﻿Flachs

140

Flachs, neuseeländischer

bedeutend schädigt. Das nachfolgende
Brechen, wobei die Stengelmasse zerbröckelt
wird und stückweise abfällt, geschieht am
unzweckmäßigsten auf der bekannten Flachs-
breche, besser durch Schlagen der Stengel
auf der Tenne mit dem sog. Bockhammer,
einem gestielten Klotz, der auf der Schlag-
fläche riffelartig geschnitten ist. In den mit
Maschinen arbeitenden Flachsbereitungsanstal-
ten läßt man die Stengel durch geriffelte
Walzenpaare laufen. Das nachfolgende
Schwingen bezweckt das Abschlagen der
noch anhängenden Stengelbruchstücke, deren
letzte Reste, sowie die Schalenteilchen schließ-
lich durch das Hecheln entfernt werden.
Hierbei sondern sich auch die zu kurzen
Fasern als Hede oder Werg ab, während
die längeren, die häufig noch zu mehreren
bandförmig Zusammenhängen, aus dieser Ver-
bindung gelöst und vereinzelt werden. Das
Flechein ist jetzt noch vielfach Handarbeit,
wird aber in Fabriken durch besondere Ma-
schinen ausgeführt. Je länger das Hecheln
fortgesetzt wird, um so feinerer F., aber
natürlich auch um so mehr Abfall an Werg
wird erhalten. Durchschnittlich geben 100 kg
lufttrockene Flachsstengel 9—10 kg Rein-
flachs, 12—15 kg Werg und 75—80 kg Ab-
fall. Das Werg kann ebenfalls zu Garn
versponnen werden, nachdem es gleich der
Baumwolle gekratzt oder kardiert worden ist.
Der Wert des Flachses steigt mit seiner Länge,
und gute Ware darf nicht viel Fasern ent-
halten, die nur 300 mm lang sind. Die
bessere Haltbarkeit des Flachses im Vergleich
mit Baumwolle geht schon aus der mikrosko-
pischen Betrachtung hervor. Die Flachsfaser
hat nur eine sehr feine innere Höhlung, also
eine stärkere Wandung, und erhält sich in-
folgedessen rund, während die Baumwollfaser
infolge ihres größeren Lumens beim Trocknen
zu einem flachen Bande zusammenfällt. Die
mikroskopische Prüfung eines Leinengewebes,
in welchem Baumwolle vermutet wird, bleibt
unter den zahlreich vorgeschlagenen Erken-
nungsmitteln immer das sicherste. — Unter
den f lachsbau enden Ländern steht Rußland
hinsichtlich der Menge seines Erzeugnisses
und seiner Ausfuhr so entschieden obenan,
daß die russischen Preise für den ganzen
Markt maßgebend sind. Außerdem kommen
als Ausfuhrländer nur noch Polen, die preußi-
schen Ostseeprovinzen und Italien in Be-
tracht, da die anderwärts gewonnenen Er-
träge fast ganz dem inländischen Bedarfe
dienen und ihn oft nicht einmal völlig decken.
Dies gilt wie von England und Frankreich
namentlich von Deutschland. Hier geht der
inländische Flachsbau leider von Jahr zu Jahr
zurück, und große Quantitäten müssen vom
Auslande, namentlich Rußland bezogen wer-
den. — Eigenschaften. _ Feiner F. muß
rein ausgehechelt, seidenartig glänzend, hell,
weiß oder grüngelblich, gelblichgrau oder
stahlgrau sein und sich mild, weich und glatt
anfühlen. Die Länge wechselt von 0,2—1,4 m,
die Breite der Faser von 0,045—0,620 mm.
Die Marktware soll frei von Oberhaut-, Paren-

chym- und I-Iolzgewebe sein, durch Jod und
Schwefelsäure sich blau, durch Kupferoxyd-
ammoniak sich erst blau färben und dann
lösen, auf Zusatz von schwefelsaurer Anilin-
lösung farblos bleiben und nicht mehr wie
5,7—7,2°/o Wasser enthalten. In feuchten
Räumen kann der Wassergehalt bis 23,4°/o
steigen. Der F. muß daher an kühlen Orten
in Fässern oder Kisten aufbewahrt werden
und nicht stark geschichtet bleiben, bei zu
trockner Luft wird er brüchig und spröde,
bei feuchter erhitzt er sich zu sehr bis zur
Selbstentzündung. Gute Marktware soll län-
gere Zeit gelagert haben, sich „zu Seide
liegen“ —, da sie dadurch geschmeidiger
wird. Die vorzüglichste Sorte ist der licht-
blaue, sehr zarte Irländer, der nur in Eng-
land verbraucht wird. Als zweite gilt der
holländische u. belgische (flandrische)
und der von der Picardie, der lang, glän-
zend, braun, weiß oder blond gehechelt, den
teuersten und feinsten sog. Rame liefert.
Dritte Sorten sind die russischen, lang und
gut, die nach Berkowitz ä 10 Pud verkauft
werden. Im allgemeinen unterscheidet man
sechs Hauptsorten mit Untersorten: Kro-
nenflachs, Wrackflachs, Dreiband-
flachs, Livländer (ungehechelt), Drei-
bandwrackflachs oder Flachsheede und
Rigaer, mit zahlreichen Untersorten. — Zoll:
Leinsaat und F. sind zollfrei. Waren aus
Flachs, s. Tarif Nr. 484 ff.

Flachs, neuseeländischer (frz. Lin de
Ia Nouvelle-Zelande, engl. New-Zeland-flax).
Dieses Fasermaterial stammt von den 1 bis
2,5 m langen, schmalen, lederartigen Blättern
der in Neuseeland heimischen zähen Flachs-
lilie (Phormium tenax). Die Blätter ent-
halten eine große Menge langer, gerader und
zäher Fasern, welche sich, solange das Blatt
noch frisch ist, leicht durch Abziehen ge-
winnen lassen. Die Eingebornen reinigen die
Fasern noch von anhaftenden Teilen durch
Schaben mit scharfen Muscheln oder Steinen
und verarbeiten dieselben zu Matten, gröberen
Geweben, Seilen und Fischnetzen. Bei Ge-
winnung größerer Massen für den Export
unterwirft man die Blätter, nachdem sie
zwischen geriffelten Walzen gebrochen oder
zwischen glatten Walzen gequetscht worden
sind, einem schwachen Röstprozeß in kaltem
oder warmem Wasser, worauf wie bei Flachs
Trocknen, Schwingen und Hecheln folgt. —
Phormium tenax ist auch noch in anderen
Ländern, so auf Mauritius und Java, in Natal,
Neusüdwales und Victoria heimisch, aber nur
in den letzten beiden Ländern wird der An-
bau so betrieben, daß Fasern zum Export
gelangen. Melbourne scheint in neuerer Zeit
Ausfuhrplatz dafür zu werden. Der Anbau ist
auch in Irland, Schottland, Belgien, Italien,
Spanien, Algier versucht worden, hat aber
bis auf Algier keine Ausbreitung gefunden.
Die rohe Faser ist weißlich oder gelblich,
wenig verholzt, bei bester Qualität etwa so
fein wie der europäische Hanf, aber immer
bedeutend härter, steifer und im Anfühlen
rauher. Sie findet jetzt noch zu Bindfaden,