﻿Galläpfel

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Gallussäure

Jahrhunderts haben sich die Handelsverhält-
nisse zum Vorteil der Konsumenten wesent-
lich geändert und zwar durch Einführung bil-
ligerer chinesischer und japanischer G.,
welche, obschon ihrer Natur und ihrem Ur-
sprünge nach von der bekannten Ware ver-
schieden, doch ganz geeignet sind, die anderen
Sorten bis zu einem gewissen Grade zu ver-
drängen, oder doch wenigstens deren Preise
herabzudrücken. Im allgemeinen unterscheidet
man drei natürliche Gruppen von Gallen:
levantische (türkische, orientalische), euro-
päische und chinesisch-japanische. Die
ersteren, welche wieder mehrere Sorten bil-
den, sind meistens das Produkt der Gall-
wespe, Cynips tinctoria auf der stets
strauchförmig bleibenden Galleiche, Quer-
cus infectoria. Kleinasien, Syrien, Meso-
potamien sind die Sammelländer, Smyrna
und Konstantinopel die Hauptversandplätze.
Alle levantiner Ware unterscheidet sich von
der übrigen leicht durch die höckerige stache-
lige Beschaffenheit der Oberfläche. Die immer
rundlichen levantinischen Gallen variieren von
der Größe einer Erbse bis zu 2x/2 cm Durch-
messer. Bei allen Sorten unterscheidet man
dunkel- und hellfarbige, und zwar sind sie ent-
weder noch in Mischung, wie sie die Natur gibt
(in sortis), oder durch Auslesen gesondert (ele-
giert). Gesammelt werden die Gallen zweimal
im Jahre. Diejenigen der ersten Ernte bilden
die bessere Sorte, welche sowohl dort als
auch in Preiskuranten als Jerli bezeichnet
wird. Die gangbarste Sorte ist diejenige von
Aleppo (Gallae Halepenses), mittelgroße,
sehr höckerige G. Noch größer, sehr reich
an Tannin und durch eine feine Bestäubung
kenntlich sind die G. von Mossul am Tigris,
welche in Mesopotamien gesammelt und ge-
wöhnlich über Bombay nach London ge-
bracht werden. Geringere levantinische Sor-
ten von schwammiger Beschaffenheit sind
die Tripolitaner und die syrischen oder
Smyrnaer, die aus Natolien kommen. Eu-
ropäische Gallen sind sämtlich von ge-
ringerer Qualität als die vorigen, leichter,
hellfarbiger und öfter gefleckt, verschieden
und unregelmäßig gestaltet, glatt oder run-
zelig, hingegen nie stachelig oder höckerig.
Unter den Eichbäumen, welche solche Aus-
wüchse liefern, spielt die Cerris- oder Bur-
gundereiche die Hauptrolle. Als verschiedene
Sorten werden gewöhnlich aufgeführt: Mo-
rea-G., cyprische, istrianer, ungari-
sche, italienische und französische G.,
doch geht ihre an sich geringe Bedeutung
urri so mehr zurück, als gute Ware jetzt
wi div aUS '^s^en an den Markt gebracht
r r • Uie chinesischen und japanischen
nr^-h611 s*nc* weder Produkte von Eichen,
p. i t Gallwespen, sondern Gebilde, die von
r>i“., aus.ea (Aphis Chinensis) auf den
„ . er? emer Sumachart (Rhus) hervor-
ö c t werden, hohle dünnwandige Blasen
i geräumiger innerer Höhlung, die den
leren zur Brutstätte und Wohnung dienen,
m Handel erscheinen diese Gebilde teils zer-
rochen, teils noch vollständig, sie sind keulen-

förmig gestaltet und hier und da mit vor-
springenden stumpfeckigen Ausbuchtungen
besetzt. Die sehr leichten Hülsen sind knorpelig,
spröde, auf dem Bruche harzglänzend. Die
Droge enthält ganz dieselbe Gerbstoffart wie
die anderen Sorten, und zwar in größerer
Menge als die aleppischen Gallen (bis 70°/o). Die
Gerbsäure läßt sich aus beiden mit gleicher
Leichtigkeit ausziehen. Bei uns seltener vor-
kommende Sorten sind Guli-i-pista, welche
aus Persien auf den indischen Markt gelangt,
sowie Kakdasinghi und Padwus. Die G.
finden ihre hauptsächlichste Verwendung in
der Färberei, zum Schwarz-, Braun- und Grau-
färben von Wolle, Leder, Rauchwaren usw.,
ferner zur Tintenbereitung und zur Herstel-
lung der Gerb-, Gallus- und Pyrogallus-Säuren.
Wie bei der Tinte beruht auch bei der
Färberei die Wirkung der G. darauf, daß ihr
Gerbstoff mit Eisensalzen schwarze Nieder-
schläge von gerbsaurem Eisen bildet. Bei
vielen anderen Gerbstoffen erscheint die Fäl-
lung abweichend, z. B. schmutzig grünbraun
gefärbt. Als Gerbstoff benutzt man die G.
nur bei gewissen dünnen feineren Ledern,
Saffian u. dgl., mit Ausnahme der chinesi-
schen Gallen, welche als zum Gerben ganz
untauglich erklärt werden. — Zoll: S. Tarif
Nr. 94.

Gallein, ein violetter Farbstoff, wird durch
Erhitzen von Phthalsäureanhydrid mit Gallus-
säure oder Pyrogallol erhalten und ist dem-
nach ein Pyrogallolphtalexn. Man erhält es
entweder als violetten Teig (en päte), oder
als dunkelgrünes metallglänzendes Kristall-
pulver. Es ist in kaltem Wasser wenig, in
heißem leichter mit scharlachroter Farbe lös-
lich und färbt gebeizte Wolle violett. —
Zollfrei.

Gallocyanin (Solidviolett, Violet so-
lide), ein blauer Farbstoff, wird erhalten
durch Einwirkung von salzsaurem Nitrosodi-
methylanilin auf Gallussäure oder auf Tannin
und besteht aus dem Chlorhydrat der Di-
methylphenylamidoxyphenoxazinkarbonsäure.
Das G. kommt gewöhnlich als grünlichgrauer
Teig in den Handel, der beim Austrocknen
ein bronzefarbenes Pulver bildet. In Wasser
ist es unlöslich, in Alkohol mit blauvioletter
Farbe löslich. In konzentrierter Schwefelsäure
löst sich das G. mit kornblumenblauer Farbe,
die beim Verdünnen mit Wasser in Rot
übergeht. Der Farbstoff wird in Verbindung
mit Chrombeize in der Zeugdruckerei zur
Herstellung von Blauviolett auf Wolle und
Baumwolle benutzt. — Zollfrei.

Galloflavin ist ein in Wasser unlöslicher,
in Alkohol nur sehr wenig löslicher Farbstoff,
der durch vorsichtige Oxydation von Gallus-
säure durch die Luft in wäßriger oder alko-
holischer, alkalischer Lösung erhalten wird
und als grünlichgelber Teig in den Handel
kommt. G. gibt mit Chrombeizen auf Baum-
wolle gedruckt einen grünlichgelben Lack und
färbt Wolle, mit Chromsalzen gebeizt, seifen-
echt hellgelb. — Zollfrei.

Gallussäure (lat. Acidum gallicum, frz.
Acide gallique, engl. Gallic acid) kommt im