﻿Galmei

150

Geheimmittel

Tee, Divi-Divi und zahlreichen Pflanzen vor
als ein Zersetzungsprodukt und ständiger Be-
gleiter der Gerbsäure, aus welcher sie durch
einfache Abspaltung von Kohlensäure ent-
steht. Zu ihrer Darstellung wird ein Gall-
äpfelauszug, eine Tanninlösung oder auch ein
Brei von Galläpfelpulver und Wasser unter
öfterem Umrühren der Einwirkung der Luft
und sich ansiedelnder Schimmelpilze über-
lassen, bis eine herausgenommene Probe mit
Leimwasser keinen Niederschlag mehr er-
zeugt. Die heiß abfiltrierte Lösung wird dann
mit Kohlenpulver eingedampft und der Rück-
stand mit Alkohol extrahiert. Ein anderes
Verfahren beruht auf der Umwandlung von
Tannin oder Gerbsäure durch Kochen mit
verdünnter Schwefelsäure oder Kalilauge. Syn-
thetisch kann sie durch Behandlung von Di-
jodsalizylsäure mit Kalilauge gewonnen wer-
den. Die G. bildet in reinem Zustande feine
weiße Nadeln, die anfangs schwach sauer,
später zusammenziehend schmecken und in
kaltem Wasser und Äther schwer, in heißem
Wasser und Alkohol leicht löslich sind. Die
wäßrige Lösung wird zum Unterschied von
Gerbsäure durch Leim oder Eiweiß nicht
gefällt, durch Eisenchlorid aber dunkelblau-
violett gefärbt. Mit wenig Kalilauge entsteht
eine Grünfärbung, die auf Säurezusatz in
Purpurrot umschlägt. Beim Erhitzen auf 200°
geht die G., in chemischer Hinsicht Tri-
oxybenzoesäure, unter Abspaltung von
Kohlensäure in Pyrogallol über, zu dessen
Darstellung sie benutzt wird. Ihrer wich-
tigsten Eigenschaft, dem Reduktionsvermögen
gegen Metallsalze, verdankt sie ihre vielfache
Anwendung in der Photographie. — Zollfrei.

Galmei ist die bergmännische Bezeichnung
für das beste Zinkerz, das aus kristallisiertem
kohlensauren, zum Teil auch kieselsaurem
Zinkoxyd besteht. Vgl. Zink. — Zollfrei.

Gamander (Bathengel, lat. Herba cha-
maedryos, frz. Plante fleurie de germandröe,
engl. Germander), ein nur noch selten vor-
kommender Artikel des Drogenhandels, be-
steht aus dem getrockneten Kraute einer in
Süddeutschland und der Schweiz wachsenden
Labiate, Teucrium Chamaedrys, von
balsamischem Geruch, bitterem und herbem
Geschmack, welche in der Volksmedizin als
blutreinigender Tee verwendet wird. — Zoll-
frei.

Gambir ist eine Bezeichnung für beson-
dere Arten von Katechu (s. d.). — Zoll: 3 M.

Garneelen (Granaten, Garnaten, frz.
Crevettes, engl. Shrimps) sind kleine Krabben
oder Krebschen, von denen allein in den
europäischen Meeren über 90 Arten Vorkom-
men. Die gewöhnlichste derselben: Cran-
gon vulgaris, ist seitlich zusammengedrückt,
fleischfarbig und so durchscheinend, daß ihre
Eingeweide erkennbar sind. Die Tiere leben
im seichten Küstenwasser rings um England,
an der französischen und Nordseeküste in
unerschöpflicher Menge und werden fast das
ganze Jahr hindurch täglich lastenweise aus
dem Meere geschöpft, ohne daß sich eine
Abnahme zeigt. Die gefangenen Tiere wer-

den sogleich nach dem Landen in Salzwasser
abgekocht und dadurch so weit haltbar, daß
sie per Eisenbahn auch ins Binnenland ver-
sandt werden können. Die in letzter Zeit
in Büchsen konservierten Krabben sind durch
Zusatz von Borsäure haltbar gemacht worden,
doch ist die Zulässigkeit dieses Verfahrens
von den medizinischen Sachverständigen
mehrfach bestritten worden. Die unverkäuf-
lichen G. werden auch zu Dünger verarbeitet,
geröstet und gepulvert (Granatguano). —
Zoll: S. Tarif Nr. 123/4.

Gaultheriaöl (Wintergrünöl, lat. Oleum
gaultheriae, frz. Huile gaulthörique, engl.
Oil of Wintergreen), ein aus Nordamerika
zu uns kommendes ätherisches öl, wurde
früher ausschließlich aus der zu den Haide-
arten gehörigen immergrünen Kriechpflanze,
Gaultheria procumbens, die besonders
im Staate Neu-Jersey kultiviert wird, ge-
wonnen. Die Ausbeute beträgt 0,7 °/o der
Blätter. In gereinigtem Zustande ist es fast
farblos, gewöhnlich aber gelb oder grünlich
gefärbt, schwerer als Wasser (1,170) und hat
einen durchdringenden eigentümlichen Ge-
ruch und würzhaften Geschmack. Neueren
Nachrichten zufolge soll dieses Öl jetzt nur
noch aus dem Holze und der Rinde einer
Birke, Betula lenta, in Nordamerika ge-
wonnen werden. Beide öle sind in Geruch
und Zusammensetzung identisch. Das G. be-
steht zum größten Teile aus Salizylsäure-
methylester, welcher auch künstlich aus
Salizylsäure und Holzgeist hergestellt wird.
Es findet bei uns Anwendung zum Parfü-
mieren von Seifen, sowie in der Medizin
gegen Rheumatismus. Das öl ist in dunklen
Flaschen vor Licht geschützt aufzubewahren.
— Zoll: 30 M.

Geheimmittel. Der Verkehr mit G., d. h.
zur Heilung oder Verhütung menschlicher
oder tierischer Krankheiten bestimmter Prä-
parate von geheim gehaltener Zusammen-
setzung ist im Interesse der Volkswohlfahrt
gewissen Einschränkungen unterworfen. Nach
der Verordnung des Bundesrates müssen die
Gefäße und Umhüllungen der besonders nam-
haft gemachten G. eine Inschrift mit dem
Namen des Mittels und des Verfertigers, des
Verkäufers und des Abgabepreises tragen,
hingegen dürfen Anpreisungen auf diesen
Umhüllungen nicht angebracht oder beim
Verkaufe des Mittels verabfolgt werden. Die
öffentliche Anpreisung der Mittel ist verboten.
Bezüglich der weiteren, für Apotheker gel-
tenden Bestimmungen, sowie der Namen der
betreffenden Mittel selbst muß auf die Ver-
ordnung verwiesen werden. Am 14. Juli 1903
hat das 'Königl. Sächsische Ministerium des
Innern weiter die Ankündigung aller Mittel
zur Verhütung, Linderung oder Heilung von
Menschen- oder Tierkrankheiten verboten,
wenn den Mitteln über ihren wahren Wert
hinausgehende Wirkungen beigelegt werden,
oder das Publikum durch die Art ihrer An-
preisung irregeführt oder belästigt wird, oder
wenn die Mittel Gesundheitsstörungen her-
vorzurufen vermögen. — Zoll: 500 M.