﻿Gagat

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Galläpfel

Gagat (Jet, schwarzer Bernstein)
nennt man eine in Südfrankreich und Astu-
rien vorkommende, besondere Art fast schwar-
zer, dichter Braunkohle mit muscheligem
Bruche, die sich gut bearbeiten läßt und eine
hübsche Politur annimmt. Man fertigt daraus
allerlei Schmuckgegenstände, ersetzt es jetzt
aber vielfach durch schwarzes Glas, oder
Ebonit (Hartgummi). — Zoll: Gagat unbe-
arbeitet ist zollfrei. Waren von G. und Nach-
ahmungen s. Tarif Nr. 710/11.

Galalith wird durch Behandlung von ge-
trocknetem Kasein mit Formaldehyd, even-
tuell unter Zusatz von Farbstoffen hergestellt
und kommt als durchscheinende oder auch
marmorierte elastische Masse in den Handel,
welche als Ersatz für Horn, Knochen, Zellu-
loid ausgedehnte Anwendung findet. Es läßt
sich wie die genannten Stoffe leicht bearbeiten
und zeigt gegen Feuchtigkeit und die meisten
Agentien ziemliche Widerstandsfähigkeit. —
Zoll: S. Tarif Nr. 639/40.

Galambutter (nach der Negerstadt Galam
am Senegal benannt), ist eine Varietät des
Bassiafettes (s. d.); ein schmutziggelbes,
schmieriges Fett, das aus den Früchten eines
afrikanischen Baumes, Bassia butyracea,
gepreßt wird und der Kakaobutter im Geruch
und Geschmack einigermaßen ähnelt. — Zoll:
S. Tarif Nr. 171.

Galbanharz (Mutterharz, lat. Gummi seu
Resina galbanum, frz. Gomme, Rosine gal-
ban, engl. Gum galban), der eingetrocknete
Milchsaft gewisser Ferulaarten, z. B. von
Ferula galbaniflua, F. rubricaulis, Fe-
rula erubescens, verbreiteter Dolden-
pflanzen Persiens und der Gegend östlich vom
Aralsee, kommt über die levantischen Hafen-
plätze aus Syrien, Persien, Arabien, zum Teil
auch aus Ostindien und über Rußland in den
Handel. Es bildet, wie die meisten ähnlichen
Drogen, zwei Sorten, in Tränen oder Körnern
und in Massen oder Kuchen, erstere in hel-
leren, weißen oder gelblichen, durchscheinen-
den, wachsglänzenden, erbsen- bis nußgroßen
Körnern, letztere in dunkleren, bräunlichen
oder grünlichen, von hellen Körnern durch-
setzten Klumpen. Die Substanz ist ziemlich
weich und klebrig, nur in der Kälte pulverisier-
bar und enthält etwa 60°/o in Weingeist lös-
liches Harz, 20°/o Gummi und bis 8% äthe-
risches Öl (Galbanöl, Oleum galbani), von
dem es seinen durchdringenden aromatischen
Geruch hat. Der Geschmack ist bitterlich,
aber nicht scharf. Durch Destillation mit
Wasser wird das Öl als eine farblose, an der
Luft sich bräunende und verdickende Flüssig-
keit erhalten, die stärker riecht als das Harz
und bitter und kampferartig schmeckt. Das
gereinigte und gepulverte Harz wird in der
Medizin äußerlich als erweichendes Mittel
bei Geschwüren und Geschwülsten angewandt
und bildet den Hauptbestandteil des Mutter-
pflasters, technisch dient es als Zusatz zu
Kitten. — Zoll: Galbanharz ist zollfrei. Gal-
banöl: 30 M.

Galgantwurzel (lat. Rhizoma galangae, frz.
Rhizome de galange, engl. Galanga-root),

ein nicht unbedeutender Artikel des Drogen-
handels, besteht aus den getrockneten Wurzel-
stöcken einer zu den Ingwergewächsen ge-
hörenden chinesischen Pflanze, Alpinia of-
ficinarum. Die Droge bildet fingerdicke,
bis 10 cm lange, in der Mitte gebogene Stücke,
die außen rotbraun, innen zimtfarbig aussehen
und auf dem Querschnitt kleine dunkle Öl-
zellen zeigen. Der Geruch ist namentlich
bei der gepulverten Ware stark und eigen-
tümlich gewürzhaft, ebenso der Geschmack,,
der beim Kauen in langes anhaltendes Bren-
nen übergeht. Als Träger des Aromas finden
sich 0,7—0,9°/o ätherisches öl, das Galgant-
öl (lat. Oleum galangae, frz. Huile de ga-
langa, engl. Galanga-oil), außerdem sind noch
vorhanden Alpinin, Galangin und Kämp-
ferid, sowie harzartige Substanzen. Die G.
wird medizinisch als Magenmittel, ferner als-
Zusatz zu Elixieren und Tinkturen, Likören
und Essigen gebraucht. Es gibt kleine und
große Galgantwurzeln, die aber nur durch
Auslesen gesondert sind und nicht von ver-
schiedenen Gewächsen stammen. — Zoll: Gal-
gantwurzel 50 M.; Galgantöl 30 M.

Galipot nennt man das von der Meeres-
strandfichte in Frankreich gewonnene Harz;
vergl. Fichtenharz.

Galitzenstein, blauer, ist eine viel ver-
breitete Bezeichnung für Kupfervitriol (s. d.)~
Weißer G. ist Zinkvitriol. — Zoll: Kupfer-
vitriol s. Tarif Nr. 296; Zinkvitriol zollfrei.

Galläpfel (Gallen, lat. Gallae, frz. Galles,.
Noix de galles, engl. Gall-nuts). Dieser tech-
nisch außerordentlich wichtige Handelsartikel
besteht aus den Auswüchsen, welche von den
Gallwespen, besonders an Eichen veranlaßt
werden, indem das weibliche Insekt mit sei-
nem Legestachel die jungen Blattknospen,
Zweige, Blätter oder Früchte anbohrt und
seine Eier einschiebt. Durch die Verwundung
entsteht ein krankhafter Säftezufluß und da-
durch eine Anschwellung, welche fortwächst
und im Innern saftig bleibt, solange tierisches;
Leben in ihm wohnt. Schließlich frißt sich
das Tier als vollkommenes Insekt oder als
Made heraus, um sich außerhalb weiter zu
verwandeln. Die Gallen müssen möglichst
vor dem Zeitpunkte des Auskriechens ge-
sammelt werden, weil sie dann schwer, grün
oder schwarzblau und am reichsten an Gerb-
säure sind. Die vom Tiere verlassenen, also
angelöcherten G., sind ärmer an Gerbsäure,
heller von Farbe, schwammig und leicht.
Der Gerbstoffgehalt, welcher den Wert der
Gallen ausmacht, unterliegt außerordentlichen
Schwankungen, welche vom Klima, von der
Art der Eichen und von der Tierart abhängen.
Die besten orientalischen Gallen können
60—65°/o Gerbsäure enthalten, und aus diesem
Grunde wurden in Europa früher immer G.
aus dem Orient — Kleinasien, Syrien — ver-
braucht. Weniger Bedeutung haben die G.
des südlichen Europas, und die Länder der
gemäßigteren Klimate kommen als Lieferanten
gar nicht in Betracht, obschon die Eichen G.
genug tragen, die auch hier und da lokal be-
nutzt werden mögen. Seit Mitte des vorigen