﻿Flußsäure

Folia

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grün fluoreszierende Lösungen liefert. Am
stärksten zeigt sich die Fluoreszenz bei al-
kalischen Flüssigkeiten, deren Färbevermögen
so intensiv ist, daß man es mit Erfolg zum
Nachweise des unterirdischen Zusammen-
hanges von Stromläufen (Donau) benutzt hat.
Das F. findet in Form seines Natriumsalzes
als Uranin und seiner Benzylverbindung als
Chrysolin beschränkte Anwendung zum di-
rekten Färben ungeheizter Wolle und Seide.
Seine außerordentliche Bedeutung für die
Industrie beruht aber in dem Umstande, daß
es das Ausgangsmaterial für die Fabrikation
des Eosins bildet. — Zollfrei.

Flußsäure (Fluorwasserstoff, Wasser-
stofffluorid, Fluorwasserstoffsäure,
lat. Acidum hydrofluoricum, frz. Acide fluor-
hydrique, engl. Fluoric acid) ist wasserfrei
eine bei 19,5° C — also weit unterhalb der
Sommerwärme — siedende, leicht bewegliche,
an der Luft stark rauchende Flüssigkeit von
scharf saurem Geruch, die bei 12,8° das spez.
Gew. 0,9879 besitzt. Sie ätzt die Haut, zieht
auf ihr Blasen und erzeugt sehr schwer hei-
lende Geschwüre und verursacht eingeatmet
sogar den Tod; so starb in Nancy Niclös in-
folge seiner Versuche, Fluor aus ihr dar-
zustellen. Auch die konz. wäßrigen Lösungen
besitzen die unangenehmen Eigenschaften der
Flußsäure, natürlich mit zunehmender Ver-
dünnung in abnehmender Stärke, beim Ar-
beiten mit F. ist daher stets die größte Vor-
sicht geboten. — Man bereitet die F. durch
Erhitzen von Flußspat mit konz. Schwefelsäure
in Platin- oder Bleiretorten und Auffangen
der Dämpfe in einer etwas Wasser enthalten-
den Blei- oder Guttaperchavorlage. Um che-
misch reine F. herzustellen, erhitzt man die
technische Säure mit Schwefelsäure und stellt
in eine trockene Bleivorlage eine Platinschale
mit etwas Wasser hinein. Während die Un-
reinheiten teils zurückgehalten werden, teils
in der Bleivorlage sich vorfinden, wird die F.
von dem in der Platinschale befindlichen Was-
ser begierig aufgenommen. Die Aufbewah-
rung der zur Analyse bestimmten reinen F. ge-
schieht am besten in Platingefäßen, während
für technische Zwecke sich die weit billigeren
Flaschen aus Kautschuk oder Guttapercha
empfehlen. Wäßrige F. besitzt nämlich die
Eigenschaft außer den genannten Substanzen
sowie Gold, Wachs, Paraffin, Flußspat, so
ziemlich alle organischen und anorganischen
Stoffe zu ätzen oder zu lösen, auch die An-
hydride von Bor und Kieselsäure sowie alle
Silikate. Die Hauptverwendung findet die F.
zum Ätzen von Glas. Es ist nicht nötig, hier-
für die reine Säure zu benutzen, eine hierzu
noch brauchbare Flüssigkeit wird vielmehr
auch erhalten, wenn man eine Mischung von
Flußspat, Schwefelsäure und Wasser einige
Tage stehen läßt, bis sich der gebildete Gips
zu Boden gesetzt hat, auch kann man die brei-
artige Mischung von gepulvertem Spat und
Schwefelsäure direkt auf das zu ätzende Glas
auftragen. Bei den bisher genannten Metho-
den wirkt die wässrige F., entwickelt man
dagegen die F. durch Übergießen von Fluß-

spat mit Schwefelsäure in einem geschlos-
senen Bleigefäß, das mit dem zu ätzenden
Glase bedeckt ist, so wirkt die gasförmige,
wasserfreie Säure ein. Der Erfolg ist in
beiden Fällen verschieden. Ist die Glasplatte,
wie dies in der Regel geschieht, mit einem
Deckfirnis versehen zum Schutze der nicht
zu ätzenden Stellen, und sind durch diesen
Deckfirnis hindurch bis auf das Glas Striche,
Teilungen oder Zeichnungen angebracht, so
erscheinen diese nach der Behandlung mit
wässriger Säure glatt und verhältnismäßig
wenig bemerkbar in dem Glase, während die
gasförmige Säure eine sehr deutliche, matte,
von Salzen der Kieselfluorwasserstoffsäure
herrührende Ätzung hervorruft. Je nach dem
Zwecke wird die eine oder die andre Methode
angewandt, doch ist die Mattätzung bei wei-
tem häufiger. (Thermometer, Mattscheiben,
Reklamemattscheiben usw.) Im Laboratorium
wird die F. zur Aufschließung der Silikate,
d. h. zur Bestimmung der darin erhaltenen
Alkalien benutzt. Dabei verflüchtigt sich die
gesamte Kieselsäure des Silikates als Silizium-
fluorid. Die oben erwähnte Kieselfluor-
wasserstoffsäure findet ebenfalls tech-
nische Verwendung sowohl in der Zeug-
druckerei als Ätzbeize an Stelle von Weinsäure
als auch beim Weißsieden an Stelle von
Weinstein. — Unter Weißsieden versteht man
das Verzinnen von Messingwaren (Strick-
nadeln, Kleiderhaken usw.) durch Kochen
mit feingekömtem Zinn und Weinstein. —
Die Kieselfluorwasserstoffsäure wird gewonnen,
wenn man dem Brei von Flußspat und
Schwefelsäure Kieselsäure zufügt und das sich
entwickelnde Gas, Siliziumfluorid, in Wasser
leitet. Das Gas zersetzt sich sogleich unter
Abscheidung gallertartiger Kieselsäure, wäh-
rend sich die Säure in dem Wasser immer
mehr anreichert. — Zollfrei.

Flußspat (Fluorit, frz. Spath-fluor, engl.
Fluor-spar), ein meist auf Erzgängen und in
Drusenräumen vorkommendes Mineral, be-
steht aus Fluorkalzium. Es kommt teils
dicht und derb, in weißen oder grauen Massen,
teils in oft ziemlich großen Kristall würfeln
vor, die durchsichtig wie Glas, farblos oder
verschieden gefärbt sein können. Die blauen
und violetten Varietäten werden zuweilen als
Halbedelsteine verwendet. Außerdem benutzt
man das Mineral zur Darstellung von Fluß-
säure (s. d.), sowie als Flußmittel (daher der
Name F.) beim Ausschmelzen von Metallen
aus ihren Erzen, da der F. sehr leicht schmelz-
bare Schlacken gibt. Man bezieht ihn haupt-
sächlich aus dem Erzgebirge und dem Harze,
England und Norwegen. — F. ist zollfrei.
Zu vergl. Edelsteine.

Folia ist die lateinische, im Drogenhandel
gebräuchliche Benennung für Blätter, die,
mit Ausnahme der Kirschlorbeerblätter, nur
im getrockneten Zustande in den Handel
kommen. Die wichtigsten sind: Folia aco-
niti, Eisenhutblätter; F. althaeae, Eibisch-
blätter; F. boldo, Boldoblätter; F. bucco,
Buccoblätter; F. coca, Kokablätter; F. digi-
talis, Fingerhutblätter; F. farfarae, Huf-