﻿Gerstenzucker

154

Gewürznelken

Gerstenzucker (Malzzucker, lat. Sac-
charum maltis) nannte man früher die durch
Einkochen eines mit Zucker versetzten Aus-
zuges aus Gerste oder Malz erhaltene feste
Masse. Zurzeit wird meist eine gewöhnliche
Zuckerlösung eingekocht und auf glatte, ge-
ölte Platten gegossen, darauf in Streifen ge-
schnitten, schraubig gedreht und auf Blechen
getrocknet.

Gesundheitsgeschirre (Sanitätsge-
schirre). Mit diesem Namen belegt man
diejenigen Topfgeschirre, welche keine Blei-
glasur sondern irgend eine andere giftfreie
Glasur besitzen. — Zoll: S. Tarif Nr. 732.

Getah-Lahoe (Sumatrawachs) ist ein
vegetabilisches Wachs, welches auf der Insel
Sumatra aus dem Milchsäfte von Ficus ceri-
f lua (Jungh.) gewonnen und dort, wie auch in
Java, gleich dem Bienenwachse verwendet
wird. G. ist eine harte, graue Masse vom
spez. Gew. 0,963, schmilzt bei 61° C. und
löst sich vollständig in kochendem Weingeist
und in Äther. — Zoll gern. Tarif Nr. 73.

Getee (Getel, engl. Jetee fibre), die Bast-
faser von Marsdenia tenacissima, einer
in Ostindien wachsenden Pflanze, wird in
ihrer Heimat wegen ihrer Stärke und ihres
seidenartigen Glanzes viel verwendet. — Zoll:
Vgl. Flachs.

Getreide (Zerealien, Halmfrüchte,
frz. Bld, Grains, engl. Corn, Grain). — Unter

G.	versteht man im engeren Sinne die Samen
von Weizen, Roggen und Gerste, im weiteren
Sinne auch noch Mais, Hafer, Buchweizen
und Hirse. Der Handel mit G. bildet den
wichtigsten Zweig des Lokal- wie des Welt-,
des Klein- wie des Großhandels, und zwar
sowohl hinsichtlich der Größe des Umsatzes,
als auch seiner Bedeutung für das Volkswohl.
Er dient dem Massenverbrauch für Arm und
Reich in allen Klimaten und Weltteilen und
verdient die allseitigste Förderung, weil der
Jahresertrag an Getreide lokal in beträcht-
lichem Grade durch die Witterung beeinflußt
wird, während die verbesserten Transportver-
hältnisse durch Eisenbahnen und Schiffahrt
im großen und ganzen Schwankungen über
oder unter die Mittelpreise verhindern. Nur
bei noch unentwickeltem Verkehr, wie z. B. in
Rußland oder im Innern von Asien und
Afrilm. gibt es auch jetzt noch Hungersnöte
an einzelnen Stellen, und weite Strecken mit
herrenlos wachsendem Getreide oder unver-
wertbarer Massenanhäufung zu gleicher Zeit.
In Mittel- und Westeuropa kommen Not-
preise nur noch lokal vor, wenn im Winter
die Unzulänglichkeit der Ernte sich da zeigt,
wohin die Zufuhr nicht zur Ausgleichung
gerichtet werden kann. Die jetzigen Einrich-
tungen haben dem Getreidehandel eine große
Stabilität gegeben. Die großen Saat- und
Getreidemärkte (Wien, Leipzig, London, Am-
sterdam usw.), welche vor der Ernte abge-
halten werden, dienen dem Zwecke, über
den Jahresertrag in den einzelnen Ländern
Klarheit zu verschaffen, und hiernach Ab-
und Zufuhr regeln zu können. Sie stellen ge-
wissermaßen die internationalen Versiche-

rungsinstitute gegen Notpreise (zu hohe oder
zu niedrige) dar und bewirken im großen
und ganzen die Erhaltung aller in regem
Handelsverkehr stehenden Länder auf dem
Niveau des angemessenen Durchschnitts-
satzes (bezeichnet mit 100), bei welchem sich
sowohl die Landwirte, als die Verzehrer in
den Stadtbezirken am wohlsten befinden. Der
Massenverbrauch an G. ist dadurch bedingt,
daß dieses das Hauptnahrungsmittel der Men-
schen bildet, sowie als Futtermittel für die
Haustiere und als Rohmaterial zur Gewinnung
technischer Erzeugnisse dient. Als wichtigste,
aus Getreide hergestellte Produkte sind Bier
(Gerste, Weizen), Branntwein (Gerste, Rog-
gen, Mais), Stärke (Weizen, Mais) namhaft
zu machen. Als Getreide ausführende Länder
kommen besonders in Betracht Rußland, die
Vereinigten Staaten Nordamerikas, Ostin-
dien, Rumänien, Dänemark, Schweden, Ägyp-
ten und die nordafrikanischen Staaten über-
haupt, Südamerika und Australien. Gleich-
gewicht im Verbrauch und Erzeugnis mit nur
geringer Differenz zeigen Österreich-Ungarn
(früher starke Mehrausfuhr) und Frankreich
(früher Mehreinfuhr). Der steten Einfuhr be-
dürfen Großbritannien und Irland, Spanien,
Italien, Belgien, die Niederlande, Portugal,
Finnland, die Schweiz, Griechenland, Nor-
wegen und Deutschland, welches bis etwa
1870 noch Mehrausfuhr besaß. — Sehr wich-
tig für den Handel mit G. ist die Aufbe-
wahrung der Ware, welche im Süden in
Silos (Gruben in der Erde), im Norden in
besonderen Getreidetürmen mit Bewegungs-
apparat, auf Speichern (Kornböden) oder in
Zylindern geschieht. — Zoll: S. Tarif Nr. 1
bis 10.

Gewürze (frz. Epicös, engl. Spiee) ist der
Sammelname für eine große Zahl vegeta-
bilischer Produkte, Samenkörner, Knospen,
Rinden, Wurzeln, Blätter und Kräuter, welche
wegen ihres hohen Gehaltes an ätherischen
Ölen, stark aromatischen Geruchs und feinen
Geschmacks in der Küche, in der Bäckerei, zur
Likörfabrikation, bei Zuckerbäckern, in Apo-
theken, Drogerien usw. Verwendung finden.
Die meisten G. liefern die Tropen. Der Han-
del war ursprünglich Monopol der Holländer,
welche noch jetzt einen bedeutenden Umsatz
in G. haben. Soweit von Bedeutung, finden
sie ihre Besprechung unter den besonderen
Namen. — Zoll: S. bei den einzelnen Ar-
tikeln. Nicht besonders genannte Gewürze
50 M. — Äth. Öle 30 M.

Gewürznelken (Nelken, Näglein, lat.
Caryophylli, frz. Girofies, engl. Cloves). Die-
ses beliebte Gewürz besteht aus den noch
nicht völlig entfalteten, getrockneten Blüten
des Nelkenbaumes (Caryophyllus aro-
maticus, Eugenia caryophyllata), eines
schönen immergrünen Baumes aus der Fa-
milie der Myrtaceen, welcher in seiner
Belaubung dem Lorbeer ähnelt und im
Schmucke seiner Blütenbüschel mit ihren
fleischigen, roten Kelchen und weißen Köpf-
chen einen prächtigen Anblick gewährt. Die
Pflanze ist heimisch auf den Molukken und