﻿Gewürzöl

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Gips

wird auf Amboina, ferner in großem Maß-
stabe auf Sansibar und Pemba, sowie in
geringeren Mengen in den westindischen
französischen Kolonien angebaut. Die beste
Sorte sind die ostindischen, auch Am-
boina-, Molukken oder englische Com-
pagnie-N. genannt; dann folgen die dunk-
leren Sansibar- und Madagaskar-N.,
and schließlich die ganz minderwertigen
Amerikanischen-, Antillen-, Cayenne-
oder Bourbon-N. Die Blüten werden noch
im Knospenzustande gepflückt, auf Matten
über schwachem Feuer etwas geräuchert, wo-
bei sie ihre braune Farbe annehmen, an der
Sonne völlig getrocknet und von den Stielen
befreit. Der Wert der N. hängt ab von
ihrem Gehalt an ätherischem öl (s. Nelkenöl),
der 16—20°/o beträgt. Daneben enthalten sie
noch 90/0 Fett, 6°/o Protein, 9,5% Rohfaser,
7,5% Asche und 45% Extraktstoffe. Markt-
fähige Ware muß schwer und voll, ohne
Schrumpfung und holzige Trockne, vielmehr
biegsam und weich sein und vor allem das
Köpfchen noch haben, weil dieses zur Erhal-
tung des Öles dient. Beim Drücken mit dem
Nagel muß reichlich Öl zutage treten. Die

G.	unterliegen zahlreichen Verfälschungen,
von denen die Beimengung extrahierter Ware
oder von Stielen am häufigsten sind. Die
erstere erkennt man daran, daß sie beim
Drücken kein Öl austreten läßt. Auch sinken
die vollwertigen G. in Wasser unter oder
schwimmen senkrecht darin, während die
extrahierten eine horizontale Lage einnehmen.
Der Gehalt an ätherischem Öl soll mindestens
10%, der Gehalt an Stielen höchstens 10%
betragen. Die gebräuchlichste Verfälschung
der gemahlenen G. Mehl und Zwieback er-
kennt man leicht mit Hilfe des Mikroskops,
weil G. keine Stärke enthalten. Eine einfache
Vorprüfung besteht in dem Verstäuben des
Pulvers auf Eisenchloridlösung, wobei alle
echten Teilchen sich blau färben. Die zur
Verfälschung benutzten Blütenstiele (Nel-
kenstiele, Nelkenstengel, Fusti) ent-
halten zirka 5—6% eines dem Nelkenöle ähn-
lichen aber weniger angenehm riechenden
ätherischen Öles und bilden einen zur Berei-
tung von Parfüm und Likören benutzten
Handelsartikel, ebenso die reifen Früchte des
Nelkenbaumes, die Mutternelken (Antho-
Phylli), welche zu Teegemischen und Augen-
wässem beschränkte Anwendung finden. —
Zoll 50 M.

Gewürzöl, ein Gemisch verschiedener ge-
würzhafter ätherischer Öle (Zitronen-, Zimt-,
Kardamomen-, Mazisöl usw.), welches von

rogisten als Zusatz zu Backwaren verkauft
™d; - Zoll: 30 M.

'Jießhübier Sauerbrunnen von Gießhübl-

uc stein in Böhmen. Die obere, sog. König
innn^U o und d’e untere Quelle haben für
Dewichtsteile folgende Zusammen-
1 Bikarbonate des Natriums:
bz^-.	1,0768 g, Kaliums 0,1086

(0,0860) g, Lithiums 0,0104 (0,0006) g, Kalzi-
“ms 0.3438 g (0,0222 g), Strontiums 0,0029 g
(—), Magnesiums 0,2134 (0,1341) g, Eisenoxy-

duls 0,0036 (0,0075) g, Manganoxyduls 0,0014
(0,0009) g; Chlorkalium 0,0304 (0,0216) g, Ka-
liumsulfat 0,0339 (0,0291) g; Tonerde 0,0029
(0,0027) g; Kieselsäure 0,0594 (0,0450) g; or-
ganische Stoffe 0,0019 (0,0018) g und freie
Kohlensäure 2,3739 (1,8507) g.

Giftlattich, eine zweijährige, besonders im
südlichen und südwestlichen Europa hei-
mische, zum medizinischen Gebrauche ver-
wendete Giftpflanze, Lactuca virosa, ge-
hört zu den Kompositen und ist eine nahe
Verwandte des Gartensalats. Die Pflanze ent-
hält einen brennend scharfen und bittem
Milchsaft, welcher teils in Form eines wein-
geistigen Extrakts (Extractum Lactucae viro-
sae), aus den frischen Blättern und Blüten
bereitet, teils als sog. Lactucarium ange-
wandt wird. Das letztere ist der an der Luft
erhärtete Saft, der durch Einschnitte ausge-
flossen ist, die man in der Blütezeit in den
Stengel der Pflanze gemacht hat. Die aus-
tretende weiße Milch trocknet dabei zu einer
bräunlichen Masse ein, die kratzend bitter
schmeckt und einen opiumähnlichen narko-
tischen Geruch besitzt. Außer diesem Pro-
dukt, das in Deutschland und England auf
dieselbe Weise gewonnen wird, benutzt man
auch, und zwar besonders in Österreich und
Frankreich, den gewöhnlichen Gartensalat
(Lactuca sativa) zur Darstellung von Lac-
tucarium, das ebenso, aber viel schwächer
wirkt als das vorige. — Zoll: Giftlattich und
Lactucarium zollfrei. Extrakt siehe Tarif
Nr. 386.

Gin nennt man verschiedene in England
gebräuchliche Sorten von Getreidebrannt-
wein, der mit Gewürzen destilliert wurde. —
Zoll gern. Tarif Nr. 178/9.

Gingelly ist eine Art ostindischer Raps,
der dort in bedeutender Menge angebaut und
sowohl im Lande selbst verbraucht, als auch
für die Zwecke der Ölbereitung nach England
exportiert wird. Man unterscheidet weißen
und schwarzen G. Kalkutta und Curachee
sind die Hauptplätze für diesen Artikel. —
Zoll: 5 M.

Ginsengwurzel (Kraftwurzel, lat. Radix
ninsi s. Ginseng, frz. Racine de ginseng,
engl. Ginseng-root). Die Chinesen legen
einen hohen Wert auf eine gewisse Wurzel,
die ihnen als ein Stärkungs- oder Reizmittel
dient, und die sie nicht allein aus dem Nor-
den ihres eigenen Landes, sondern auch von
auswärts, aus Japan, Korea und neuerdings
auch aus Nordamerika beziehen. Die Pflan-
zen, von welchen diese Wurzeln kommen,
gehören dem Geschlecht Panax an, in Ame-
rika ist es insbesondere P. quinquetolius,
ein Gewächs, das bei uns in Gärten und An-
lagen als Blattpflanze nicht selten vorkommt.
In unserem Arzneischatz hat sich die Droge
keine Stelle erringen können. Zollfrei.

Gips (Sparkalk, lat; Gypsum, Calcaria
sulfurica, frz. Gypse, Blätre, engl. Gypsum),
ein aus wasserhaltigem, schwefelsaurem
Kalk (Kalziumsulfat) bestehendes Mineral,
findet sich in verschiedenen Varietäten, teils