﻿Gelbholz

Geilnauer Quelle	151

Geilnauer Quelle von Geilnau a. d. Lahn
in Nassau besitzt nach der Analyse von
R. Fresenius (1857) folgende Zusammen-
setzung für 1000 Gewichtsteile: 1,0602 g
Natriumbikarbonat, Spur Lithiumbikarbonat,
0,0013 g Ammoniumbikarbonat, 0,4905 g Kal-
ziumbikarbonat, 0,0002 g Baryumbikarbonat,
Spur Strontiumbikarbonat, 0,3631 g Magne-
siumbikarbonat, 0,0383 g Ferrokarbonat,
0,0046 g Manganoxydulbikarbonat, 0,0362 g
Natriumchlorid, 0,0176 g Kaliumsulfat,
0,0085 g Natriumsulfat, Spur Aluminium-
phosphat, 0,0004 g Natriumphosphat, Spuren
Natriumborat und Nitrat, 0,0247 g Kiesel-
säure und 2,7866 g freie Kohlensäure.

Gelatine (lat. Gelatina, frz. Gölatine, engl.
Glue). Diesen Namen führt der reinste, farb-
lose und durchsichtige Leim, der mit beson-
derer Sorgfalt aus Kälberknochen bereitet
wird. Zuweilen werden auch Hautabfälle ver-
arbeitet, liefern aber eine geringere Sorte. Bei
den Verwendungen der G. kommt weniger
die Bindekraft, als hauptsächlich die völlige
Farblosigkeit und Glasähnlichkeit in Be-
tracht. Solche reine helle Ware wird nament-
lich für Papeteriewaren, zum Überziehen von
Bildern, in der Photographie und zu Kondi-
toreizwecken viel benutzt. Die käufliche G.
ist meist ziemlich hell und durchsichtig und
bildet längliche, sehr dünne und biegsame,
doch dabei leicht zerspringende Blätter. Die-
selben zeigen wie der Leim die Eindrücke,
welche von dem Bindfadengeflecht der
Trockenhorden verursacht worden sind. Doch
gelangen neuerdings auch sehr große, dünne
Gelatinetafeln ohne solche Eindrücke in den
Handel, welche zum Überdecken der Gegen-
stände in Schaufenstern benutzt werden.
Außerdem gibt es unter dem Namen
Weinschöne (Colle gelatine) auch brauneG.
zum Klären trüb gewordener Weine. Die
Darstellung der G. erfolgt durch Auskochen
frischer, völlig gereinigter Kalbsknochen im
Vakuum mittels Dampf. Die zuerst erhaltene
fetthaltige Lösung wird abgelassen, die später
entstehende, völlig fettfreie Flüssigkeit läßt
man in nicht zu hoher Konzentration bei er-
höhter Temperatur stehen, wobei sich alle
Verunreinigungen zu Boden setzen. Die ge-
klärte Lösung gießt man noch warm auf
polierte Schiefer- oder Marmorplatten und
läßt sie hier zu Tafeln erstarren, die man
dann in die Größe der verkäuflichen Täfel-
chen zerschneidet und auf Netzrahmen gelegt
an der Luft und schließlich in Trockenstuben
trocknet. In dieser Form ist die völlig ge-
ruch- und geschmacklose G. ohne weiteres
zu den verschiedenen Gelees der Konditorei
UIhI ?üche, ™ Apotheken zu Kapseln um
ec"t schmeckende Arzneien usw. verwend-
. ar]' 7~ In anderer Weise wird die nur für
I*Iscne Zwecke bestimmte G. hergestellt,
z .. «die verschiedensten Knochen, Dreh-
spane, Hufe u. dgl. Verwendung finden. Man
7 Vt - Mater>alien nach dem Waschen und
Zerkleinern so lange in verdünnte Salzsäure,
bis alle mineralischen Bestandteile aufgelöst
sind und der reine Knorpel übrig bleibt. Um

die noch anhaftende Säure möglichst zu ent-
fernen, hängt man die Masse in Säcken in
fließendes Wasser, oder behandelt sie mit
Kalkmilch und wäscht mit reinem Wasser
nach. Die aus den Knorpeln erhaltene G.
ist gefärbt und muß daher gebleicht werden.
Dies geschieht meist mit schwefliger Säure.
In der Küche benutzt man auch mit Teer-
farben oder Karmin gefärbte G., namentlich
rote. — Zoll: Gelatine und Gelatinekapseln
s. Tarif Nr. 375/6. Gelatinekapseln mit Zucker
versetzt Nr. 212. Gelatinepapier Nr. 664.

Gelbbeeren (Avignonbeeren, frz. Grains
d’Avignon, Grains de Perse, engl. Yellow
berries, Persian berries) nennt man die unreif
gepflückten und getrockneten Früchte meh-
rerer Arten von Kreuzdorn, die, meist in
südlichen Ländern heimisch, einen nutzbaren
Farbstoff enthalten. Am geschätztesten sind
die großen grünlichgelben persischenG.von
Rhamnus oleoides. Daneben finden sich
im Handel kleine runzelige und dunkelfarbige

französische G. (Avignonbeeren) von Rh. in-
fectoria, ungarische G. vonRb. tinctoria
und saxatilis, sowie die geringwertige sog.
deutsche Ware vom gemeinen Kreuzdorn,
Rh. cathartica. DieG.enthalten dasGlukosid
Xanthorhamnin, welches unter Zersetzung
einen gelben Farbstoff, Rhamnetin, ab-
spaltet, und werden daher in Form ihrer
wäßrigen Abkochung in der Färberei und
Druckerei verwandt. Mit Zinn- und Tonerde-
beizen liefern sie schöne, wenngleich nicht
besonders haltbare gelbe und grüne Nuancen,
mit Eisenbeize schwarzbraune Färbungen.
Die billigeren Sorten dienen mit Zusatz von
Alaunlösung zur Herstellung von Schütt-
gelb. Die neuerdings eingeführten chine-
sischen G. bestehen aus den Blütenknospen
von Sophora japonica und enthalten einen
Farbstoff, der mit demjenigen der Quer-
zitronrinde identisch ist. Nach anderen An-
gaben sollen auch die crocinhaltigen Früchte
von Gardenia grandiflora als chinesische
G. bezeichnet werden. — Zollfrei.

Gelbholz (lat. Lignum flavum, Lignum cit-
rinum, frz. Bois jaune, engl. Fustic-wood).
Das echte Gelbholz, gelbes Brasilienholz, auch
Fustik und zwar alter Fustik, zum Unter-
schiede vom neuen Fustik oder Fisetholz
(s. d.) genannt, stammt von dem westindischen
und südamerikanischen Färbermaulbeer-
baum (Morus tinctoria) und ist eins der
vielgebrauchtesten Farbhölzer. Es erscheint im
Handel teils in ganzen scheitlangen Stamm-
abschnitten, teils zu Scheiten zerspalten, teils
auch im Kleinverkehr geraspelt. Das Stamm-
holz ist von Rinde und Splint befreit, da
diese keine färbenden Bestandteile enthalten,
während die Holzmasse auf frischem Schnitt
hell zitronengelb mit vielen orangengelben
Adern durchzogen erscheint. Von den ver-
schiedenen Sorten dieses Holzes gilt das
schwerste und am lebhaftesten gefärbte als
das beste. Obenan steht hierin das Kuba-
holz, das aber nicht nur von Kuba, sondern
auch von den übrigen Antillen kommt.
Weniger gehaltreich sind Tuspan, Tarn-