﻿Frutil

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Gänsefett

tikeln über ihre wichtigsten Vertreter: Him-
beersaft, Kirschsaft und Zitronensaft.
Der Brombeersaft besitzt nur geringe Be-
deutung. Der Erdbeersaft wird meist nur
als Sirup hergestellt, indem man die un-
zerkleinerten Beeren mit Zucker vermischt
und die Masse nach der freiwillig eintreten-
den Verflüssigung auspreßt. — Zoll: Frucht-
säfte zum Gewerbe- oder Heilgebrauch zoll-
frei; zum Genuß s. Tarif Nr. 59, mit Zucker
eingekocht Nr. 2X3; alkoholhaltig Nr. 214.

Frutil, ein alkoholfreies Getränk, welches
durch Imprägnieren von Dörrobstauszügen
mit Kohlensäure hergestellt wird. — Zoll:
S. Tarif Nr. 185.

Fuchsin (Anilinrot, frz. Rouge d’aniline,
engl. Aniline red), einer der wichtigsten Teer-
farbstoffe, wird im großen aus dem rohen
Anilinöl (s. d.), dem sog. Rotöl dargestellt,
indem man dasselbe teilweise mit Salzsäure
neutralisiert, mit Nitrobenzol und -toluol, so-
wie etwas Eisenpulver vermischt und auf 190°
erhitzt. Die metallisch glänzende Schmelze
wird mit siedendem Wasser behandelt und
die erhaltene Lösung des F. mit Kochsalz
ausgefällt. Nach neueren Verfahren wird F.
auch durch Behandlung von Anilin mit For-
maldehyd oder auf elektrolytischem Wege
hergestellt. F. ist in chemischer Hinsicht als
ein Gemisch von salzsaurem Rosanilin und
Pararosanilin anzusprechen. Es bildet aus
Wasser umkristallisiert dunkelgrüne metal-
lisch glänzende Kristalle, welche sich in Al-
kohol, Amylalkohol und Wasser mit roter
Farbe lösen. In Äther unlöslich, wird es
durch Alkalien sowie Reduktionsmittel ent-
färbt. F., welches früher auch als Magenta-
rot, Solferinorot, Tirolin usw. verkauft
wurde, dient zum Färben von Geweben,
Leder, Nahrungsmitteln, und muß für letz-
teren Zweck völlig arsenfrei sein. Auch bildet
es das Ausgangsmaterial für die Darstellung
von Anilinblau. Neben dem salzsauren Ros-
anilin findet sich auch das in gleicher Weise
hergestellte essigsaure Salz (Rosein) und
salpetersaure Salz (Azaleiin) im Handel.
Durch Behandlung des F. mit rauchender
Schwefelsäure entsteht die Sulfosäure, das
sog. Säurefuchsin (Fuchsin S, Acid. Ma-
genta, Säurerubin, Rubin S), welches
den Vorzug hat, auch im sauren Bade Wolle
und Seide zu färben, aber weniger ausgiebig
und lichtecht ist. — Zollfrei.

Fucol, mit Sesamöl aus Algen hergestellter,
angeblich jodhaltiger Auszug, welcher an
stelle von Lebertran angepriesen wird, aber
keinerlei Vorzüge vor letzterem aufweist,
eh ifur?1’ e'ne farblose Flüssigkeit von
c rakteristischem Geruch, welche durch De-

stillation von Kleie mit Säuren gewonnen wird
und sich auch in verschiedenen alkoholischen
Destillaten, wie Kognak, Rum usw., vorfindet.
F. hat neuerdings eine gewisse Bedeutung
für den Nachweis von Margarine (s. d.) er-
langt, weil es mit Sesamöl und rauchender
Salzsäure eine intensiv rote Farbe annimmt.
— Zollfrei.

Fußbodenöle nennt man die zur Bekämp-
fung der Staubplage angepriesenen Präpa-
rate, welche auf die Dielen aufgetragen
werden sollen und meist aus gewöhnlichen
Schmierölen (Rückständen der Petroleum-
destillation), bisweilen unter Zusatz geringer
Mengen Leinöl, bestehen. Nachdem die Zu-
sammensetzung dieser Mittel öffentlich be-
kannt gegeben worden ist, sind die anfangs
unverhältnismäßig hohen Preise beträchtlich
zurückgegangen. — Zoll: S. Traif Nr. 239.

Fuselöl (frz. Alcool amylique, engl. Fusel
oil). Bei der Gärung zuckerhaltiger Flüssig-
keiten entstehen neben Alkohol immer auch
kleine Mengen von Nebenprodukten, die, ob-
schon weniger flüchtig als der Alkohol, doch
bei der Destillation mit übergehen und dem
Spiritus entweder gern gesehene oder miß-
liebige Eigenschaften, je nachdem sie einen
guten oder schlechten Geruch und Geschmack
haben, verleihen. Je nach den Stoffen, aus
welchen Branntwein destilliert wird, besitzen
d. F. verschiedene Zusammensetzung, und
darum hat auch von den verschiedenen
Branntweinarten — Rum, Kognak, Korn-,
Kartoffelbranntwein usw. — eine jede ihren
besonderen charakteristischen Geruch. Am
widrigsten ist das Fuselöl des Kartoffel-
schnapses, das hauptsächlich unreinen Amyl-
alkohol darstellt, weniger unangenehm das
Getreidefuselöl, da es neben Amylalkohol
noch Propylalkohol enthält. Der Weinbrannt-
wein oder Kognak hat ein noch feineres F.
aus Önanthäther und anderen feinriechenden
flüchtigen Stoffen. Bei uns in Deutschland,
wo der Spiritus fast lediglich aus Kartoffeln
gebrannt wird, gewinnt man nur das der gä-
renden Kartoffelmaische entstammende Fusel-
öl, während Getreidefuselöl zur Aromatisie-
rung von Kartoffelschnaps meist aus eng-
lischen und schottischen Brennereien bezogen
wird. Bei der gewaltigen Menge von Kartoffel-
sprit, den Deutschland erzeugt, fallen ganz
beträchtliche Massen des unerwünschten Fu-
sels ab. Beim Raffinieren des Rohspiritus
bleibt das F. zum größten Teil in den
Rektifikationsapparaten zurück, schwimmt als
ölige Schicht auf den wässerigen Rückständen
und wird abgeschöpft, bevor man diese weg-
laufen läßt. Vgl. „Amylalkohol“. — Zoll:
S. Tarif Nr. 348.

G.

Gänsefett. Dieses sehr weiche, blaßgelb-
üche und durchscheinende Fett besitzt ein spez.
Gew. von 0,927, schmilzt bei 32—34° und erstarrt

bei 18—20°. Es findet als feineres Speisefett
Anwendung, wird aber vielfach mit Schweine-
schmalzvermischt. — Zoll: S.Tarif Nr. 126.127.