﻿Fischbein

oder frisch, mit Salz vermischt, eingepackt,
werden besonders Lachs, Thunfisch, Stör,
Aal, Sardellen, Heringe und Bricken in den
Handel gebracht. Getrocknet, eingesalzen
und gedörrt, finden Stockfisch, Platteise und
Dorsch, geräuchert besonders Aale und
Heringe Verwendung. Wertvollere Fische
kommen in Büchsen in den Handel. Die
wichtigsten Fische sind nach Bedeutung,
Fang, Aufbewahrung und Verwertung beson-
ders beschrieben worden. — Zoll: Frische
Fische, außer Karpfen sind zollfrei. Vgl. sonst
Nr. 116 und 117 des Tarifs.

Fischbein (Walfischbarten, frz. Baieine,
engl. Whale hone) wird besonders von den
im nördlichen Eismeer vorkommenden Walen,
Balaena mysticetus, gemeiner Walfisch,
und Balaenoptera, Finnfisch gewonnen,
während der Südwal Balaena australis
weniger und minder wertvolles F. liefert.
Große Wale haben 2000—2500 kg F., klei-
nere etwa 750 kg. Die Barten bilden lange
sensenartige Platten, die im Oberkiefer des
Tieres eingereiht sind und sich in Vertie-
fungen des Unterkiefers einsenken. Die-
jenigen der Wale sind an der Basis grünlich-
grau gefärbt, nach obenhin fast schwarz, die
des Finnfisches dagegen von gleichmäßig
schwarzer Farbe. Ihre Größe ist der des
Tieres entsprechend, so daß aus den Dimen-
sionen der Hauptbarten auf die des ganzen
Tieres geschlossen werden kann. Die Zahl
der Barten beträgt 600—700, doch werden
nur die größeren und mittlern verwendet,
die kleinsten oder Nebenbarten gewöhn-
lich weggeworfen. Die längsten Barten be-
finden sich in der Mitte des Rachens und
sind lVs—4 m lang. Zur Verarbeitung wer-
den die Barten in den Fischbeinreißereien
nach dem Abputzen der faserigen Bärte zer-
sägt, und zwar läßt man die Stücke so lang
als möglich, da die Preise mit der Länge
wachsen, und Stücke von lt/äm Länge doppelt
soviel wert sind als kürzere. Man erweicht
die Stücke in heißem Wasser, spannt sie in
einen Schraubstock und spleißt sie mit einem
zweigriffigen, zu einem Bogen geformten
Messer zu den verschiedenen Nutzstücken,
die dann noch glatt geschabt werden. F.
wird verwendet zu Stöcken, Reitpeitschen,
feinen Korb-, Kamm- und anderen Galan-
teriewaren. Die feinen Schabspäne werden
wie Roßhaare zum Polstern benutzt. Das F.
läßt sich in heißen Wasserdämpfen und
heißem Sande gleich dem Horn erweichen
und dann durch Pressen zu Dosen, Stock-
knöpfen usw. verarbeiten. Schleif- und Putz-
tnittel für den Stoff sind mit Wasser ange-
machtes feines Bimssteinpulver, das mit Filz
autgerieben wird, und an der Luft zerfallener
gebrannter Kalk. — Seit längerer Zeit macht
sich ein Mangel an F. bemerkbar, wodurch
w 7t1Se bedeutend gestiegen sind. Man
nat daher verschiedene Ersatzstoffe einge-
tuhrt, von denen das Zelluloid hauptsächlich
m rrage kommt. — Fischbein, weißes,
ist das Knochengerüst des sog. Tintenfisches
oder der Sepia (s. d.). — Zoll: Hornfisch-

137	Fischhaut

bein, Fischbeinwaren, s. Tarif Nr. 609/610.
Fischbeinhüte Nr. 541. Rohes Fischbein ist
zollfrei.

Fischguano (Fischmehl, frz. Guano de pois-
sons, engl. Fish manure). Zu den künst-
lichen Düngemitteln, welche neuerdings in
immer steigendem Maße an den Markt ge-
bracht werden, gehört auch Fischdünger,
dem eigentlich der Name Guano nicht zu-
kommt, da er nicht aus Exkrementen besteht.
Nachdem in Küstengegenden die Düngung
mit Fischen und Fischabfällen schon seit lan-
ger Zeit in Gebrauch gewesen war, hat man
sich in neuerer Zeit auch auf die Versendung
dieser Abfallprodukte gelegt. Vor allem ge-
schieht dies in mehreren Küstengegenden
Englands, Frankreichs und Norwegens. Von
letzterem Lande stammt insbesondere die bei
uns in Deutschland importierte Ware, welche
aus den getrockneten und zerkleinerten Ab-
fällen der Stockfische, Heringe und Tran-
bereitung besteht. Von anderen, nicht nutz-
baren Fischen kommt das zerkleinerte und
getrocknete Fleisch der Haifische unter dem
besonderen Namen Haifischguano in den
Handel. Die Zubereitung des F. besteht dar-
in, daß man die Fischmasse in Zylindern
mit heißen Wasserdämpfen behandelt, dann
Wasser und Tran ablaufen läßt und ahpreßt,
die Masse auf Maschinen klein reibt, trock-
net und auf Mühlen zerkleinert. Die nor-
wegische Handelsware erscheint als ein gröb-
liches, aus Krümeln und Schüppchen be-
stehendes, gelblich weißes Pulver mit starkem
Fischgeruch, das mit 8—10°/o Stickstoff, und
12—14°/o Phosphorsäure garantiert wird. Der
Dünger fand anfangs nach den ersten Ver-
suchen keinen Anklang, da man die schnellen
Wirkungen des Peruguano von ihm erwartet
hatte. Diese kann er nicht haben, weil er erst
im Boden zu einer solchen zersetzten, von den
Pflanzen aufnehmbaren Masse werden muß,
übt aber dafür eine länger dauernde Wirkung
aus. — Zollfrei.

Fischhaut (frz. Peau de poisson, engl.
Fish’s skin). Von einigen Haifischarten,
Riesenhai, Meerengel, Dornhai, getigerter
Hai, sowie von 2 oder 3 Rochenarten, bei
welchen die Schuppen die Form gröberer oder
feinerer Stacheln angenommen haben, be-
nutzt man eben dieser Beschaffenheit halber
die Häute als eine Art Schleifwerkzeuge. Sie
werden gleich nach dem Abziehen auf Bret-
ter oder Rahmen gespannt, langsam getrock-
net und zu Tafeln geschnitten, wobei man die
Flossen, welche durch ihren feineren Stachel
besatz zu feineren Schleifereien vorzüglich
tauglich sind, an ihrem Platze läßt. Die
meisten derartigen Stücke kommen vom
mittelländischen Meer, während die Stachel-
fische der nördlichen Meere keine so brauch-
bare Ware liefern. Die Fischhaut wurde früher
von Tischlern, Drechslern, Lackierern, so-
wie einigen Metallarbeiten zum Abreiben von
Flächen benutzt. Neuerdings ist aber das
Glaspapier, nämlich Papier mit aufgeleimtem
Glaspulver, sowie Flintpapier, Schmirgelpapier
und Schmirgelleinen an ihre Stelle getreten.