﻿Formamintpastillen

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Fruchtsäfte

wird F. benutzt zum Härten anatomischer
Präparate und zum Einbalsamieren von Lei-
chen. Bekannt ist auch seine Anwendung als
Mittel gegen zu reichliche Schweißabson-
derung und zur Raumdesinfektion. Vor an-
deren Desinfektionsmitteln hat er den Vorzug,
daß er sich als Gas im ganzen Raum gleich-
mäßig verteilt und Zimmer samt Inhalt des-
infiziert, ohne auf Gegenstände schädigend
einzuwirken und unangenehmen Geruch zu
hinterlassen. Die Aufbewahrung des Forma-
lins hat in gut verschlossenen Gefäßen, vor
Licht geschützt und in Räumen mittlerer
Temperatur zu erfolgen. Wegen der heftigen
Einwirkung auf die Schleimhäute ist beim
Riechen an F.-Lösungen Vorsicht zu beob-
achten. — Zoll: 20 M.

Formamintpastillen sind von vortreff-
licher Wirkung, auch vorbeugend, gegen
Schnupfen und Katarrhe infolge ihres Ge-
haltes von je 0,01 g Formaldehyd, welcher
aber infolge einer eigenartigen lockeren Bin-
dung weder geschmacklich noch reizend her-
vortritt. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Forman, ein Fabrikat von Lingner in
Dresden, wird hergestellt durch Einleiten von
Salzsäuregas in ein Gemisch von Menthol
und Formaldehyd und ist demnach als Chlor-
methylmenthyläther anzusprechen. Die farb-
lose Flüssigkeit dient zur Herstellung von
Pastillen und Formanwatte, welche gegen
Schnupfen und Katarrhe angewandt werden.
— Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Franzbranntwein (lat. Spiritus Vini
Gallicus, frz. Esprit de Vin, engl. Wine
spirit) in der ursprünglichen Bedeutung des
Wortes ist ein durch Destillation billiger
Weine oder Weinrückstände erhaltener Brannt-
wein und sonach mit dem Kognak identisch.
F. bildet eine gelblichbraune Flüssigkeit von
aromatischem Geruch und Geschmack mit
einem Alkoholgehalt von ca. 40—50 Gewichts-
prozenten. Er wird jetzt vielfach künstlich
hergestellt durch Mischen von Kognakessenz
mit Branntwein, zuweilen auch unter Zusatz
von Kochsalz. F. wird verwendet zu Ein-
reibungen, gegen Haarausfall usw. — Zoll:
S. Tarif Nr. 178/179.

Frauenhaar (lat. Herba capillorum veneris,
frz. Capillaire de Montpellier, engl. Maiden-
Hair) heißt seiner glänzend schwarzbraunen,
haarförmigen Stiele wegen ein im südlichen
Europa und Süddeutschland an Felsen und
feuchten Mauern wachsendes feingefiedertes
Farnkraut, Adiantum CapillusVeneris,
das früher als ein wichtiges Arzneimittel galt.
Das Kraut hat einen süßlichen und zusammen-
ziehend bitterlichen Geschmack und dient als
Brusttee, besonders aber zur Bereitung eines
früher offizineilen Sirups, Sirupus Capillo-
rum veneris, der in Frankreich unter dem
Namen Sirop capillaire als Zutat zu Zucker-
wasser sehr beliebt ist, aber gewöhnlich nach-
gemacht wird. — Zollfrei.

Fruchtäther (frz. Ethers de fruits, engl.
Fruit essences) nennt man eine Reihe flüch-
tiger chemischer Verbindungen, welche den
Geruch verschiedener Obstsorten mehr oder

weniger täuschend wiedergeben und in che-
mischer Hinsicht als zusammengesetzte Ester
organischer Säuren mit Alkoholen anzu-
sprechen sind. Sie werden durch Destillation
der entsprechenden Säuren und Alkohole
unter Zusatz von konz. Schwefelsäure in be-
sonderen Fabriken dargestellt und für sich
allein oder als Gemische in den Verkehr ge-
bracht. Die bekanntesten sind die Amylester
der Essigsäure, Valeriansäure, Buttersäure
und Ameisensäure, ferner die Äthylester der
Essigsäure, Buttersäure, Valeriansäure, Amei-
sensäure, Benzoesäure, Önanthsäure, sowie in
geringerem Maße die Menthylester der Essig-
säure und Salizylsäure. Von den gangbarsten
Gemischen seien erwähnt der Ananasäther
(Buttersäureäthyl- und -amylester), Äpfel-
äther (Essigester und Valeriansäureamyl-
ester), Aprikosenäther (Buttersäure- und
Valeriansäureäthylester), Birnenäther
(Essigsäureäthyl- und -amylester), Himbeer-
äther usf. Bisweilen sollen sie auch Zusätze
von Salpeteräther, Amylalkohol und Chloro-
form erhalten, die aber aus gesundheitlichen
Rücksichten zu verwerfen sind. Die F. finden
ausgedehnte Anwendung zur Fabrikation von
Likören, Konditoreiwaren, Fruchteis, Frucht-
gelees und Brauselimonaden, werden aber bei
letzteren neuerdings meist durch die sog.
Fruchtessenzen (s. d.) ersetzt. — Zoll: Siehe
Tarif Nr. 347.

Fruchtessenzen sind alkoholische Auf-
lösungen der natürlichen Riechstoffe aroma-
tischer Pflanzenteile, welche entweder durch
Extraktion oder durch Destillation mit Spi-
ritus gewonnen werden. Sie dienen als Ersatz
der Fruchtäther in der Nahrungsmittelindu-
strie, besonders bei der Plerstellung künst-
licher Brauselimonaden. — Zoll: S. Tarif
Nr. 347.

Fruchtsäfte (frz. Jus de fruits, engl. Fruit
juices) nennt man die in den Zellen der
Früchte enthaltenen Flüssigkeiten, welche
durch Auspressen der frischen Früchte, ev.
nach vorhergehender Gärung, gewonnen
werden. Sie führen auch die Bezeichnung
Muttersaft, während das beim nochmaligen
Auspressen der mit Wasser angerührten
Rückstände ablaufende Produkt als Nach-
presse bezeichnet wird. Mischungen von
Muttersaft und Nachpresse sind in deutlicher
Weise zu kennzeichnen. Die F. enthalten
die löslichen Bestandteile der Früchte, denen
sie entstammen: Zucker, organische Säuren,
Aroma-, Färb- und Mineralstoffe, sowie in
zurücktretender Menge Pektin und Eiweiß.
Im Hinblick auf ihre geringe Haltbarkeit
werden sie entweder, wie der Zitronensaft,
sterilisiert oder mit Zucker versetzt und als
sog. Fruchtsirupe, fälschlich bisweilen
ebenfalls F. genannt, in den Verkehr ge-
bracht. Die F. sind manchen Verfälschungen
durch Zusatz von Nachpresse, Teerfarbe, Kon-
servierungsmitteln und Stärkesirup ausgesetzt.
Ja es kommen sogar völlige Kunstprodukte
aus künstlich gefärbtem und parfümiertem
Zuckersirup in den Handel. Nähere Angaben
hierüber finden sich in den besonderen Ar-