﻿Fischleim

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Flachs

Außerdem werden die Häute auch benutzt,
um durch Aufpressen englisches Sattelleder
damit zu modeln, und zu sog. Fischhaut-
chagrin verarbeitet. Das letztere dient zum
Überziehen von Koffern, Futteralen, Käst-
chen u. dgl. — Zoll: Rohe Fischhaut zoll-
frei; bearbeitete F.: 50 M. Waren aus F.
s. Tarif Nr. 555/6. 560.

Fischleim, Syndetikon. Mit diesen und
anderen Namen bezeichnet man dickflüssige,
gelbe bis gelbbraune Klebstoffe, die in Nor-
wegen, Rußland und anderen Ländern aus
Fischabfällen, z. B. Eingeweiden und Schwimm-
blasen durch Auskochen gewonnen werden.
F. stellt einen guten, zähen, flüssigen Leim
dar, der vielfach auch künstlich, z. B. aus
Zuckerkalklösung, dargestellt wird. — Zoll: S.
Tarif Nr. 375.

Fisetholz (Fustikholz, ungarisches
Gelbholz, Zantegelbholz, junger Fu-
stik, lat. Lignum fusticum, frz. Fustet, engl.
Fustic). Der bei uns in Anlagen häufige sog.
Perückenbaum, eine im südlichen Europa
einheimische und auch hier und da kulti-
vierte Sumachart (Rhus cotinus), enthält
in seinem Holz einen gelben Farbstoff, der
durch Alkalien rot gefärbt wird. Das grau-
oder grüngelbliche Holz, von dem der weiße
Splint abgelöst ist, kommt teils in Form
dicker Knüppel, teils schon in Späne ge-
schnitten in den Handel, wird jedoch, weil
die Farbe nicht sehr echt ist, jetzt nur noch
selten zum Gelbfärben, häufiger aber zur
Herstellung gemischter Farben verwendet.
Man erhält dies Holz aus Ungarn, Illyrien,
Tirol und Italien. — Zoll: Fisetholz zollfrei.
Extrakt: S. Tarif Nr. 328.

Fixative, Lösungen von farblosen Harzen
wie Schellack, Dammar oder von Kautschuk
in verschiedenen Lösungsmitteln Äther-Alko-
hol, Benzin, Chloroform, bisweilen auch
unter Zusatz von etwas Wasserglas, werden
auf Kohle-, Blei- und Kreidezeichnungen zer-
stäubt, um diese gegen Verwischen zu
schützen.

Flachs (frz. Lin, engl. Flax). Unter einigen
20 bekannten Arten des Geschlechtes Li-
num ist die einjährige Art, L. usitatissi-
mum, wegen ihrer Verwendbarkeit als Ge-
spinstpflanze von ganz hervorragender Be-
deutung. Die Benutzung des F. ist uralt, so
daß nicht einmal sein eigentliches Vater-
land bekannt ist, und man dasselbe im Orient
nur vermutet, weil die Pflanze in wärmeren
Klimaten zuweilen wild wachsend gefunden
wird. Infolge ihrer Fähigkeit, sich zu akkli-
matisieren, ist sie selbst sehr nördlich ge-
legenen Gegenden und hohen kühlen Berg-
ländem noch zugänglich geworden und ge-
deiht daselbst sogar vorzugsweise. Der F.,
früher fast die einzige Spinnfaser für Weiß-
zeug, hat durch das Überhandnehmen der
Baumwolle viel an seiner ursprünglichen Be-
deutung verloren, bleibt aber trotzdem ein
Hauptindustrieartikel, der aller darauf ver-
wendeten Pflege wert ist und sie lohnt.
Nehmen doch selbst Länder wie Westindien
und andere, die Baumwolle nach Europa sen-

den, von hier Leinwand zurück, weil dieser
kühlere Stoff in ihrem heißen Klima bevor-
zugt wird. Der gemeine Lein wird jetzt
in fast ganz Europa, Ägypten, Algier, Ost-
indien, Nordamerika, Brasilien und Australien
gebaut und zwar in folgenden Hauptarten:
a) der Schließ- oder Dreschlein (Li-
num usitatissimum var. vulgare, auch L.
sativum genannt) hat kleine, geschlossen
bleibende Kapseln, deren dunklere Samen nur
durch Ausdreschen zu gewinnen sind, höhere
Stengel, minder weiche und weiße, aber sehr
haltbare Faser, welche sich besonders gut zu
groben Geweben eignet; b) der Klang- oder
Springlein (L. usit. var. crepitans, auch L.
humile) besitzt größere, elastisch aufsprin-
gende Kapseln und hellere Samen, welche
man dadurch gewinnt, daß die Kapseln auf
Planen an die Sonne gelegt werden und da-
bei von selbst aufspringen. Außerdem hat er
niedrigere und ästigere Stengel, welche den
feinsten F. liefern. Beide Arten kommen als

Früh- und als Spätlein vor; c) Zwei-
jähriger oder Winterflachs (L. bienne
und L. africanum), seltener gebaut; d) Weiß-
blühender oder sizilianischer Lein mit
sehr schweren Samen, und e) Königslein
(L. usit. var. regale) mit sehr festem Bast und
kleinen blassen Samen. Von den verschie-
denen Handelssorten des Schließleins ist der
„Tonneniem“, d. h. in Tonnen verpackter
russischer Lein (Rigaer, Pernauer, Lie-
bauer, Wiedauer Lein) selten rein genug,
sondern meist mit Leindotter vermengt und
wird am meisten zu Samenzucht verwendet.
Die erste daraus gezogene Saat, der Kro-
nen- oder Rosenlein, gibt 4—5 Jahre lang
gute Ernten und geht so lange als „Saat-
lein“. Nach dieser Zeit wird der Samen
nur noch zum Ölschlagen verwendet, als
„Schlaglein“. Eine sehr gute Sorte, der
Zeeländer, welche rein in den Handel
gebracht wird, zeigt weit gröberes Korn
und stärkeren F. Andere beliebte Sorten
sind der Königsberger, Memeler, Etschthaler,
Axemer, weißblühender russischer,
weißbl. amerikanischer und gemengter
weißblühender F. Seltener angebaut wer-
den der ewige Lein, L. perenne, der in
Sibirien vorkommende ausdauernde, sibi-
rische Lein, mit grober, harter, schwer zu
trennender Faser, der schmalblätterige
Lein, L. angustifolium Huds, mit guter
Faser, in Südeuropa und in Australien, der
österreichische Lein, L. austriacum,
und der Seelein (Meerstrandslein, L.
maritimum). — Von größter Bedeutung für
den Anbau ist der Samen, Leinsamen
(lat. Semen lini, frz. Semence de lin, engl-
Linseed), welcher außerdem zur Ölbereitung
dient und einen sehr wichtigen Handels-
artikel bildet. Guter Samen muß oval, an
einem Ende spitz, an der Spitze gekrümmt,
grünlich bis hellblau, süß schmeckend, hell
glänzend, in der Hand leicht gleitend, ge'
ruchlos und rein von Unkraut sein und in
Wasser untersinken. Nach schlechter Ernte
wird der Samen dunkel, glanzlos und