﻿Gelees

Geraniumöl

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piko, Carmen, Tabasco und Domingo.
Der Farbstoff ist doppelter Natur und be-
steht teils aus Maclurin, früher Morin-
gerbsäure genannt, teils aus Morinsäure
(an Kalk gebunden), welche in heißem Wasser
nicht löslich ist. Das Holz läßt sich daher
durch Wasser nicht erschöpfen, sondern gibt
nach völliger Extraktion mit Wasser auf Zu-
satz von Kalkmilch noch eine intensiv gelb
färbende Lösung. Der Farbstoff bräunt sich
in den Brühen durch Einwirkung der Luft,
so daß diese rasch verbraucht werden müssen.
Sie verleihen alaungebeizten oder auch schon
ungeheizten Zeugen eine haltbare gelbe Fär-
bung, die den Einwirkungen von Säuren
besser wie jedes andere Gelb widersteht, doch
nicht sehr schön ist. Das Holz dient daher
auch seltener für sich allein zum Gelbfärben,
als vielmehr in Verbindung mit anderen Stof-
fen zur Herstellung von Mischfarben, so mit
Indigo zu Sächsischgrün, ferner zu hell und
dunkler braunen und olivengrünen Nuancen
und zu Schwarz auf Wolle, Seide, Baum-
wolle in der Färberei und Kattundruckerei.
Neben dem Holz kommt auch Gelbholz-
extrakt in den Handel, das wie Blauholz-
extrakt bereitet wird, aber nicht so spröde
und glasartig ist und eine dunkel schmutzig-
gelbe Farbe hat. Für die Zwecke der Zeug-
druckerei endlich wird aus dem Gelbholz ein
Farblack (Gelbholzlack, Kubalack) fabri-
ziert, der als olivengrüner Teig in den Handel
kommt. Man gewinnt ihn durch Zusatz von
Alaun und Ammoniak zu der wässerigen Ab-
kochung des G. und Abfiltrieren des entste-
henden Niederschlags. Dichtes hochfarbiges
Gelbholz dient auch als Material in der Kunst-
tischlerei. — Zoll: Gelbholz ist zollfrei. Gelb-
holzextrakt s. Tarif Nr. 328.

Gelees (Fruchtgelees) bestehen wie die
Fruchtsirupe aus dem mit Rohrzucker ver-
setzten Preßsaft frischer Früchte, jedoch wird
bei ihnen das Einkochen so weit fortgesetzt,
bis sie nach dem Abkühlen gallertartig er-
starren. In neuerer Zeit werden auch solche
Früchte, welche keine gelatinierenden Stoffe
enthalten, unter Zuhilfenahme von Agar,
Gelatine u. dgl. auf Gelees verarbeitet, jedoch
sind dann die abnormen Zusätze zu dekla-
rieren. Bezüglich der übrigen Verfälschungen
gilt das unter Fruchtsäften, bzw. Himbeer-
saft angeführte. — Zoll: 60 M., s. Tarif
Nr. 213.

Gelsemiumwurzel (lat. Radix gelsemii, frz.
Racine de Gelsömium, engl. Gelsemium root),
die getrocknete Wurzel der im südlichen Teile
der Vereinigten Staaten heimischen Logania-
cee, Gelsemium sempervirens, kommt
in Form zylindrischer bis 3 cm dicker
Stücke in den Handel. Die faserige Rinde ist
mit einer gelbbräunlichen Korkschicht be-
deckt, der feste Holzzylinder weiß, auf dem
Querschnitte grob porös und strahlig. Die
Rinde enthält eine eigentümliche Säure, die
Gelseminsäure, und zwei giftige Alkaloide,
das Gelsemin und Gelseminin. Letzteres
ist nicht kristallisierbar. G. findet als Ab-

kochung, Tinktur oder Fluidextrakt medizi-
nische Verwendung z. B. gegen Keuchhusten.
Auf dem chinesischen Markt kommt unter
dem Namen Humeng-tsao eine ähnliche
giftige Wurzel vor, die von Gelsemium
elegans abstammen soll. — Zollfrei.

Genever, ein feiner, aus Getreide bereiteter,
ursprünglich holländischer Branntwein, be-
sitzt einen schwachen Geschmack nach Wach-
olderbeeren, die man bei der Destillation in
geringer Menge zusetzt. —- Zoll: S. Tarif
Nr. 178/79.

Genteies Grün wird durch Fällen von
Kupfervitriol mit einer neutralisierten Lösung
von Zinn in Königswasser dargestellt. Es ist
in chemischer Hinsicht zinnsaures Kupfer und
findet als schöne grüne Farbe Anwendung.
Trotz der angeblichen Ungiftigkeit unterliegt

G.	den für kupferhaltige Farben (s. d.) er-
lassenen Vorschriften. — Zollfrei.

Gentianablau (Opalblau, Lichtblau)
ist identisch mit spritlöslichem Anilin-
blau, das wie Anilinblau, aber aus einem
Gemisch von Rosanilin und Pararosanilin her-
gestellt wird. Es ist unlöslich in Wasser und
färbt Wolle und Seide grünlich blau. —
Zollfrei.

Geraniumöl (lat. Oleum geranii, frz. Es-
sence de göranium, engl. Geranium-oil).
Unter diesem Namen finden sich verschiedene
ätherische Öle im Handel, welche rosenähn-
lichen Geruch besitzen und durch Destillation
von Geranium- oder Pelargonium odo-
ratissimum hergestellt werden. Die Aus-
beute beträgt 0,2—0,3 °/o, Als feinste Sorte gilt
das französische G. von Pelargonium odora-
tissimum, nach Gintel von P. radula. Ihr zu-
nächst steht das afrikanische G. von P.
roseum und das spanische G., während das
deutsche G. nur geringe Bedeutung besitzt.
Das türkische G. oder Palmarosaöl (lat.
Oleum palmarosae, türkisch Idris Yaghi),
welches aus verschiedenen Geraniumsorten
destilliert wird, kommt in niedrigen kupfernen
Ramiören von 75 kg Inhalt zum Verkehr und
besitzt infolge eines geringen Kupfergehaltes
bisweilen eine grünliche Farbe. Die G. der
verschiedenen Provenienzen sind hellgelbe bis
bräunliche und grünliche Flüssigkeiten, deren
spez. Gew. bei 0,890—0,910 und deren Siede-
punkt bei 216—220° liegt. Sie lösen sich in
dem dreifachen Volum 70prozentigem Alkohol
und drehen die Ebene des polarisierten Lichtes
nach links (aD = — 6,5 bis — 16). Ihr wich-
tigster Bestandteil ist das Geraniol, neben
welchem noch ein zweiter Terpenalkohol, Zi-
tronellol, auf tritt. G. dient zum Parfü-
mieren, ferner zur Verfälschung des Rosen-
öls und wird selbst vielfach verfälscht durch
fette Öle, Kokosfett, Terpentinöl und dergl.
Das sog. indische G. oder Gingergrasöl,
welches bisweilen ebenfalls als türkisches oder
Palmarosaöl bezeichnet wird, stammt von An-
dropogon Schoenanthus. Es enthält eben-
falls Geraniol, besitzt aber einen abweichenden
Geruch. Nach einer Mitteilung von Schim-
mel soll übrigens auch noch das Gingergrasöl