﻿Glas

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Glaspapier

nun so lange in Rotation versetzt wird, bis
sie sich in eine Scheibe von 1,5 na Durch-
messer umgewandelt hat. Nach dem Erkalten
wird sie in mondförmige Stücke zerschnitten,
während das Mittelstück — Ochsenauge — zu
Butzenscheiben Verwendung findet. Zur Ge-
winnung des Walzenglases wird vor der Pfeife
ein größerer Zylinder geblasen und dieser
nach dem Durchschneiden auf einer im Streck-
ofen befindlichen Platte mittels besonderer
Polierhölzer geglättet. Das Spiegelglas ent-
steht meist durch Gießen und Walzen, sowie
durch nachheriges Schleifen und Polieren.
Die gewölbten oder parabolischen Fen-
sterscheiben erhält man aus ebenen Tafeln
dadurch, daß man sie auf gewölbten guß-
eisernen Platten im Glühofen erweichen läßt,
bis sie sich auf der Unterlage überall ange-
legt haben. In ähnlicher Weise werden die
Uhrgläser aus dem Rohen gebildet. Das
sogen. Musselin- oder Jalousieglas, das
durch weiße Ornamentation teilweise undurch-
sichtig gemacht ist, wird entweder durch Ätzen
mit Flußsäure hergestellt oder durch Ein-
brennen eines aus Knochenasche und leicht
flüssigem G. bestehendem Musters. Ge-
gossenes, roh gelassenes Tafelglas wird gegen-
wärtig vielfach zu Bedachungszwecken für
Lichthöfe, Eisenbahnhallen und Gewächs-
häuser verwendet, während zu photographi-
schen Platten gutes, starkes Tafelglas, meistens
das sogen, rheinische Doppelglas benutzt wird.
Die gestaltenreichste Gruppe der Glaswaren
bildet das Hohlglas, zu welchem alle gefäß-
artigen Glaskörper, Zylinder, Flaschen usw.
gehören, und welches in Grünhohlglas,
ordinäres Weißglas und Kristallglas
unterschieden wird. Das Hauptfabrikat bilden
Flaschen, von den rein weißen Medizinflaschen
bis zu den dunkelgrünen Bier- und Cham-
pagnerflaschen und den mächtigen Ballons,
welche zur Aufnahme von Säuren, Petroleum,
Ölen usw. Verwendung finden. Alle diese
Hohlkörper werden geblasen, sei es aus freier
Hand oder mit Benutzung von Hohlformen,
in deren Innern das Aufblasen der Glasmasse
erfolgt. Die Anwendung der letzteren ist
besonders dann geboten, wenn die Gefäße
eine andere als runde Form haben, oder an
der Oberfläche irgendwie gemodelt oder wie
geschliffen aussehen sollen. Derartig durch
Formen verzierte Hohlgläser pflegt man ge-
preßte zu nennen, wiewohl diese Bezeich-
nung eigentlich nur solchen Waren zukommt,
welche wie Teller, Salzfässer usw. wirklich
durch Einpressen von glühender Glasmasse
zwischen die zwei Teile einer Metallform her-
gestellt werden. Zur Färbung der Gläser
werden dem Glasflüsse verschiedene Metall-
oxyde hinzugesetzt. Kupferoxyd färbt smaragd-
grün, Manganoxyd violett, Kobaltoxyd blau,
Kupieroxyd und Gold rot. Zinnoxyd macht
die Glasmasse weiß und undurchsichtig
(Emailglas) und gibt in Verbindung mit
Farben matte farbige Gläser. Die bunten
Glasfenster sind meist durch Überfangen
erzeugt, d. 11. man plattiert eine weiße Glas-
schicht mit einer dünnen, farbigen, was die-

selbe Wirkung hervorruft, als sei die Masse
durch und durch gefärbt. Geschliffene
Hohlglaswaren werden durch Schleifen auf
umlaufenden Scheiben aus Eisen, Sandstein
und Holz hergestellt, wobei noch Sand und
Schmirgel als Schleifmittel Verwendung fin-
den, auch mit dem Sandgebläse oder der
Sandblasmaschine bearbeitet. Außer Tafel-
und Hohlglas seien noch folgende Fabrikate
erwähnt: Glasröhren erhält man durch
schnelles und gleichmäßiges Ausziehen einer
Glasblase nach zwei Richtungen hin, Glas-
perlen entweder durch Zerschneiden von
Glasröhren und Abschleifen der Kanten oder
durch direktes Blasen an der Lampe, facet-
tierte Perlen auch durch Pressen der Glas-
masse in zangenartigen Formen. Das eng-
lische Kristall- oder Flintglas, ein blei-
haltiges G., das aus sehr reinen Materialien
besteht und zu optischen Gläsern und Linsen
dient, wird in kleinen Tiegeln dargestellt.
Nach dem Erkalten werden die letzteren zer-
schlagen und das herausgewundene Gl. durch
Schleifen weiter zugerichtet. Der Straß ist
ein sehr bleireiches G., aus welchem künst-
liche Edelsteine und Similidiamanten herge-
stellt werden; der künstliche Aventurin,
ein mit glänzenden Füttern durchsetztes Glas.
Die Eigenschaften des G. sind je nach der
Zusammensetzung verschiedene. Das spez.
Gew. beträgt bei Alkalikalkgläsern 2,400 bis
2,600, bei Alkalibleigläsern 3—4. Die Härte
steigt mit zunehmendem Kieselsäuregehalt.
Gegen Säuren besitzt Glas eine große Wider-
standsfähigkeit, während Alkalien es mehr
oder weniger angreifen. Beachtenswert ist das
Verhalten des G. gegen verschiedene Tem-
peraturen. Bei der Herstellung schnell ab-
gekühltes G. zerspringt sehr leicht, während
bei zu langsamer Abkühlung eine Entglasung
stattfindet, und die Masse porzellanartig wird.
Werden fast bis zum Erweichen erhitzte Glas-
gegenstände in ein warmes Fett- oder Paraf-
finbad eingetaucht, erhält man das sich durch
große klärte und Dehnbarkeit auszeichnende
Hartglas. Das Strahlenbrechungsvermögen
ist bei rasch gekühltem G. doppelt so groß,
als bei langsam gekühltem. Glas ist ein
schlechter Leiter der Wärme und Elektrizität
und zeigt ein eigentümliches Verhalten gegen
direktes Sonnenlicht, indem fast alle Glasarten
durch dieses verschiedenartig gefärbt werden.
Fabriken für grünes und ordinäres weißes
Hohl- und Fensterglas sind jetzt überall ver-
breitet, da sie nicht mehr ausschließlich auf
Waldgegenden angewiesen sind, sondern all-
gemein mit Stein- und Braunkohlen arbeiten.
Am meisten findet die Holzfeuerung noch in
Böhmen statt, das nächst Venedig der älteste
Sitz der Glasmacherei ist und dessen Industrie
lange Zeit die erste war. Zurzeit haben wir
auch in Deutschland zahlreiche hervorragende
Glasfabriken, insbesonders die Thüringer
(Jena) Gläser sind in der ganzen Welt be-
rühmt. — Zoll: s. Tarif Nr. 735 ff.

Glaspapier nennt man das bekannte, durch
Ankleben von Flintstein- oder Glaspulver
unter Anwendung von Leim auf Papier her-