﻿Firnis

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Fische

Reihe an dem aufrechten Blütenstengel. Die
Pflanze hat frisch gerieben einen wider-
lichen Geruch und bitter scharfen Geschmack.
^Wirksame Bestandteile der Folia Digitalis
sind Digitalin, Digitoxin u. a. Glukoside,
alles starke Gifte, die medizinisch, namentlich
bei Herzerkrankungen, verwendet werden.
Präparate aus F. sind: Extractum und
Tinctura Digitalis, sowie das Digitalin
(s. d.). — Zollfrei.

Firnis (Ölfirnis, lat. Vernisium seu Vernix
Lini, frz. Vernis, engl. Varnish). Mit diesem
Namen belegt man ölige Flüssigkeiten,
welche, in dünnen Schichten auf andere Kör-
per aufgetragen, zu harten, glänzenden, in
Wasser unlöslichen Überzügen austrocknen
und so zum Schutz gegen die Einflüsse von
Luft und Feuchtigkeit dienen sollen. Die F.
können nur aus trocknenden fetten Ölen
gefertigt werden und bestehen entweder ledig-
lich aus einem trocknenden Öl, das durch län-
geres Kochen, meist unter Zusatz von Bleiglätte,
Mangansuperoxyd, Manganoxydulhydrat, bor-
saurem Manganoxydul u. a,., zum rascheren
Trocknen disponiert wird, oder aus Gemischen
von derartigen Ölfirnissen mit Harzen. Diese
letzteren unterscheidet man wohl auch als
fette Lackfirnisse von den einfachen ge-
kochten Ölen, die dann F. schlechthin genannt
werden, wie z. B. das gekochte Leinöl. Das
letztere bildet das wichtigste Ausgangsmate-
rial zur Firnisbereitung, während die ande-
ren trocknenden Öle, Nuß-, Hanf-, Mohnöl,
viel seltener Verwendung finden und mehr
bei der Kunstmalerei benutzt werden. Die
trocknenden Öle würden an sich zwar auch
zu einem festen Überzüge eintrocknen, doch
erfolgt dies für die Praxis zu langsam, be-
sonders wenn sie noch frisch sind. Durch das
längere Kochen werden diese Öle zersetzt und
unter Abspaltung von Glyzerin teilweise in
freie Fettsäuren verwandelt. Es läßt sich da-
her ein gekochtes öl durch den fehlenden
oder verminderten Glyzeringehalt nach der
Verseifung erkennen und von einem nicht
gekochten unterscheiden. Die gekochten
Leinöle zeigen ein wesentlich größeres Trock-
nungsvermögen. Ein Erhitzen mit den er-
wähnten Chemikalien steigert diese Eigen-
schaft noch höher, denn es löst sich einerseits
ein Teil der Oxyde im Öl auf und bildet rasch
trocknende Verbindungen, während ander-
seits der Überschuß an Metalloxyden schlei-
mige, das Trocknen hindernde Bestandteile
des Öls einhüllt und niederschlägt. Die
Trockenmittel dürfen jedoch nur in kleinen
Quantitäten angewandt werden, da ein Zuviel
den F. nachteilig verändert. Der F. von Leinöl
und den verwandten Ölen trocknet nicht durch
Verdunstung flüchtiger Teile, sondern da-
durch, daß die dünne Schicht aus der Luft
beständig Sauerstoff aufnimmt _ und hier-
durch erhärtet. Leinölfirnis wird in bedeuten-
den Mengen dargestellt und teils für sich,
teils mit Farbstoffen angerührt als teigförmige
Ölfarbe verkauft. Man unterscheidet im Han-
del doppeltgekochten und gekochten Leinöl-
firnis als die besten Sorten, ferner Mangan-

firnis, der mit borsauren Manganoxyden
hergestellt wird, und Glättefirnis, der
durch Kochen von Leinöl mit Bleiglätte ge-
wonnen wird. Die Güte des Firnis richtet
sich nach seiner Trockenfähigkeit und Härte
nach dem Auftrocknen. In neuerer Zeit
kommt sehr viel F. in den Handel, der teils
mit Mineralöl oder mit Harzöl, teils mit Woll-
fettole'in, Javaöl usw. verfälscht ist und meist
klebrige Überzüge gibt. — Zoll: S. Tarif
Nr. 341/3. Vgl. ferner Lacke.

Firniskitt wird meist fabrikmäßig herge-
stellt, indem man ein Gemisch von Firnis
und Kreide durch Walzen gehen läßt. Er
dient zum Verkitten von Fensterscheiben,
zum Auskitten von Holz usw. — Zoll: 3 M.
. Fische (frz. Poisson, engl. Fish) bilden eines
der wertvollsten stickstoffhaltigen Nahrungs-
mittel, welches an Nährwert dem Fleische der
Säugetiere völlig gleichkommt, aber leider in
Deutschland noch nicht genügend gewürdigt
wird. Für den Massenkonsum kommen ledig-
lich die Seefische in Betracht, welche seit
dem Aufblühen der deutschen Hochsee-
fischerei und der Erleichterung des Eisen-
bahntransportes durch Einstellung besonderer
Eiswagen auch dem Binnenlande in steigen-
den Mengen zugeführt werden. Lebende
Binnenlandfische werden per Achse in Fisch-
fässern transportiert, welche bei 550 1 In-
halt mit 2—2!/2 Ztr. Karpfen, 2 Ztr. Hecht,
IV2 Ztr. Zander oder 25—30 St. Streich-
karpfen besetzt werden. Das Faß wird halb
oder für Zander und Barsche ganz gefüllt
wegen der Stachelflossen der Tiere, welche
sonst Verletzungen verursachen können. Für
weiten Transport muß bei warmer Witte-
rung durch Zusatz von Eis und Einblasen
von Luft unterwegs für Abkühlung und Lüf-
tung gesorgt werden. Im kleinen kann man
wertvolle Fische auch in ausgehöhltem Brot,
in befeuchtetem Moos oder in frischem Klee
versenden. Sie halten sich auf diese Weise
mehrere Tage lang. Im Handel unterscheidet
man: See-, Fluß-, Bach- und Teich-
fische. Die letzteren müssen vor dem Ge-
brauch längere Zeit in reinem Wasser auf-
bewahrt werden, um den Schlammgeschmack
zu verlieren. Bei frischgetöteten Fischen sind
die Kiemen rot, die Augen durchsichtig und
prall hervortretend, und das Fleisch ist derb
und elastisch, so daß Fingereindrücke bald
verschwinden. Der Geruch an den geöffneten
Kiemen muß frisch sein, während zu alte
Fische widerlich riechen. Bei nicht mehr
frischen Fischen ist die Hornhaut trübe und
undurchsichtig, das Auge eingefallen, die Um-
gebung desselben gerötet, die Kiemen sind
blaß, gelblich oder schmutziggrau, das Fleisch
ist welk, und Fingereindrücke verschwinden nur
langsam wieder. Verdorbene Fische wirken
giftig, da sich in ihnen ptoma'inartige Alka-
loide bilden. Zur Vortäuschung einer frischen
Beschaffenheit werden die Kiemen bisweilen
künstlich rot gefärbt. Als eingesalzene und
marinierte Fische, ferner auf dem Roste
gebraten, mit Öl bestrichen, in Essig, Salz, Ge-
würze. Kräuter und Lorbeerblätter eingelegt,