-
sonders wertvollen Rückenhaare, als auch die
von der Brust und ebenso die vom Bauche
getrennt hält. Die Hasenhaare bilden das
Hauptmaterial für bessere, die vom Kanin-
chen für geringere Hüte. Zur Verarbeitung
schlägt man zunächst die Haare auf gefloch-
tenen Horden mit Stäben, um sie aufzulockern
und Staub und andere Verunreinigungen zu
entfernen. In größeren Fabriken wird die
Reinigung durch Maschinen ausgeführt, welche
aus Krempel- und Blaswerken bestehen.
Nachdem die Krempel die Haarmasse ganz
fein zerzupft hat, gelangt sie sogleich in den
Bereich des Gebläses, welches die Haare em-
portreibt und die feinsten in einem geschlosse-
nen Kanal am weitesten fortführt, während
die gröberen durch ihre größere Schwere
früher zu Boden fallen. Auch die innige
Mischung mehrerer Sorten wird maschinen-
mäBig durch die Wirkung von Krempeltrom-
meln besorgt. Der erste Schritt zur Bildung
eines Hutfilzes ist das sog. Fachen, wozu
ein zirka 2 m langer hölzerner Bogen mit
eingespannter starker Darmsaite gehört. Die
zu einem Hut abgewogenen Haare liegen auf
der Horde, der Arbeiter setzt durch ein
Schlagholz die Bogensaite in fortgesetzte
Schwingungen und treibt damit die Haare
empor, welche sich dann in einer äußerst
lockeren Schicht übereinanderlegen. Diese
Facharbeit, die sehr viel Geschick erfordert,
wird in den großen Fabriken ebenfalls durch
eine Maschine sehr gut ausgeführt. Nachdem
die lockere Haarschicht (Fache) eine be-
stimmte, für die betr. Hutform erforderliche
Gestalt erhalten hat, wird durch vielfaches
schiebendes Drücken, Kneten und Rollen un-
er gleichzeitiger Verwendung von Wärme
11(1 ■Feuchtigkeit das Verfilzen bewirkt. In
euchtwarmem Zustande kann der Filz als-
arm über hölzernen oder eisernen Formen
m estimmte Gestalt gebracht werden (hier-
zu dienen kräftige mit Dampf geheizte, meist
hydraulische Hutpressen) und behält diese Ge-
stalt nach dem Trocknen über der Form
auch bei. Das Steifen der Filze geschieht

durch Tränken mit besonderen Substanzen.
Filz wird ferner hergestellt zu Fußbekleidung,
Schuhen, Stiefeln, Socken, sowie zu ganz
billigen, aber auch weniger dauerhaften
Unterröcken. Der hierzu verwendete Filz ist
meist gröber, doch werden in neuerer Zeit
auch Waren dieser Art produziert, die auf
Feinheit und Eleganz Anspruch machen kön-
nen. Filzbeutel in Trichterform dienen zum
Filtrieren. Filzstoffe in Tafeln und längeren
Stücken werden zu verschiedenen Zwecken
und daher von mancherlei Beschaffenheit
meist in besonderen Fabriken hergestellt.
Vermöge neuer Maschinen kann man dabei
in der Länge und Breite sehr weit gehen.
Die Herstellung erfolgt gewöhnlich in der
Weise, daß auf Krempelmaschinen Watten
gebildet werden, die dann eine Walkmaschine,
in so vielfacher Anzahl übereinanderge-
legt, als der Zweck erfordert, zu einem Filz
vereinigt. Derartige Stücke werden zum Teil
aus farbiger Wolle gefertigt oder nachher
gefärbt, bedruckt, appretiert und als sog.
Filztuch zu Regenmänteln, oder als Teppiche
und Decken, Futterstoffe u. dgl. verwendet.
Andere Filztafeln werden zu Sohlen und son-
stigen kleinen Stücken zerschnitten. Filz-
tafeln von gröberem Stoffgefüge, die mitTeer,
Asphalt und ähnlichen Stoffen getränkt sind,
dienen zur Dachbedeckung (Dachfilz). In
ähnlicher Weise werden feinere F. durch Trän-
ken mit Firnis und Lackieren in Lackier-
filz verwandelt und zu Mützenschirmen und
anderen Zwecken benutzt. Grobe Filze dienen
ferner beim Schiffsbau als Unterfütterungen
für den Kupferbeschlag und zur Ummante-
lung von Dampfzylindern und Dampfrohren,
um Wärmeverluste zu verhüten. Ein beson-

ders feines Filzprodukt bildet der Hammer-
filz für Pianofortebauer, der in besonderen
Fabriken aus der feinsten Merinowolle her-
gestellt und schneeweiß gebleicht wird. Der-
selbe sortiert sich in Plammerfilz erster und
zweiter Qualität und Dämpferfilz, wozu noch
roter und grüner Unterfilz kommen. — Ver-
zollung: Baumwollfilze s. Tarif Nr. 449;
Filze aus Wolle oder anderen Tierhaaren
Nr. 513/4; in Verbindung mit Kautschuk 580,
außerdem s. Nr. 527. Filzhüte 537 ff.

Fingerhutblätter (lat. Folia digitalis, frz.
Feuilles de digitale, engl. Digitalis leaves)
sind die Blätter einer über ganz Mitteleuropa
verbreiteten, in Bergwäldern auf kalkhaltigem
Boden wachsenden, stark giftigen, aber me-
dizinisch benutzten Pflanze, Digitalis pupu-
rea, die nicht selten auch in Gärten als Zier-
pflanze gehalten wird. Medizinisch verwend-
bar sind nur die von der zweijährigen,
wilden Pflanze, während der Blütezeit gesam-
melten und getrockneten Blätter, die sich
auch durch die stärkere Behaarung und an-
dere Kennzeichen von denen der kultivierten
unterscheiden lassen. Die eiförmigen, runz-
ligen, unten weißfilzigen, doppelt gekerbten
Blätter werden nach obenhin kleiner und
ansitzend, während sie nach untenhin breit
gestielt sind. Die roten Blüten sind schief
glockenförmig und stehen in einer einseitigen