﻿Girofie	156	Glas

dicht und derb als festanstehendes Gestein,
teils in faserigen Aggregaten (Fas er gips)
oder als lockere schuppige Masse (Schaum-
gips) oder endlich in mehr oder weniger
großen Kristallen als Gipsspat, Frauen-
eis oder Marienglas (lat. Glacies Mariae).
Auch der Alabaster ist seiner chemischen Zu-
sammensetzung nach wasserhaltiges Kalzium-
sulfat. Der G. ist weicher als der Kalkstein
und läßt sich daher leicht gewinnen. Er ist
meist weiß, seltener farbig, und löst sich in
ungefähr 400 Teilen Wasser auf. Beim Er-
wärmen über 100° C verliert der G. Wasser
und ist bei 170° C vollkommen wasserfrei.
Dieser sog. gebrannte G. hat die Eigen-
schaft, beim Anrühren mit einer passenden
Menge von Wasser wieder zu erhärten, in-
dem er das Wasser chemisch bindet. Auf
dieser Eigenschaft beruht seine Anwendung
zur Herstellung von Abgüssen. Der gebrannte

G.	wird im feingemahlenen Zustande ver-
kauft. Wird der G. zu stark gebrannt, d. h.
bis auf 220° C erhitzt, so verliert er die
Eigenschaft, Wasser zu binden und damit
zu erhärten, und wird dann als tot ge-
brannt bezeichnet. Wasserfreier G. findet
sich auch schon in der Natur als fest an-
stehendes Gestein und heißt mineralogisch
Anhydrit. Der gemahlene natürliche G.
wird zuweilen unter dem Namen Annalith
oder Terra alba als Füllmasse für Papier
oder zur Herstellung weißer Glanzpapiere
verwendet. Den gebrannten G. benutzt man
zur Herstellung von Gipsgußarbeiten, na-
mentlich : Gipsfiguren, Stukkaturarbeiten,
Gipshohlformen, ferner zu chirurgischen
Zwecken (Gipsverband), zu Estrich, zum
Stereotypieren usw.; den totgebrannten zu
gewissen Glasurmassen. — Zoll: G. ist zoll-
frei. Gipswaren, einschließlich der Formen
zur Herstellung plastischer Gegenstände, sind
gern. Tarif Nr. 700—703 zollpflichtig.

Giroflö, ein Teerfarbstoff, wird durch
Einwirkung von salzsaurem Nitrosodimethyl-
anilin auf ein Gemenge von salzsaurem Meta-
xylidin und Paraxylidin erhalten. Das braune,
in Wasser mit roter Farbe lösliche Pulver wird
in Kattundruck zum Nuancieren von Alizarin-
violettdruckfarben benutzt und färbt gebeizte
Baumwolle rotviolett. — Zollfrei.

Glanz ist eine in vielen Gegenden ge-
bräuchliche Bezeichnung für Kanariensamen
(s. d.). — Zollfrei.

Glas (lat. Vitrum, frz. Verre, engl. Glass)
ist ein amorphes Gemenge verschiedener Sili-
kate, besonders des Kalzium-, Kalium- und
Natriumsilikats, sowie des Bleisilikats. Vom
chemischen Standpunkte aus unterscheidet
man zwischen Kalium-Kalziumglas, Natrium-
Kalziumglas, Kalium-Bleiglas und Aluminium-
Kalzium-Alkaliglas. Das Kalium-ICalziumglas
liefert das böhmische Glas, welches voll-
ständig farblos ist und sich durch Schwer-
schmelzbarkeit, sowie durch Härte und Wider-
standsfähigkeit auszeichnet. Das Natrium-
Kalziumglas ist bläulich, leichter schmelzbar,
aber härter als das vorige, und wird als
französisches Glas bezeichnet. Aus ihm

werden die gewöhnlichen Trinkgefäße, das
Fensterglas, die chemischen Glasutensilien,
sowie das zu optischen Zwecken verwendete
Crownglas bereitet. Das Kalium-Bleiglas
zeichnet sich durch hohes spez. Gew. und
seine stark lichtbrechenden Eigenschaften
aus. Zu dieser Kategorie gehört das Flint -
glas und der Strass. Das Aluminium-Kal-
zium-AIkaliglas endlich bezeichnet man, da es
meistens zur Plerstellung von Flaschen ver-
wendet wird, als B out ei 11 eng las. Es ent-
hält fast stets Eisensilikat und ist deshalb
gelblich oder grünlich gefärbt. — Als Roh-
material zur Glasbereitung dient hauptsächlich
Kieselsäure, Kalk, Natron, Kali und Blei.
Die Kieselsäure wird in Form von Sand,
Feuerstein oder Quarzstücken verwandt, der
Kalk entweder als Kalkspat, Marmor und
Kreide (weißes G.) oder von Mergel und
Kalkaschen (grünes G.), das Natron in Ge-
stalt von Glaubersalz oder Soda, das Kali
als gereinigte oder rohe Pottasche, und das
Blei als Mennige oder Glätte. Die färbende
Eigenschaft verschiedener Metalloxyde, wie
Eisenoxyd, Kobaltoxyd, Kupferoxyd, wird bei
der Erzeugung farbiger Gläser verwertet.
Um aus gewöhnlichem G., das infolge seines
Eisengehaltes fast immer grünlich oder gelb-
lich erscheint, weißes G. zu gewinnen, ent-
färbt man es durch Mangansuperoxyd oder
durch Mennige, arsenige Säure und Salpeter.
Ein wichtiges Material zur Glasbereitung
bietet schließlich auch der Glasbruch, d. h.
die Glasscherben der verschiedensten Her-
kunft. Zur Herstellung des G. wird der
Satz, die je nach der Glassorte zusammen-
gestellte Mischung, gemahlen und in feuer-
festen Tiegeln — Glashäfen — in Schmelz-
öfen — Glasöfen — geschmolzen. Die sich
dabei auf der Oberfläche ansammelnde Glas-
galle, welche aus dünnflüssigen, durch die
Kieselsäure nicht gebundenen Salzen besteht,
und nebst den Blasen, Knoten, Steinen und
Streifen die sogen. Fehler des G. bildet,
muß entfernt werden. Infolge ihrer Zähigkeit
eignet sich die flüssige Masse nicht zum
eigentlichen Gießen in Formen, vielmehr ist
alles sogen, gegossene G. in Formen ge-
preßt, und selbst die Spiegeltafeln verdanken
ihre Flächen nicht ausschließlich dem Guß,
sondern nebenbei der Preßwalze. Die meisten
Glaswaren werden daher geblasen und zwar
nicht nur die eigentlichen Plohlglaswaren,
sondern auch das Fensterglas und die Gläser
zu den ordinären Spiegeln. Durch geschick-
tes Manipulieren mit der aufgeblasenen Masse,
Schwenken, Drehen, Rollen, Stauchen und
mit Anwendung sehr einfacher Werkzeuge,
wie Blaserohr (Pfeife), Stäben, Scheren und
Stangen formt der Glasarbeiter, indem er,
so oft als nötig, die erstarrende Masse am
Feuer wieder erweicht, aus einem Klum-
pen Glasmasse die verschiedensten Gegen-
stände. Das Fenster- oder Tafelglas wird
entweder als Mondglas oder als Walzen-
glas hergestellt. Erst eres erhält man durch
Blasen einer großen, hohlen Kugel, welche
durch Abziehen von der Pfeife geöffnet und